Heiko Mell

Denksportaufgabe

Frage:

Aus mehreren Gründen werde ich den Arbeitgeber wechseln. Die Resonanz auf erste Bemühungen ist positiv, der Wechsel scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Meine Kündigungsfrist würde zu der Situation führen, dass ich z. B. bei einer Kündigung im November (die Frage wurde im Oktober formuliert, d. Autor) erst zum 01.04. des folgenden Jahres wechseln könnte. Hierbei soll es nun nicht darum gehen, ob ein zukünftiger Arbeitgeber damit leben kann oder nicht. Vielmehr beschäftigt mich die Frage: Wann kündige ich bzw. wann informiere ich meinen Arbeitgeber? Folgende Kriterien sind aus meiner Sicht dabei zu bewerten:

1. Für einen Wechsel zum 01.04. nächsten Jahres könnte ich auch erst am 31.01. nächsten Jahres kündigen.

2. Das Verhältnis zu meinen Vorgesetzten ist sehr gut. Ich möchte Ihnen nicht erst „in letzter Minute die Tür vor den Kopf schlagen“. (Anmerkung d. Autors: würden Sie auch nicht! Denn aus Ihrer Sicht bin „Ihnen“ ich – und mich würde das nicht stören. Ihre Chefs jedoch wären „ihnen“, was sicher gemeint ist.)

3. In diesem Jahr haben bereits zwei gleichgestellte Kollegen das Unternehmen verlassen. Hierfür wurde nur unter Mühen ein Ersatz gefunden. Mein Weggang würde wohl ein erhebliches Loch in die operative Ebene reißen. Es kommt hinzu, dass die anstehende Arbeit bereits jetzt mit dem vorhandenen Personal kaum zu bewältigen ist.

4. Resultierend aus 3. sehe ich zwei mögliche Konsequenzen einer rechtlich nicht erforderlichen frühen Kündigung: Einerseits hätte mein Arbeitgeber mehr Zeit und Chancen, die entstehende weitere Personallücke zu stopfen, je eher ihm mein bevorstehender Weggang bekannt wäre. Andererseits könnte mein Arbeitgeber sich in die Enge gedrängt fühlen, enttäuscht reagieren und mich dies u. U. bis zum letzten Arbeitstag spüren lassen (bei einer frühen Kündigung auch über einen quälend langen Zeitraum hinweg).

Antwort:

Das bekommen wir schon hin. Aber gerade die diversen konkreten Terminangaben fordern doch folgende Frage geradezu heraus: Welche konkrete Kündigungsfrist liegt denn hier überhaupt vor? Die Originaleinsendung enthielt siebzehn Seiten, diese klitzekleine Information fehlte.

Also, lieber Leser, mögen Sie rechnen? Da war doch etwas mit Textaufgaben, die manche schon in der Schule nicht mochten. Hier haben wir es mit zwei verschiedenen Aussagen zu tun, keine ergibt für sich allein die Lösung. Es ist wie mit den Gleichungen mit zwei Unbekannten: Wir brauchen x (die eigentliche Frist) und y (den Zeitpunkt, zu dem jeweils die Kündigung möglich ist). Und wenn man das alles noch durch das Filter „übliche Gepflogenheiten“ jagt, dann hat man die Lösung – auf deren Basis erst eine Lösung des Gesamtproblems möglich ist. Ich hoffe, dass Sie die Zeit, die Sie zum Lesen bis hierhin gebraucht haben, schon für entsprechende Versuche nutzen konnten.

Mein Tipp: Beginnen Sie mit den Angaben, die in der Frage unter 1. enthalten sind. Wenn man am 31.01. zum 31.03. (so muss es korrekt heißen, am 01.04. wäre man ja schon „draußen“) kündigen kann, dann ergibt sich daraus: x, die Kündigungsfrist, beträgt zwei Monate.

Das Filter „übliche Gepflogenheiten“ sagt, das gilt immer, ob man nun im Juni kündigt oder im Januar. Man könnte nach dieser Aussage in 1. zwar zusätzlich noch vermuten, der Zeitpunkt y, zu dem die Kündigung jeweils möglich ist, sei das Monatsende, aber es gibt ja noch die andere Aussage im Absatz über den Fragen. Auch dort muss die Lösung ja passen. Danach gilt:

„Im November“ könnte erst zum 31.03. des Folgejahres gekündigt werden. Dazu würde y = Monatsende nicht passen, wenn x = 2 Monate ist.

Wie also passen der November, in dem man erst zum 31.03. kündigen kann, mit den zweifelsfrei richtigen zwei Monaten für die Kündigungsfrist zusammen? Richtig: y = Quartalsende! Das Filter (technisch sagt man „das“, aber vom Instinkt her würde ich viel lieber „der“ schreiben) wirft Vermutungen, es dürfe überhaupt immer nur zum Ende des 1. Quartals gekündigt werden, hinaus; so etwas macht niemand.

Bleibt als Lösung: Die Kündigungsfrist des Einsenders beträgt zwei Monate zum Quartalsende. Sie wollten doch immer schon einmal wissen, was ich so tue beim Verfassen der Beiträge. Hier sehen Sie es: Ich entwirre die komplexesten Zusammenhänge.

Damit lautet die Frage: „Ich habe eine vertragliche Kündigungsfrist von zwei Monaten zum Quartalsende. Wenn ich mir das gute Verhältnis zu den Vorgesetzten erhalten und mich im schlimmsten Fall nicht unnötig lange ihrem Missfallen über mein Verlassen des Unternehmens aussetzen möchte: Wann ist der optimale Kündigungszeitpunkt, vorausgesetzt ich habe den neuen Vertrag schon sehr früh in Händen?

„Und darauf gibt es eine klare Antwort:Man redet über eine Kündigung bzw. über seinen Wunsch, das Unternehmen zu verlassen, in jedem Fall erst, wenn man einen (unterschriebenen) neuen Arbeitsvertrag hat, dies als vorangeschickte Warnung. Ausnahmen gelten nur für ein fast freundschaftliches Verhältnis mit dem Chef.

Und dann kündigt man so früh wie irgend möglich. Vorgesetzte ärgern sich regelmäßig, wenn ein Mitarbeiter erst am letztmöglichen Termin kündigt – und sie freuen sich über jede Woche, jeden Monat, den sie an zusätzlicher Planungsfrist gewinnen. Auch der Ärger, den sie über das Weggehen des bewährten (sonst würden sie sich eher freuen) Mitarbeiters empfinden könnten, wird durch eine vorzeitige Kündigung gemildert.

Damit das nicht uferlos wird: Im Extremfall könnte ja jemand schon sehr früh den neuen Vertrag haben. Mehr als drei Monate vor dem eigentlichen Termin sollte er dennoch nicht kündigen – diese zusätzliche Frist reicht. Der Mitarbeiter sollte auch nicht ewig im „gekündigten Zustand“ dort herumlaufen.

Wenn man dann noch das Kündigungsgespräch nutzt, um freundliche Worte über den bisherigen Job, das Unternehmen, den Chef(!) und was man alles dort gelernt hat loszuwerden, wenn man „Bauchschmerzen“ ob der bevorstehenden Trennung erkennen lässt und einstreut, man wisse auch nicht, ob man einen Fehler mache, habe sich aber nun schweren Herzens entschlossen, das vorgelegte externe Angebot anzunehmen, dann ist man auf dem rechten Weg. Sofern der Chef nicht Inhaber ist, denkt er auch als Angestellter, hat er „so etwas“ selbst schon gemacht oder wird es tun.

Kurzantwort:

Man kündigt erst, wenn man einen unterschriebenen neuen Arbeitsvertrag hat, dann aber grundsätzlich so früh wie möglich. Chefs mögen keine unvermutete Kündigung am letztmöglichen Tag.

Frage-Nr.: 2182
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 1
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2008-01-02

Von Heiko Mell

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