Heiko Mell

Beim „Spatz“ wieder kündigen und zur „Taube“ gehen?

Frage:

Ich möchte die Stelle wechseln und habe bereits einen neuen Arbeitsvertrag in der Tasche. Nun habe ich aber noch eine Einladung zum Vorstellungsgespräch bei einem weiteren vielversprechenden Arbeitgeber bekommen. Wenn diese Stelle attraktiver wäre, würde ich lieber dorthin wechseln.

1. Soll ich bei diesem Vorstellungsgespräch den bereits unterschriebenen Arbeitsvertrag erwähnen mit dem Hinweis, dass ich dort erst noch während der Probezeit kündigen müsste?

2. Soll ich bei dem Arbeitgeber, dem ich bereits zugesagt habe, lieber vor Arbeitsantritt wieder kündigen, was meines Wissens mit eventuellen Schadenersatzforderungen verbunden ist? Oder soll ich einfach während der Probezeit kündigen, was zwar mein gutes Recht ist, aber eigentlich unfair gegenüber diesem Arbeitgeber (wozu soll ich mich einarbeiten lassen, wenn ich doch weiß, dass ich das Unternehmen bald wieder verlassen werde)?

Antwort:

Lassen wir einmal die Kleinigkeiten beiseite: Dass Sie noch gar nicht wissen, ob der zweite neue Arbeitgeber Sie überhaupt nimmt und dass Ihre Aussage, „… dem ich bereits zugesagt habe“ so harmlos nach einer unverbindlichen Aussage am Telefon klingt, obwohl Sie in Wirklichkeit einen Arbeitsvertrag verbindlich unterschrieben haben. Damit kann dieser erste neue Arbeitgeber sich darauf verlassen, dass Sie am Stichtag dort aufkreuzen und frohgemut die Arbeit aufnehmen. Reden wir aber hier nur einmal über den Rest:

Sie spüren ja selbst, dass die Geschichte ziemlich kompliziert wird und es kaum noch eine einfache Lösung gibt. Hat das System denn keinen Ausweg vorgesehen? Hat es: Die Regeln lösen zwar das Problem nicht, ihre Befolgung vermeidet es jedoch. Sie haben etwas falsch gemacht, dadurch ist die Misere überhaupt entstanden. Nur deswegen sieht es so aus als gäbe es keinen vernünftigen Weg dort hinaus:

Die Unterschrift unter einen (Arbeits-)Vertrag ist eine endgültige Bindung im Rahmen der dort getroffenen Vereinbarung, kein: „Na schön, diesen Partner habe ich im Sack, nun prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht noch was Bessres findet.“Unser ganzes Rechts- und Wirtschaftssystem geriete aus den Fugen, dächte jeder so wie Sie. Wollen Sie Beispiele vom Autokauf, von der Eheschließung oder möchten Sie, dass Arbeitgeber generell auch so denken? Ihr zweiter neuer könnte ja mit Ihnen einen Vertrag schließen, dann lösen Sie irgendwie den mit dem ersten – aber der zweite neue Arbeitgeber sucht auch fröhlich weiter und teilt Ihnen kurz vor Dienstantritt mit, er habe inzwischen einen noch besseren Mitarbeiter gefunden und Sie könnten bleiben wo Sie sind (das hieße dann „arbeitslos“).

Die Regel lautet: Sofort nach der Unterschrift unter einen Arbeitsvertrag zieht man alle noch laufenden Bewerbungen schriftlich zurück – dann erspart man sich solche Konflikte.

 

Zu 1: Wenn Sie das tun, versteht dieses Unternehmen Ihre Situation, denkt aber natürlich: „Dessen Wort ist nichts wert. Und vielleicht sucht er sich nach der Unterschrift bei uns einen dritten neuen Arbeitgeber.“ Selbst wenn man Sie nimmt, gilt: Man liebt den Verrat (am neuen Arbeitgeber Nr. 1), aber man hasst den Verräter.

 

Zu 2: Das hängt von Formulierungen im Arbeitsvertrag ab. Oft wird eine Kündigung vor Arbeitsantritt ausgeschlossen. Je nach „Temperament“ dieses Arbeitgebers kann der Ihnen mit der Einschaltung von Anwälten, Androhung von Klagen, Schadenersatzforderungen o. Ä. eine Menge Ärger machen.

Würden Sie dort anfangen und sofort wieder kündigen (was formal Ihr Recht wäre), hätten Sie lebenslang eine extrem kurze Dienstzeit in den Unterlagen. Dann ist es schon besser, Sie warten, bis der neue Arbeitgeber Nr. 2 Ihnen ein Vertragsangebot macht, reden dann mit Nr. 1 (bitten um Vertragsauflösung) und hoffen, dass das alles gut geht, dass vor allem Nr. 2 nichts davon mitbekommt.

Am besten aber ziehen Sie die Bewerbung bei Nr. 2 wieder zurück und gehen zu Nr. 1 – wie Ihr schriftlich gegebenes Wort es befiehlt.

Kurzantwort:

Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um (aus dem Buch Jesus Sirach in der griechischen Bibel). Manche Probleme sind hausgemacht und absolut vermeidbar – wenn man konsequent handelt.

Frage-Nr.: 2103
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 11
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2007-03-15

Von Heiko Mell

Top Stellenangebote

Hochschule Biberach Biberach University of Applied Sciences-Firmenlogo
Hochschule Biberach Biberach University of Applied Sciences Professur (W2) (m/w/d) Projektsteuerung und Projektmanagement Bau Biberach an der Riß
Nord-Micro GmbH & Co. OHG-Firmenlogo
Nord-Micro GmbH & Co. OHG Softwareingenieur (m/w/d) Methoden und Tools Frankfurt am Main
Nord-Micro GmbH & Co. OHG-Firmenlogo
Nord-Micro GmbH & Co. OHG Strategischer Einkäufer (m/w/d) Frankfurt am Main
Universität der Bundeswehr München-Firmenlogo
Universität der Bundeswehr München W2-Professur für Strömungsmaschinen Neubiberg
NORD-MICRO GmbH & Co. OHG-Firmenlogo
NORD-MICRO GmbH & Co. OHG Junior Ingenieur (m/w/d) als FMEA-Experte in der Systementwicklung Frankfurt am Main
Technische Hochschule Lübeck-Firmenlogo
Technische Hochschule Lübeck Professur W2 für Entwicklung dynamischer Systeme im Maschinenbau Lübeck
NORD-MICRO GmbH & Co. OHG-Firmenlogo
NORD-MICRO GmbH & Co. OHG System-Entwickler / System-Ingenieur (m/w/d) Entwicklung / Kabinendruckregelsysteme Frankfurt am Main
Landkreis Stade-Firmenlogo
Landkreis Stade Abteilungsleitung (m/w/d) "Technik" Stade
NORD-MICRO GmbH & Co. OHG-Firmenlogo
NORD-MICRO GmbH & Co. OHG Ingenieur (m/w/d) Obsoleszenz-Management Luftfahrtindustrie Frankfurt am Main
STEICO SE-Firmenlogo
STEICO SE Holzbauer / Zimmerer / Schreiner als Projektmanager (m/w/d) im Bereich Holzbau Feldkirchen

Zur Jobbörse

Top 5 Heiko Mell: A…