Heiko Mell

Leserreaktion – Rauchzeichen

Im Beitrag 1.672 behandeln Sie das Thema „Rauchen am Arbeitsplatz“. Hierzu eine Anregung:

1. Die im Handel erhältlichen elektrischen Luftreinigungsapparate vermindern nach meiner Erfahrung den Qualmgehalt in der Luft spürbar.

2. Das Verhalten des Vorgesetzten finde ich sehr bedauerlich. Er müsste von sich aus das Rauchen in Zimmern, in denen sich ein oder mehrere Nichtraucher aufhalten, verbieten.

Antwort:

Zu 1: Irgendetwas in der Art meinte ich mit meinem Hinweis auf eine bauliche (technische) Lösung.

Nur: Bitte bedenken Sie die Begehrlichkeiten der anderen Mitarbeiter in einem (größeren) Unternehmen und den einzuhaltenden Gleichbehandlungsgrundsatz: Stellen Sie einem Team ein solches Gerät (vielleicht auch eine transportable Klimaanlage) zur Verfügung, steht am nächsten Morgen der Betriebsrat „auf der Matte“ und erklärt:

a) Das mit dem Gerät sei sehr schön.

b) Es gäbe noch dreiundachtzig Büros, in denen Raucher und Nichtraucher gemeinsam säßen – die hätten jetzt selbstverständlich auch ein Recht auf Luftverbesserung.Unterschätzen Sie diesen Effekt nicht, auf so etwas sind Unternehmensleitungen stets vorbereitet („wehret den Anfängen“).

Zu 2: So einfach ist das nicht. Da es uns hier ums Prinzip geht, lassen wir einmal eventuelle Vorschriften (EU-Luftreinhalteverordnung in der Fassung vom …) außen vor und sehen nur die „Sache“:

Da ist eine Gruppe von drei erfahrenen, eingearbeiteten (männlichen) Mitarbeitern, die seit Jahren sehr erfolgreich sind, miteinander harmonieren etc. Dazu stößt jetzt ein vierter, weiblich, Berufsanfänger, bisher ohne Verdienste um die Firma.

Und dieser vierte nimmt Anstoß an etwas, was die drei anderen tun, immer getan haben und was niemanden bisher gestört hat. Was diesen drei Leuten aber so wichtig ist, dass es hoffnungslos wäre, sie davon abzubringen (sie rauchen). Schön, jeder versteht, woran sich dieser neue Mitarbeiter reibt. Aber für den Chef sieht das doch so aus:

„Ich komme bei fanatischen Rauchern mit gutem Zureden allein nicht weiter. Also müsste ich diese Raucherei verbieten. Damit fahre ich die drei bewährten Mitarbeiter sauer. Und ich schaffe mir Probleme: Das Verbot muss überwacht werden, ich muss mich darum kümmern, im Übertretungsfalle muss ich Sanktionen verhängen. Und sie werden es übertreten, es wird Ärger geben – mit mir und/oder mit dem Neuen. Und eine bisher tadellos funktionierende Gruppe bricht irgendwann auseinander. Oder die drei Raucher kommen zur Erkenntnis, der Ärger habe erst mit dem Eintritt des vierten angefangen: Geht der wieder, geht auch das Problem, zumindest erst einmal; danach soll man einen neuen Mitarbeiter einstellen, der selbst raucht.“ Also droht interner Kleinkrieg, eventuell sogar aktives Mobbing.

Nein, der Vorgesetzte wird sagen: „Moralisch haben Sie Recht, ein Verbot wäre auf dem Papier eine Lösung. Aber noch mehr als qualmfreie Büros, in denen es aber dann Ärger und Kleinkrieg gibt, wollen meine Chefs Top-Arbeitsresultate von mir und meinen Leuten. Und das läuft ja z. Z. alles, das setze ich doch nicht aufs Spiel wegen eines maulenden Berufsanfängers.“

Das, erinnern wir uns, wollte auch dieser Neuling nicht. Dem Chef wiederum wäre es sicher ganz lieb, die Unternehmensleitung oder ein Gesetz würde das Rauchen am Arbeitsplatz verbieten. Dann wäre er „es nicht gewesen“, könnte bedauernd sagen, wäre es nach ihm gegangen … – und hätte das gesamte Problem „vom Hals“.

Nein, so einfach per Chef-Verbot ist so etwas in der Praxis nicht zu lösen. Dabei steht „Rauchen“ hier nur stellvertretend für ein beliebiges Problem der gestörten Harmonie von Gruppenmitgliedern untereinander.

Und bevor man vom Chef etwas erwartet oder gar verlangt, versetze man sich in dessen Lage und frage sich, was denn wohl für ihn auf Nr. 1 seiner Prioritätenliste steht (weil seine Vorgesetzten ihn daran messen). Und da gilt eben in solch einem Fall klar: Ein hoher Leistungsstandard der Abteilung mit vollmotivierten, engagierten Mitarbeitern, die harmonisch und ohne Reibungsverluste „funktionieren“.

Spricht der Chef aus eigener Machtvollkommenheit in der hier geltenden Konstellation ein Rauchverbot aus, ohne durch ein „richtiges“ oder durch ein hausinternes Gesetz gedeckt oder dazu verpflichtet zu sein, riskiert er sein Ziel Nr. 1. Das wird ihm nicht gefallen!

PS. Sie könnten mich fragen, ob ich nun Nichtraucher bin. Antwort: Selbstverständlich nicht! So wie ich auch kein Nicht-Handtaschenräuber, Nicht-Drogenabhängiger oder Nicht-Säufer bin. Ich bin hingegen ein ganz normaler Mensch, der nicht raucht (seit mehr als zwanzig Jahren nicht mehr – was zeigt, dass man kann, wenn man will). „Nichtraucher“ ist ein etwas albernes Wort, das die Ausnahme „Rauchen“ zur Norm erhebt – was unangebracht ist.

Kurzantwort:

Chefs nutzen ihre Macht vor allem, um die Ziele durchzusetzen, die ihnen aus ihrer Situation heraus (Verhältnis zu ihren Vorgesetzten) wichtig sind. Oder anders: Sie handeln so, dass sie die jeweils größte Gefahr für ihre eigene Karriere abwenden.

Frage-Nr.: 1680
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 26
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2002-06-28

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