01.01.2016, 21:46 Uhr

Erythrophobie: Und sie nannten ihn Osram

Ich bin Anfang 30 und seit einigen Jahren bei meinem ersten Unternehmen tätig.Ich bekomme schon mal einen ziemlich roten Kopf! Wenn z. B. mein Chef zu mir kommt und mich nach einer Sache fragt, die ich aber vergessen habe zu machen oder wenn ich einen gravierenden Fehler gemacht habe! Einfach bei Situationen, die mir richtig unangenehm sind, leuchte ich heller als die Sonne. Kunden gegenüber ist mir das allerdings noch nie passiert.In meiner Freizeit bin ich in einer Funktionärsfunktion im Sport tätig. Auch da ist das noch nie vorgekommen. Dort trete ich immer souverän auf. In der Schule kam es ab und zu vor. Daher wurde ich dann schon mal Osram genannt.Es ist Gott sei Dank nicht so, dass das täglich oder wöchentlich passiert. Aber ich weiß, wenn ich noch etwas erreichen will (laut Ihrem Karrieretest und meiner „Wunschvorstellung“ werde ich Abteilungsleiter), muss ich möglichst schnell etwas dagegen tun. Die Frage ist aber: Was? Kann man damit zum Arzt gehen? Medikamente wird es wohl nicht geben. Oder kann man so etwas „wegtrainieren“, wie man trainieren kann, mit dem Rauchen aufzuhören? Es gibt doch heutzutage für fast alle Probleme eine Lösung.

Antwort:

Ich bin nach mehr als vierzig Berufsjahren im Umgang mit Menschen ein wenig misstrauisch geworden. Was u. a. auch dazu führt, dass bei mir bei manchen Zuschriften ein rotes Warnlämpchen angeht. Und dann sehe ich drei Studenten beim Bier, die einfach einmal ausprobieren wollen, ob man diesen „oberschlauen“ Karriereberater nicht hereinlegen kann. Beispielsweise mit einer konstruierten Geschichte. Aber ich habe natürlich keinen Beweis – und die eigentliche Problemschilderung klingt ebenso überzeugend wie realitätsnah. So etwas gibt es. Kümmern wir uns also darum (obwohl da Fragen offen bleiben).Die Schule, von der Sie sprechen, ist vorbei, von Problemen bei der Ansprache von Mädels – für die ich dann aber weder zuständig noch kompetent wäre – schreiben Sie nichts, bleibt allein Ihr Chef. Und da liegt die Lösung auf der Hand: Sie erröten, wenn er Sie dabei erwischt, seine Aufträge vergessen oder gravierende Fehler gemacht zu haben? Beides sollten Sie ohnehin nicht tun! Also vergessen Sie nichts, was Sie hätten tun sollen und vermeiden Sie gravierende Fehler – das ist gut für den Erhalt Ihres Arbeitsplatzes, dient Ihrem Ziel, irgendwann befördert zu werden und entzieht Ihrem Erröten („Schamröte“) die Basis.Ganz konkret: Wenn Sie öfter als einmal im Jahr jeweils eine Chef-Anweisung vergessen und einen gravierenden Fehler machen, dann „vergisst“ der Arbeitgeber glatt, Sie zu befördern.Diese Auslöser also könnten Sie vermeiden. Zwar ist niemand ganz ohne Fehler, aber ein(!) Erröten im Jahr wäre doch wohl kein Problem. Oder anders herum gesagt: Man befördert ggf. einen Menschen deshalb nicht zum Abteilungsleiter, weil er Anweisungen vergisst und gravierende Fehler macht, nicht jedoch weil er deswegen errötet.Mir ist hier also der Schluss erlaubt, dass Sie neben einem zwar sicher unangenehmen, hier aber eher harmlos zu nennenden Problem ein größeres haben, das Sie harmlos finden, was wiederum eine klassische Fehleinschätzung darstellt.Soviel dazu. Und dann fragt mich, den blutigen medizinischen Laien, jemand in Ihrem Alter, ob man damit zum Arzt gehen kann? Nun, man kann.Aber muss ich eigentlich Ihrer Generation den Blick ins Internet empfehlen oder wäre es nicht eher umgekehrt? Schon ein bisschen ungewöhnlich, dass Sie nicht darauf gekommen sein wollen: Google zeigt achtundzwanzigtausend Treffer an, wenn man „Erröten“ in Verbindung mit „Behandlung“ eingibt. Da ist dann ausführlich von Therapien bis hin zur – am Ende der Behandlungskette denkbaren – Operation die Rede. Und es gibt Adressen, Buchempfehlungen etc. Warum also kommen Sie zu mir? Ist es doch der Student beim Bier?Nun, ich nutze jedenfalls die Gelegenheit, den moralischen Zeigefinger zu heben: Stellen Sie Ihren Chef zufrieden. Schaffen Sie das nicht, drohen schlimmere Konsequenzen als das Erröten.

Kurzantwort:

Wer darunter leidet, dass er – stark – errötet, wenn er vom Chef bei Versäumnissen oder Fehlern ertappt wird, hat ein kleines (Erröten) und ein großes Problem (Versäumnisse, Fehler). Es empfiehlt sich, letzteres zuerst zu lösen.
Frage-Nr.: 2100
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 10
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2007-03-08

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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