Heiko Mell

Anrede auf der Toilette

Wie spreche ich formal richtig oder zumindest nicht ganz ungeschickt einen Geschäftspartner an, den ich kenne und auf der Toilette treffe?

Beruflich führe ich Schulungen und Beratungen durch. Dabei kommt es immer wieder einmal vor, dass ich einen bekannten Geschäftspartner wiedertreffe, allerdings an jenem unpassenden Ort. Ein längeres Gespräch entfällt definitiv, ein kurzes Hallo ist dagegen schon erwünscht.

Gibt es dazu aus Ihrer Erfahrung eine Empfehlung?

Antwort:

Hätte mich eine in der vorigen Ausgabe der VDI nachrichten abgedruckte Frage nicht in die hypothetische Nähe zu Albert Einstein gerückt, würde ich mir ernsthaft Gedanken über das Niveau dieser Serie machen müssen. So aber ist es mir möglich, gelassen ein „breites Spektrum“ von aufgeworfenen Themen festzustellen.

Je nach Tätigkeit der Betroffenen – und je nach Häufigkeit des eigenen Toilettenbesuchs – gibt es das Problem tatsächlich. Und es müssen nicht immer fremde Geschäftspartner sein, die man trifft, auch ranghohe Chefs sind möglich.

Ich selbst habe erlebt, wie ein ausgewachsener Konzerndirektor bei einem seiner – häufigen – entsprechenden Besuche im vorgelagerten Waschraum ein Grüppchen seiner eigenen Leute wiedertraf, das er in eben dieser Formation schon beim vorigen Besuch freudig schwatzend vorgefunden hatte. Er ging auf die Mitarbeiter los mit einem scharf hingeworfenen: „Soll ich euch Kaffe und Kuchen bringen, dann wäre es noch gemütlicher?“ Da sah der altgediente, nichts mehr wollende und nicht mehr „bestrafbare“ Gruppenleiter Müller seine spezielle Chance: „Das wäre aber sehr nett von Ihnen, Herr Schulze.“ Direktor Schulze war blamiert, Müller der Held des Tages. Das ganze Haus hat anerkennend geschmunzelt.

Und die Moral? Schulze hatte falsch reagiert und Angriffsfläche geboten. Er hätte beispielsweise sagen sollen: „Guten Morgen, meine Herren – ach, ich hatte Sie ja schon bei meinem letzten Besuch hier begrüßt. Ich hoffe nur, mit Ihrer Verdauung ist alles in Ordnung?“ Dann hätten sie sich ertappt gefühlt – und wären still gegangen.

Also gut, wer ist schon Spezialist für Begrüßungen auf Toiletten, ich sicher auch nicht. Aber mein Vorschlag lautet:

– Tageszeit

-Gruß, namentliche Anrede entbehrlich; freundliches, unverbindliches Lächeln dabei;

– kein Händeschütteln (die Finger sind entweder noch nicht gewaschen oder noch feucht davon);

– keine Ansprache eventuell anstehender Probleme;

– ggf. ist eine kurze Bemerkung über das Wetter geeignet, den Eindruck allzu schroffer Kürze zu mildern.

– Achtung: Man weiß beiderseits nicht, wie eilig es der jeweils andere hat – ihn aufzuhalten wäre unhöflich.

Hinweis für diejenigen meiner Kritiker, die sich nuanciert damit auseinandersetzen, dass Frage XXXX ihnen nichts gebracht hätte und Frage YYYY vermutlich nur einen kleinen Kreis von Lesern interessieren würde, während Frage ZZZZ von großem Gewinn für die Allgemeinheit sei: Mein Leserkreis reicht vom 16-jährigen Schüler bis zum 88-jährigen Rentner. Nichts kann allen gefallen; mehr als die Hälfte der Wähler hat beispielsweise die Partei, deren Spitzenkandidatin später Bundeskanzlerin wurde, nicht gewählt. Warum sollte es mir besser ergehen? Ach ja, dieser Beitrag hier war Satire pur – schmunzeln Sie ruhig mal wieder.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2222
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 21
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2008-05-21

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist ein deutscher Personalberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI-Nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI-Nachrichten.

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