Heiko Mell

Wie soll ich mich im Urlaub verhalten?

Wie soll sich ein Mitarbeiter, der Führungsverantwortung hat und das Wohlwollen seines Chefs anstrebt bzw. nicht verlieren möchte, im Urlaub verhalten?

Eine Möglichkeit, die sicher von Medizinern und der mitreisenden Familie bevorzugt wird: Er schaltet völlig ab, ist ein paar Wochen nur im Notfall erreichbar und er denkt, wenn überhaupt, mit gehörigem Abstand über seine Arbeit nach.

Das andere Extrem: Er hat Kommunikationstechnik dabei, liest täglich seine Mails und lässt sich regelmäßig telefonisch berichten.

Was denken Sie, was sollte er tun, was sollte er besser nicht tun, was ist in der Praxis üblich?

Antwort:

Es gibt doch immer wieder Themen, die ausgesprochen originell sind – und dennoch völlig nahtlos in diese Serie passen. Ich beglückwünsche Sie zu dieser Frage und ordne meine Gedanken so:

1. Normal im Sinne von Standardverhalten sind bis in höhere (nicht höchste!) Managementebenen das totale Abschalten und die auf wirkliche Notfälle beschränkte Erreichbarkeit. Genau zu diesem Zweck (Regeneration, „Aufladen der körpereigenen Akkus“ durch absolutes Entspannen und völlig gegensätzliches Verhalten gegenüber dem Tagesgeschäft) ist der Urlaub „erfunden“ worden.

Nur so sind viele übliche Urlaube überhaupt erst möglich (Bergsteigen, Wüstendurchquerung, Eiswandern in Grönland, mit dem Kanu über den Atlantik etc.).

2. Es gilt vielfach als Schwäche(!), sich für unersetzbar zu halten. Eine „anständige“ Führungskraft hat ihren „Laden“ so im Griff, dass er auch einmal drei Wochen ohne sie läuft, dass qualifizierte, wohlinformierte Stellvertreter oder Mitarbeiter eine begrenzte Zeit ohne den Vorgesetzten auskommen. „Ohne mich läuft hier gar nichts“, ist demgegenüber mehr von der Angst geprägt, heimlich ausgebootet zu werden – oder die innerbetriebliche Öffentlichkeit erfahren zu lassen, dass es auch ganz gut alleine läuft.

3. Der Urlaub hat die Besonderheit, dass seine zeitliche Lage im Jahr lange vorher und damit ohne Rücksicht auf gerade dann bestehende Probleme bzw. eintretende Katastrophen festgelegt wird.

Es kann also im Ausnahmefall(!) durchaus sein, dass sich bei Urlaubsantritt eine Lage herausgebildet hat, in der die Anwesenheit der Führungskraft eigentlich äußerst wünschenswert wäre (ein wichtiges Projekt droht zu platzen, ein beherrschender Kunde will gerade abspringen, bei einem Serienanlauf zeigen sich exorbitante Qualitätsprobleme, es kursieren Gerüchte über den Verkauf der Firma).

Dann wäre es ein im wohlerwogenen eigenen Interesse liegender Akt der Vernunft, auf „erreichbar“ zu schalten und täglich mit der Firma zu kommunizieren (wenn man nicht im Extremfall lieber überhaupt den Urlaub verschiebt).

Wäre das in vier von fünf Jahren so, wäre nicht nur die Partnerin/der Partner „sauer“, man machte auch etwas in der eigenen Arbeitsorganisation falsch. Wir sprechen hier nur von Ausnahmen.

4. Es zahlt sich generell nicht aus, den Erwartungen oder schlicht dem Vorbild des Chefs nicht zu entsprechen oder gegen die „Gepflogenheiten in der Firma“ zu handeln.

Gibt der Chef nach zwei Urlauben dieses Signal, bleibt für den dritten keine Ausweichchance mehr: „Also, Müller, es gab da jeweils dringende Probleme in Ihrer Abteilung, und Sie waren nicht erreichbar. Ich musste mich mühsam in die Details einarbeiten, was für mich mit erheblichem Aufwand verbunden war. Grummel, Grummel.“ Klar ist: Beim nächsten Mal jagen täglich E-Mails hin und her.

Ist im Hause bekannt, dass der Chef – auch ohne erkennbare Notwendigkeit – aus dem Urlaub heraus ständig kommuniziert, erkennt man daraus seine Erwartungen an die Ebene darunter. Die Führungskräfte müssen ihn nicht übertreffen, aber ein bisschen müssen sie in der Richtung auch tun.

Und wenn man weiß, dass der Chef empfänglich für so etwas ist, kann man ja nach Rückkehr gelegentlich einfließen lassen: „Ich hatte mich in dieser Angelegenheit auch während meiner Abwesenheit auf dem Laufenden gehalten“ – auch wenn das nicht über einen Anruf pro Woche hinausging.

5. Wer sicher sein darf, eine unbestreitbar starke Position in der Firma zu haben, wer einmalige Fachkenntnisse hat, auf tolle Leistungen verweisen kann – und wer nur eine Position halten, aber nicht weiter aufsteigen will, der darf sich auch einmal etwas „mehr“ erlauben (was in diesem Falle heißen würde, weniger zu tun). Und darf frohgemut zum Wandern nach Nepal aufbrechen. Wo das Mitschleppen von Laptops eher nicht üblich ist (leider, leider).

Kurzantwort:

Auch die ambitionierte Führungskraft sollte im Urlaub generell abschalten – das ist schließlich Zweck der Übung. Aber es kann ratsam sein, über Ausnahmen nachzudenken.

Frage-Nr.: 1675
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 23
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2002-06-05

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