Heiko Mell

Rechtschreibkultur

Auch mir liegt der sprachliche Ausdruck sehr am Herzen. Wenn es gar zu arg wird, setze ich deshalb auch die Noten von Diplomarbeiten in der Elektrotechnik um eine Note tiefer.

Wie schon einige Male vorher haben Sie nun auch wieder in der Antwort auf die 2.284. Frage behauptet, es gebe irgendwo „oben“ in der Gesellschaft Menschen, die etwas von Sprache verstünden. Leider sind mir solche Leute nicht bekannt (warten Sie ein paar Sekunden, ich beweise Ihnen das Gegenteil, H. Mell).

Bei uns im Hochschulwesen sind die „Oberen“ (Rektoren usw.) eher Sprachbanausen, was umso mehr für die Politik und besonders Wirtschaft gilt. Ich möchte Sie deshalb bitten, mir mitzuteilen, wo ich sprachkompetente Führungskräfte finden kann. Mir kommt leider nur eine einzige in den Sinn: Der Papst.

Antwort:

Also mit dem Papst korrespondiere ich eher selten, wir haben nicht einmal dieselbe Konfession. Da muss ich passen. Aber ich kann vielen, vielen Lesern spontan einen sprachkundigen „Oberen“ präsentieren. Auch Ihnen, wenn Ihnen der vielleicht auch nicht weiterhilft.

Sehen Sie, mein Problem sind nicht etwa einsame Höhenflüge in der deutschen Sprache. Mir geht es nicht um die letzten Feinheiten, ich bin ja schon froh, wenn die Fehler nicht ein gewisses Maß überschreiten. Höheren Ansprüchen wäre ich auch gar nicht gewachsen. Aber gerade auch im unteren bis mittleren Anspruchsbereich, was den Umgang mit der deutschen Sprache angeht, gibt es nicht nur sehr viel zu tun, dort vor allem gilt auch, was ich – wie Sie es nennen -behaupte. Gerade heute legt man mir wieder neue Zuschriften zu dieser Serie auf den Tisch. Und was springt mir aus der obersten ins Auge? „… absolvierte ich in einem Mittelständigen Unternehmen …“ Ein eklatanter Doppelfehler in einem Wort (es muss „mittelständisch“ mit kleinem „m“ heißen)!

Das ist – in der einen oder anderen Form – Standard „in diesem unserem Lande“ (Kohl, Helmut). Und den typischen Verfassern solcher sprachlichen Machwerke drohe ich: „Da gibt es weiter oben viele, sehr viele Menschen, die das sofort als Fehler erkennen und darauf negativ reagieren. So dass Ihnen empfindliche Nachteile drohen.“

Eine meiner Zielgruppen sind Studenten. Und auch die warne ich vor „Oberen“, die mehr von der Sprache verstünden. „Oben“ aus Studentensicht sitzen die Professoren. Die beispielsweise Diplomarbeiten benoten – und schlechter bewerten könnten, wenn allzu viele Fehler enthalten sein sollten. Und schon kann ich ein lebendes Beispiel einer solchen Persönlichkeit präsentieren: Herrn Professor Dr. Dr. X (Namen nennen wir hier ja grundsätzlich nicht) von der Y-Universität in Z. Schauen Sie einmal in den Spiegel und lesen Sie Ihre eigenen Zuschrift (was zu beweisen war, wie der Lateiner sagen würde).

Und so kenne ich auch viele höhere Führungskräfte der Wirtschaft, die diese und ähnliche „Klopse“ sofort erkennen (u. a. das / dass) und negativ darauf reagieren. Und bei denen man sich darauf verlassen kann, dass ihre eigenen Briefe und auch E-Mails frei davon sind.

Und falls tatsächlich der Papst besondere Fähigkeiten auf dem Gebiet hat, was ich gern unterstelle, dann gilt meine Mahnung Funktionären in den unteren und mittleren Rängen seiner Institution: Sofern Sie Briefe nach Rom senden, seien Sie vorsichtig. Vom Banausentum (auf sprachlichem Gebiet) unter Rektoren verstehe ich nichts. Aber werden diese Persönlichkeiten nicht gewählt – auch von Menschen wie Ihnen?

Ihre Abwertung von Diplom- und Studienarbeiten – nicht wegen eines offensichtlichen Tipp- oder Kommafehlers, sondern wegen schier unerträglicher sprachlicher Schlamperei – unterstütze ich durchaus. Wenn beispielsweise eine „1“ darunter steht, dann müssen Inhalt, sprachliche Darstellung und formale Aufbereitung hohen Ansprüchen genügen. Mit dieser Drohung vor Augen werden sicher zahlreiche Studenten frühzeitig tun, was nach Schulende allein noch helfen kann: viel lesen, vor allem Gedrucktes, am besten Bücher. E-Mails anderer Leute taugen meist nur als schlechte Beispiele.

Frage-Nr.: 2290
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 7
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2009-02-11

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