Heiko Mell

Am Fabriktor hört die Demokratie auf!

Ihre Artikelserie wird m. E. gerade deshalb so gerne gelesen, weil Sie Fakten unserer Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft wertneutral aufzeigen!

Ich bin nun schon 35 Jahre im Berufsleben und davon 20 Jahre Abteilungsleiter nebst 5 Jahren im Ausland, aber eines habe ich gelernt (überspitzt ausgedrückt): Am Fabriktor hört die Demokratie auf! Nichts anderes gibt Ihre Serie wieder: Hinter dem Fabriktor gibt es bestimmte Spielregeln, die zu beachten und tunlichst einzuhalten sind! Man trennt sich lieber von einem guten Mitarbeiter als die nicht eingehaltenen Regeln zu ändern.

Insofern ist Ihre Artikelserie einmalig, jede Woche aufs Neue interessant und als Dauerbrenner auch erforderlich, denn warum soll man nicht von den Erfahrungen anderer lernen?

Selbst ich mit meiner langjährigen Berufserfahrung kann aus Ihrer Artikelserie noch schöpfen! So kürzlich geschehen, als es um die Marke meines Dienstwagens ging: Ich revidierte aufgrund eines Artikels von Ihnen meinen diesbezüglichen Antrag an meinen Vorgesetzten und formulierte ihn um. Dies dahingehend, dass er meine „Forderung“ auch erfüllen kann und ich ihn nicht mit einer „überzogenen“ Forderung in Schwierigkeiten bringe. Hier ein nachträgliches Danke!

Also weiter so!

Antwort:

Das Verhältnis der Leser zu ihren Chefs zu entkrampfen und wenn möglich zu verbessern, ist mir ein zentrales Anliegen. Dazu gehört die Empfehlung, sich gelegentlich in deren Situation zu versetzen und die Dinge aus ihren Blickwinkeln zu betrachten.

Und es gehört dazu der Rat, den Chef nicht durch Bitten oder gar Forderungen, die er gar nicht erfüllen kann, in Schwierigkeiten zu bringen.

Als allgemeine Empfehlung passt zum Thema: Eine gewisse Bescheidenheit in Repräsentationsfragen ziert den ambitionierten Mitarbeiter jeder Hierarchieebene. Wer also im Zweifelsfall die unauffällige Büroausstattung wählt, sich für den preiswerteren Dienstwagen entscheidet oder beim Flug die niedere Klasse wählt, ist in vielen Häusern gut beraten. Im Zweifelsfall hilft der Blick auf die Kollegen und deren Verhalten in diesen Fragen, sowie ein vorsichtiges Herantasten an die Einstellung des Chefs.

Wie sagte einst ein Vorgesetzter zu mir: „Was ich an Ihnen so schätze, Herr Mell, ist, dass Sie nie jene feine Grenze überschreiten werden, die nun einmal zwischen uns gezogen ist.“ Womit er meinte: „Sie haben soeben ganz massiv eben diese Grenze übertreten.“ Was als „Schuss vor den Bug“ zu deuten ist.

Für Beispiele aller Art bin ich stets dankbar. Auch für solche, die vielleicht gar keine konkrete „Frage“ mehr enthalten, sondern „nur“ die selbst erlebte Lösung eines schwierigen Falles schildern. Ich werde das dann kommentieren und versuchen, die Hintergründe zu beleuchten. Oder darzustellen, welche Gründe es eventuell für Misserfolge gab.

Eines steht fest: Was in dieser Serie an konkreten Situationen schon geschildert wurde, hätte ich so überzeugend nie „erfinden“ können. Auch auf die Geschichte mit dem „vorsichtigen“ Dienstwagenantrag muss man erst einmal kommen …

Aber die dahinterstehende Überlegung ist richtig: Nur zu leicht sammeln sich bei Chefs aus derartigen Vorfällen Meinungssplitter an, die sich dann im falschen Augenblick addieren:“Erst war der Kerl nicht da, als ich ihn brauchte. Dauernd hängt er auf irgendwelchen Seminaren oder Besprechungen herum. Dann war er mit seinem Projekt vier Wochen im Rückstand, was ich dem Vorstand erklären musste. Und jetzt verlangt er, dass ich mich für einen Dienstwagen einsetze, der ihm nicht zusteht. Ja, ist der denn völlig …?“

Frage-Nr.: 1566
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 9
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2001-03-02

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