Personalgespräch zum Probezeitende

Bei mir steht mein Personalgespräch zum Ende der Probezeit an. 1. Was darf bzw. sollte Inhalt dieses Gesprächs sein?2. In welche „Rolle“ schlüpft der „Proband“?3. Empfiehlt sich ein energisches, zielbewusstes Auftreten?

Antwort:

Das vorangegangene Vorstellungsgespräch vor der Einstellung läuft zumindest bei größeren Unternehmen noch halbwegs systematisch ab. Außerdem ist irgendwie stets ein Vertreter des Personalwesens dabei. Der sollte eigentlich Fachmann auf diesem Gebiet sein – und er gleicht allzu große „Ausreißer“, die durch die unterschiedlichen Persönlichkeitsstrukturen potenzieller Vorgesetzten entstehen könnten, etwas aus. Ein wesentliches Argument kommt hinzu: Vorstellungsgespräche sind für die Vorgesetzten zwar lästig und zeitaufwendig, aber unverzichtbar: Ohne sie gibt es keine neuen Mitarbeiter, die meist dringend gebraucht werden.Beim Personalgespräch am Ende der Probezeit sieht vieles anders aus. Da gibt es im Normalfalle keinen Vertreter des Personalwesens mehr, höchstens noch ein festgelegtes Formularsystem für das Vorgehen. Diese Personalgespräche sind für die meisten Vorgesetzten immer noch lästig und zeitaufwendig – aber nicht mehr unverzichtbar, es ginge aus ihrer Sicht auch ohne.Also ist der Verlauf dieses Gesprächs noch viel mehr als bei einer Vorstellung von der Person des Vorgesetzten mit all ihren individuellen Besonderheiten abhängig, gibt es dabei noch weniger ein wirtschaftseinheitliches Vorgehen.Eines allerdings ist klar: Der Vorgesetzte weiß bei Beginn des Personalgesprächs genau, was er will. Undenkbar ist diese Aussage des Chefs am Schluss: „Eigentlich wollte ich diese Flasche feuern. Aber dann hat der Kerl in diesen paar Minuten des Gesprächs einen so tollen Eindruck gemacht, ist er so energisch und zielbewusst aufgetreten, da habe ich ihn doch ins feste Angestelltenverhältnis übernommen.“Ihr sechsmonatiges praktisches Tun wiegt extrem stärker als die wenigen Augenblicke, die das Gespräch andauert. Konkret: Frage 3 können Sie sich schenken, üben Sie kein besonderes Verhalten ein, seien Sie nett, höflich und aufgeschlossen – wie sonst auch.Zu 2: Der Mitarbeiter ist in der Rolle des Angestellten, dem der Chef etwas nahe bringt. Er kann und soll also die Eröffnung durch den Vorgesetzten zunächst einmal abwarten. Lobt der, teilt der das Ende der Probezeit mit und gibt der seiner Hoffnung auf harmonische, erfolgreiche Weiterführung der Zusammenarbeit Ausdruck, dann gilt es „Auge um Auge, Zahn um Zahn“: Also ebenfalls Lob der tollen Einarbeitung durch das Unternehmen und/oder den Chef, ebenfalls Hoffnung auf harmonische, erfolgreiche etc. etc. Auch eine Anerkennung der interessanten Aufgabenstellung kann nicht schaden.Nicht gut wäre die Reaktion: „Also gut, Chef, Sie sind zufrieden. Habe ich nicht anders erwartet. Aber hier habe ich eine Liste dessen vorbereitet, was mir in dem Laden hier alles nicht gefällt.“ Dem Chef könnte die Kinnlade auf die Brust fallen.Hat der Mitarbeiter jedoch ein sachliches Anliegen, kann er durchaus das „Gespräch“ nutzen, um seinerseits auch etwas anzubringen („Ich freue mich, nun endgültig zum Team zu gehören, bedanke mich für Ihr Lob und möchte die Gelegenheit wahrnehmen, über ein Anliegen zu sprechen: Mir sind meine Zuständigkeiten auf dem Gebiet des … noch nicht ganz klar“).Zu 1: Überlassen Sie das grundsätzlich dem Vorgesetzten. Personalgespräche sind sein „Bier“, gehören zu seinem Führungsinstrumentarium. Also soll er das auch nutzen.

Kurzantwort:

Das Personalgespräch am Ende der Probezeit ist ein Führungsinstrument des Vorgesetzten.
Wenn der Mitarbeiter kein besonderes Anliegen hat (und vom Bestehen der Probe ausgehen
darf), kann er das Gespräch ruhig und entspannt auf sich zukommen lassen.
Frage-Nr.: 1483
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 17
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2000-04-21

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