Heiko Mell

Teilzeitstelle dringend gesucht

Ist es denn wirklich nicht möglich, eine Teilzeitstelle zu finden?

Nach meinem BA-Abschluss in E-Technik / Nachrichtentechnik bin ich (weibl.) seit zehn Jahren in verschiedenen Positionen und Firmen im Bereich PreSales Consulting IT tätig. Aus privaten Gründen suche ich nun eine Teilzeitstelle.

Grundsätzlich geht es der IT-Branche nicht schlecht, grundsätzlich werden gut ausgebildete Ingenieure gesucht. Nur eben leider nur 40 Stunden + Überstunden-Kandidaten(??).

Haben Sie einen Tipp für mich, wie ich trotz meines Teilzeit-Handikaps einen Job finden kann? Oder sollte ich mich damit abfinden, dass man Kind und Karriere (oder besser Kind und Job) nicht vereinbaren kann?

Antwort:

Ich greife nicht gern Fragen auf, bei denen mir auch keine überzeugende Antwort einfällt. Fakt ist, dass es deutlich weniger Teilzeitstellen gibt als insbesondere von Müttern nachgefragt werden.

Ich verstehe natürlich auch die Firmen: Die Positionen sind für Vollzeit-Arbeitskräfte eingerichtet; daraus Teilzeitplätze zu machen, bringt für die Chefs Nachteile mit sich. Die wichtigsten: Zwei Mitarbeiter sind teurer als einer, weniger wegen des Gehalts als allein schon wegen des höheren Verwaltungsaufwands. Dann ist es schwer genug, einen sehr guten Mitarbeiter zu finden – bei zweien wäre es reiner Zufall. Entscheidend aber ist, dass die Halbtagskraft „nie da ist, wenn man sie braucht“; ganz besonders kritisch ist es, wenn es Außenbeziehungen (Kunden) an diesem Arbeitsplatz gibt.

Schön, es wird immer wieder behauptet, zwei Halbtagskräfte leisteten mehr als eine Vollzeitkraft, weil sie jeweils frischer und ausgeruhter an ihre Arbeit herangingen – aber der einzelne Bewerber wird das niemals beweisen können.

Meiner Meinung nach spielen hier folgende Aspekte und Überlegungen hinein:

1. Der Überlebenskampf der Unternehmen ist äußerst hart. Folgerichtig tun sie nichts, was ihnen nicht vernünftig und sinnvoll erscheint. Jegliche Art von Appell an die einzelne Firma, sie müsste doch eigentlich …, ist sinnlos. Wenn ein Arbeitgeber Teilzeitkräfte einstellt, dann weil er damit eines seiner Probleme löst (für die Lösung von Problemen außenstehender Menschen fühlt er sich nicht zuständig, dafür wird er auch nicht honoriert).

2. Unternehmen tun sofort alles, wenn damit für sie ein klarer Vorteil verbunden ist. Einfaches Beispiel: Eine Firma bekommt trotz mehrfacher Bemühungen keinen geeigneten Vollzeit-Bewerber, aber eine Teilzeit-Kandidatin bringt genau diese seltene Qualifikation mit. Dann könnte(!) man über einen Kompromiss nachdenken. Nachteil: Zufall, für Bewerber sehr schwer kalkulatorisch zu erfassen.

3. Erfahrungsgemäß sind Bewerbungen bei klassischen Vollzeitstellen ziemlich sinnlos, wenn man sich – mit anforderungsgerechter Qualifikation – als Teilzeitkraft anbietet.

4. Überhaupt scheint es mir kaum aussichtsreich zu sein, als Bewerber für seine vorhandene Qualifikation eine genau passende Teilzeitposition zu suchen.

Aber man könnte beispielsweise die hohe eigene Qualifikation für eine auf weniger anspruchsvollem Niveau liegende Stelle in Teilzeit anbieten. Dann hätte der potenzielle Arbeitgeber nicht nur Nachteile, sondern auch Vorteile – und könnte zumindest einmal abwägen: „Schön, die Bewerberin will halbtags arbeiten. Aber ich bekäme die Qualifikation einer erfahrenen Diplom-Ingenieurin für den Arbeitsplatz einer Technischen Zeichnerin (und natürlich zu deren Gehalt).“ Das ist selbstverständlich nur ein Beispiel, könnte aber Denkanstoß sein.

Dass Teilzeitarbeit fast immer auch mit Abstrichen beim Niveau der Tätigkeit und damit beim Gehaltsniveau verbunden ist, dürfte Ihnen bewusst sein.

Kurzantwort:

Unternehmen lösen ihre eigenen Probleme – nicht die der Gesellschaft. Daher bieten sie Teilzeitstellen an, wenn sie Vorteile darin sehen, sonst eher nicht.

Frage-Nr.: 1920
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 13
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2005-03-31

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