Liebesbeziehung als Karriereknick?

Ich bin zur Zeit bei einem … als Führungskraft tätig. Seit kurzer Zeit verbindet mich mit einer Kollegin (ebenfalls Führungskraft in unserem Haus) eine Liebesbeziehung, die wir bisher sehr diskret behandeln. Wir sind beide ledig. Unabhängig voneinander wurden wir im Zuge unseres Berufslebens immer wieder generell vor einer Liaison mit Mitarbeitern des eigenen Unternehmens gewarnt.1. Stellt eine Liebesbeziehung mit gleichrangigen Kollegen / Kolleginnen – sofern sie bekannt wird – tatsächlich eine Gefährdung der beruflichen Fortentwicklung in dem betroffenen Unternehmen dar?2. Wäre der Wechsel eines der Partner der Beziehung in ein anderes Unternehmen zu empfehlen oder gar zwingend?3. Gilt eine differenzierte Einschätzung für eine entsprechende Beziehung zwischen Mitarbeitern unterschiedlicher Hierarchieebenen (z. B. Chefin / Sekretär)?4. Wie ist eine solche enge Beziehung zwischen Mitarbeitern konkurrierender Unternehmen unter dem Gesichtspunkt der Karriereplanung zu bewerten?

Antwort:

Zu 1: Aber ja. Und nicht nur das: Sogar die nackte (hier völlig unanzüglich gemeint) Existenz ist gefährdet. Sie könnten letztlich beide gehen müssen, wobei man wohl kaum diese Beziehung als Grund nennen würde.Zu 2: Ja, uneingeschränkt. Und schnell.Zu 3: Ja. Da das Unternehmen, vertreten durch die ranghohen Vorgesetzten, an der Chefin mehr hängt als an ihrem Sekretär (der leichter austauschbar ist), wird man zu ersterer vielleicht mit leicht erhobenem Zeigefinger ein paar mahnende Worte sprechen – und letzteren loszuwerden suchen. Es sei denn, die Chefin ist ohnehin in Ungnade, dann hat man einen Grund, sie zu entlassen (weil der Sekretär ihr abhängiger Untergebener ist). Persönliche Anmerkung von mir: Sie bilden allerliebste Beispiele, die durch ihre hohe statistische Wahrscheinlichkeit beeindrucken.Zu 4: Hochbrisant. Dass Sie als Leiter der Entwicklung mit der Chefin des Controlling Ihres Hauses intim sind, ist schlimm genug (siehe Details weiter unten). Aber dass „die Konkurrenz“ vielleicht alle technischen Einzelheiten der neuesten Entwicklungen erfährt, wird Ihren höchsten Chef vor Wut schier platzen lassen. Und dass das wiederum nicht gut ist für Angestellte und deren Existenz, setze ich als bekannt voraus.Zum Grundsätzlichen, wobei ich um Nachsicht bitte, wenn mein Ausdruck dabei etwas direkt wird: Es gibt, so eine Kernregel bei der Beurteilung entsprechender Situationen, im Bett keine Geheimnisse voreinander. Also gehen stets alle(!) anderen Menschen davon aus, beide Partner erzählten sich gegenseitig alles (mit beruflichem Bezug). Ob sie das wirklich tun, ist unerheblich, entsprechende „Schwüre“ würde niemand glauben. Damit haben Sie die Untermauerung der Antwort zu Frage 4.Für die „innerhäusige“ Beziehung zweier Führungskräfte gilt das mit der nicht mehr gegebenen Vertraulichkeit entsprechender Informationen natürlich auch, sie ist hier aber eher das kleinere Problem. Schlimmer sind das allgemeine Getuschel in der Belegschaft – und der Verdacht der Unternehmensleitung sowie des übrigen Managements, die beiden betroffenen Abteilungen würden jetzt nicht mehr rein sachbezogen miteinander umgehen. Weist der Vertrieb die Verantwortung für wegen diverser Qualitätsmängel verlorene Kunden wirklich noch knallhart der Produktion zu, wenn die Vertriebsleiterin und der Produktionsleiter „etwas miteinander haben“? Niemand glaubt da noch an Objektivität, das Unternehmen wird in Teilbereichen unkalkulierbar.Auch Sitzungen / Besprechungen des Führungskreises bekommen einen besonderen Touch, wenn ein Thema die beiden Abteilungen betrifft und jeder Zuschauer amüsiert wartet, wie die zwei Führungskräfte dabei denn wohl miteinander umgehen.Bitte bedenken Sie auch: Die weitaus meisten Chefs, das gilt auch für Vorstände und Geschäftsführer, sind nicht souverän, sondern selbst auch „nur“ Angestellte. Bei allem, was „unter“ ihnen geschieht, denken sie automatisch an die Wirkung dieses Ereignisses auf die Leute „über“ ihnen. Diese nämlich müssen ihren nächsten Arbeitsvertrag verlängern etc.Und so würde mancher Geschäftsführer als Mensch auf eine solche Beziehung vielleicht nur so reagieren: „Muss das denn ausgerechnet jetzt und hier sein? Aber na gut, versuchen wir erst einmal damit zu leben.“ Aber dann fällt ihm ein: Wenn irgendetwas „passiert“, wenn es irgendein Sachproblem gibt, das auch nur entfernt diese private Beziehung tangiert, dann fragt sein Chef sofort: „Wie konnten Sie das überhaupt zulassen?“ Also ist er lieber und vorsichtshalber von Anfang an dagegen – und versucht, das Problem loszuwerden.Noch ein praktisches Argument: Entweder geht die Beziehung positiv weiter. Dann hat das Haus eines Tages Herrn + Frau Schuster im Management, schlimmstenfalls Herrn Schuster und Frau Rebenstock-Schuster. Wobei es nicht vorrangig um den Namen geht, sondern um den Status. Und Eheleute mag man meist erst recht nicht gemeinsam im Management haben.Oder die Beziehung zerbricht. Dann bleiben oft zwei Todfeinde zurück, die sich von Stund an bis aufs Messer bekriegen. Das finden Chefs auch nicht erbaulich.Wie Sie es auch drehen und wenden: Grundsätzlich hat die Fortführung Ihres derzeitigen „Zustandes“ keine Zukunft.Natürlich gibt es in der Praxis durchaus auch Fälle, in denen eine solche Beziehung jahrelang allgemein bekannt war und stillschweigend geduldet wurde. Und viel weniger gravierend wird alles, wenn der eine Partner Einkaufsleiter im Werk A ist und der andere die Finanzbuchhaltung in B führt. Aber das ändert nichts am Grundsatz.Sie dürfen übrigens nicht damit rechnen, die Beziehung auf Dauer geheim halten zu können. In diesen Fragen sind Kollegen und Mitarbeiter äußerst hellhörig. Dann wird getuschelt, und dann erfahren es die Chefs.Sie sollten jetzt ein klares Konzept erarbeiten: Ein Partner entschließt sich schnell zum Wechsel – das wäre eine saubere Lösung.

Kurzantwort:

Wenn Menschen in Gruppen zusammenarbeiten, gilt der Grundsatz, dass die persönlichen Beziehungen zwischen ihnen eine bestimmte Intensität nicht überschreiten sollten. Gelegentliche Freundschaften zwischen Gruppenmitgliedern liegen meist innerhalb der Toleranzgrenze, intime Beziehungen hingegen nicht. Bei Führungskräften gilt das verstärkt.
Frage-Nr.: 1537
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 43
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2000-10-27

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