Heiko Mell

„Befristete“ Probleme

Frage/1: Nachdem mein alter Arbeitgeber, ein wirtschaftlich angeschlagener Automobilzulieferer, mir nach neun Jahren Betriebszugehörigkeit betriebsbedingt gekündigt hatte, konnte ich der drohenden Arbeitslosigkeit erst einmal von der Schippe springen. Zumindest vorläufig, weil mein neuer Arbeitsvertrag befristet ist (ab jetzt noch acht Monate). Eine unbefristete Weiterbeschäftigung ist zwar in Aussicht gestellt, aber es wäre wohl zu blauäugig, sich darauf zu verlassen.

Ich habe meine Daten in ausgewählte Bewerber-Datenbanken, z. B. ingenieurkarriere.de, eingestellt. Kann und soll ich sie dort stehen lassen mit dem Vermerk „bis xx.xx.20xx beschäftigt bei …“? Wie reagiert ein möglicher neuer Arbeitgeber auf eine so weit vor dem Ablauftermin meines Vertrages erfolgte Einstellung meiner Daten? Aus einem Gespräch mit der Personalreferentin meines neuen Arbeitgeber weiß ich, dass sie aktiv in solchen Datenbanken nach potenziell interessanten Bewerbern sucht.

Frage/2: In Vorstellungsgesprächen bot man mir oft eine ganz andere, erst demnächst zur Ausschreibung kommende Stelle an. Soll ich mir diese Chancen „warm halten“ und wie stelle ich das am besten an?

Frage/3: Mein neuer Arbeitgeber ist ein Ingenieurbüro, das mich im Projekt beim OEM einsetzt. Ist es sinnvoll, direkt beim OEM nach Weiterbeschäftigung/Festanstellung zu suchen oder biedere ich mich damit an oder laufe ich sogar Gefahr, eine Entfristung meines Vertrages beim Ingenieurbüro zu gefährden?

Antwort:

Antwort/1: Nur einmal am Rande: Man springt gegebenenfalls dem Tod noch einmal von der Schippe, im Zusammenhang mit der Arbeitslosigkeit ist das eher ungebräuchlich (besser: „… konnte ich es vermeiden, arbeitslos zu werden.“).

Jeder am Arbeitsleben Beteiligte, ob heutiger Arbeitgeber, Bewerbungsempfänger o. Ä. weiß und muss akzeptieren: Ein Arbeitnehmer, der nur ein befristetes Arbeitsverhältnis hat, muss unter allen Umständen(!) davon ausgehen, dass tatsächlich am im Vertrag genannten Enddatum „Schluss ist“. Mündliche „Versprechungen“ oder Absichtserklärungen im Hinblick auf eine Festanstellung im Anschluss an die Befristung sind nette Worte ohne Bedeutung. Damit ist allen Beteiligten auch völlig klar, dass der betroffene Arbeitnehmer praktisch vom ersten Tag des Arbeitsverhältnisses an darüber nachdenkt, wo er einen Anstellungsvertrag ab dem nächsten Tag nach Enddatum herbekommt und rechtzeitig Maßnahmen einleitet.

Es ist sogar damit zu rechnen, dass der Arbeitnehmer nicht nur auf das Ende seines Arbeitsverhältnisses „schielt“ und ab dem Tag danach eine neue Position sucht, sondern dass er schon sehr früh nach Alternativen schaut und ggf. die Kündigungsmöglichkeiten seines Vertrages in Anspruch nimmt (die ausdrücklich vereinbart sein müssten), dass er also schon deutlich vor dem Endtermin nach „neuen Ufern“ strebt.

Die Lösung für Sie: Geben Sie in den Datenbanken jeweils pauschal an, dass Ihr Arbeitsverhältnis „befristet“ ist, nennen Sie nicht den Endtermin, schreiben Sie aber Ihre eventuelle Kündigungsfrist dort hin, sofern die im Vertrag steht. Dann erkennt der Leser aus der Befristung Ihren legitimen Wunsch nach einer neuen Position und erfährt, wie schnell Sie bei ihm anfangen könnten. Wie lange Ihr Arbeitsverhältnis noch läuft, ist dann von eher sekundärer Bedeutung. Vorteil: Es gibt kein „zu frühes“ Bewerben. Und: Wer nur ein befristetes Arbeitsverhältnis hat, handelt vernünftig, wenn er im Rahmen seiner vertraglichen Möglichkeiten so früh wie möglich versucht, diesen weniger interessanten Arbeitsvertrag gegen einen unbefristeten einzutauschen. Die sich im befristeten Arbeitsverhältnis ergebende Dienstzeit unterliegt dann auch nicht den üblichen strengeren Beurteilungen: Ein befristetes Arbeitsverhältnis ist wie eine Bombe, deren – im Anfang noch längere – Zündschnur schon brennt. Niemand verlangt, dass Sie mit Löschversuchen erst beginnen, wenn die Zündflamme sich bis auf einige Zentimeter an die Bombe herangefressen hat.Achtung: Das gilt nur, wenn Sie das befristete gegen ein unbefristetes Arbeitsverhältnis eintauschen. Ein befristetes Verhältnis vorzeitig zu beenden, um woanders wieder befristet tätig zu werden, ist nicht sinnvoll.Falls Sie so nicht vorgehen wollen oder können: Arbeitgeber sind im Normalfalle an wechselwilligen Arbeitnehmern im ausführenden/sachbearbeitenden Bereich erst dann interessiert, wenn diese spätestens(!) in sechs Monaten anfangen können. Daraus ergibt sich dann ein sinnvoller Start Ihrer Bemühungen.

Antwort/2: Melden Sie sich dort konkret unter Bezug auf das damalige Gespräch wieder, wenn Sie in etwa drei bis sechs Monaten anfangen könnten (Ablauf oder ggf. vorzeitige Eigenkündigung Ihres heutigen Vertrags). Mehr ist kaum möglich.

Antwort/3: Problem ist das Wort „direkt“ im zweiten Satz. Direkt ist absolut nicht sinnvoll, denn in jedem Fall will der OEM (Kunde Ihres Arbeitnehmerverleihers) Sie erst einmal kennenlernen und in Ruhe beurteilen (mindestens einige Monate lang).

Ihr Wunsch nach Festanstellung beim OEM ist legitim, davon träumt fast jeder leih- oder projektweise fremd eingesetzte Arbeitnehmer. Oft stellen große Firmen neue Mitarbeiter sogar bewusst auf diesem Wege ein: Sie lassen sich Leiharbeiter schicken, prüfen diese, stellen einige ein und lassen die anderen „zurückgehen“, in welcher Form auch immer.

Wenn Sie also nach einigen Monaten erfolgreicher Tätigkeit beim OEM ein gutes Image haben, dürfen Sie dort ruhig einmal nachfragen, am besten zunächst im vertraulichen Gespräch mit Ihrem dortigen „Chef“.

Kurzantwort:

Bei einem befristeten Arbeitsverhältnis muss von einem Auslaufen zum Endtermin ausgegangen werden. Also ist der Arbeitnehmer (moralisch) berechtigt, schon sehr früh nach unbefristeten Alternativen zu suchen.

Frage-Nr.: 2405
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 15
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2010-04-16

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