Heiko Mell

Arbeitgeberwechsel wegen Umzugs?

Ich arbeite seit ca. zehn Jahren bei der XY AG in A. Es gab nur einen ca. zwei Jahre dauernden „Ausflug“ zu einem anderen Arbeitgeber. Dort stellte ich aber fest, dass dieser Job und die dazu gehörenden Rahmenbedingungen nicht zu mir passten und ich wechselte in meine alte Abteilung bei XY zurück. Die Arbeit dort macht mir Spaß, ich bin bei meinen Kollegen und Vorgesetzten anerkannt, und ich könnte mir sogar vorstellen, diese Arbeit noch einige Jahre auszuführen.

Nun haben wir (mein kleines Kind, meine Lebensgefährtin und ich) im entfernten B ein Haus geerbt und sind dort eingezogen. Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, die Schilderung der Beweggründe würde diesen Rahmen sprengen.Derzeit arbeite ich weiter bei XY in A, wohne unter der Woche dort in der Nähe und verbringe nur die Wochenenden mit meiner Familie im neuen Zuhause in B. Da dies kein „Dauerzustand“ sein kann, suche ich eine neue Arbeit in B.

Wie schätzen Sie die Chancen und Risiken ein, jetzt – ich werde 40 -, nach über zehn Jahren bei XY bei einem anderen Arbeitgeber anzufangen?

Wie soll ich mich in der Bewerbung bei einem anderen Arbeitgeber „verkaufen“. Tatsache ist ja, dass ich mich nur bewerbe, weil ich nun dort wohne. Dass ich damit nicht wie „mit der Tür ins Haus fallen“ kann, ist mir klar. Allerdings möchte ich diese Tatsache nicht verschweigen, da dies früher oder später sowieso bekannt wird.

Antwort:

Es gibt zweifelsfrei Menschen mit einem „glücklichen Händchen“ bei dem, was sie so tun. Das hat schon der Alte Fritz gewusst, der auf die Frage, was einen guten Offizier ausmacht, gesagt haben soll: „Offiziere ohne Fortune kann ich nicht gebrauchen.“Aus Ihren Schilderungen darf man den „Verdacht“ ableiten: Sie haben dieses glückliche Händchen zumindest bei beruflich relevanten Entscheidungen nicht. Wenn Sie das akzeptieren und die richtigen Schlüsse daraus ziehen, können Sie damit leben. Sollten Sie die Erkenntnis verweigern und immer weiter ohne Talent entscheiden, ist mit weiterem Chaos zu rechnen.

Das ist einfach so, je eher Sie sich darauf einstellen, desto problemärmer kann Ihr (beruflich relevantes) Leben ablaufen. Jeder hat solche Begabungsschwächen. Wenn Sie Beispiele wollen: Wenn ich mich an einer fremden Kreuzung für die linke Spur entscheide, wäre es die rechte gewesen, wenn ich Aktien kaufe, lässt sich deren Niedergang vorhersagen. Also werde ich nicht Taxifahrer und verdiene mein Geld mit Arbeit, nicht mit Spekulation. Sie nun müssten nur noch lernen, etwas früher um Rat zu fragen und nicht erst ins Chaos oder die Vorstufe dazu zu stolpern und dann zu fragen: „Was soll ich jetzt tun?“

Falls Sie auch noch Beispiele aus Ihrer Geschichte brauchen, auf die ich meine Einschätzung stütze:

– die Auswahl des „Interims-Arbeitgebers“ war ein Fehler;

– die kleinlaute Rückkehr zum alten Arbeitgeber in die alte Abteilung danach war ein Fehler (Sie hatten mit dem Wechsel eine Großaktion gestartet, mit der Sie ja Ziele verfolgt hatten; diese haben Sie mit der Rückkehr komplett aufgegeben, der ganze Wechsel wurde von Ihnen als gescheitert erklärt);

– die Idee, wegen eines geerbten Hauses in eine völlig andere Gegend zu ziehen und nur aus diesem Grund jetzt einen Arbeitgeberwechsel anzustreben, ist ein Fehler („Kein Arbeitgeberwechsel aus privaten Gründen“);

– die zwischenzeitlich verfolgte Idee, mit einem so kleinen Kind auf Dauer eine Wochenendbeziehung zu führen, war auch ein Fehler.

Sie hätten jenes Haus in B verkaufen, vermieten oder die Erbschaft ausschlagen sollen. Überlegen Sie ernsthaft, ob Sie das nicht immer noch tun. Sie würden einen Fehler korrigieren, ohne dass diese Aktion Einfluss auf Ihren Existenzgaranten „Arbeitsplatz“ hätte.

Tun Sie es nicht, brauchen Sie einen neuen Job, von dem bereits feststeht, in welchem kleinen Kreis auf der Landkarte der zu liegen hat. Und das bei Ihrem mit dem Ausbruchsversuch bei XY „bewiesenen“ Untalent, auf Anhieb einen passenden neuen Arbeitsplatz zu finden. Geht das schief (was immer möglich ist), könnten Sie nun wirklich nicht mehr zu XY zurück, Sie machten sich ja lächerlich damit. Also müssten Sie dann erneut suchen – wieder nur um den Kirchturm von B herum. Diese ganzen Risiken nähmen Sie in Kauf – alles wegen eines „fremden Einflussfaktors“ (Haus).

Ich rate dringend von dem Experiment ab!

Dann habe ich aber zum Schluss noch etwas Erfreuliches für Sie (falls Sie es – was zu befürchten ist – dennoch tun):

a) Ein Wechsel nach zehn Dienstjahren ist grundsätzlich überhaupt kein Problem – etwaige Bedenken von Bewerbungsempfängern fangen deutlich oberhalb dieser Größenordnung an.

b) Jetzt wird es etwas kompliziert: Nach bestem Wissen und Gewissen rate ich vom Arbeitgeberwechsel z. B. aus „räumlichen“ Gründen ab. Aber das dahinterstehende Prinzip dient dem Schutz des einzelnen Arbeitnehmers vor falschen Entscheidungen, es hat nichts mit Arbeitgeberinteressen zu tun.

Im Gegenteil: Bei ausführendem Personal (also nicht im gehobenen Management) nimmt ein Unternehmen sehr gern Bewerber, die an den künftigen Arbeitsort räumlich gebunden sind. Damit ist die Gefahr gering, dass dieser mögliche Mitarbeiter eines Tages diese Firma freiwillig verlässt – er könnte dann ja nur in einem sehr begrenzten räumlichen Umfeld suchen.

Das gilt uneingeschränkt für mittelständische Firmen, bei denen alle wesentlichen Aktivitäten an jenem einen Ort konzentriert sind. Konzerne mit Aktivitäten an zahlreichen verschiedenen Orten legen insbesondere bei Führungs- und -nachwuchskräften oft auch Wert auf eine gewisse regionale Flexibilität (problemarme Versetzbarkeit von E nach F). Das dürfte aber hier nicht zutreffen.

Sie könnten also schlicht die Wahrheit sagen („Aus privaten Gründen haben wir den Familienwohnsitz nach B verlegt, daher suche ich jetzt hier eine neue Position.“).

Kurzantwort:

Der Grundsatz „Kein Arbeitgeberwechsel aus privaten Gründen“ gilt auch für geerbte Häuser an weit entfernten Standorten. Nichtsdestotrotz (ugs.) freuen sich Arbeitgeber oft über Bewerber, die an ihren Sitz räumlich gebunden sind.

Frage-Nr.: 2411
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 19
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2010-05-21

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