Welche Chancen habe ich mit langer Frist?

Ich bin in einem größeren mittelständischen Unternehmen als Führungskraft der 3 . Ebene tätig. Meine Kündigungsfrist beträgt 6 Monate zum Ende eines Quartals. Bei mehreren Bewerbungen in der letzten Zeit (die zum Glück ohne Druck geschrie ben wurden) glaube ich, auf Zurückhaltung der Bewerbungsempfänger gestoßen zu s ein. Kann das an dieser Frist liegen? Ist sie zu lang? Was kann ich dagegen tun , wie gehe ich damit um?

Antwort:

Auf eine Teilfrage gibt es eine besonders klare Antwort: Dagegen tun können Sie gar nichts! Sie haben den Arbeitsvertrag so unterschrieben, damit gilt diese Regelung. Theoretisch könnten Sie Ihren Arbeitgeber ganz pauschal um eine Verkürzung der in der Praxis oft neun lange Monate betragenden Frist bitten – aber das wäre innerhalb eines völlig unbelasteten Arbeitsverhältnisses doch ein äußerst problematisches Signal. Ebenso gut könnten Sie sagen: „Damit Sie es wissen – ich werde bald hier weggehen.“ Und das soll man nicht tun.Natürlich hat diese lange Frist auch eine positive Seite: Das Gehalt für diese Zeit ist Ihnen auch bei einer arbeitgeberseitigen Kündigung sicher (von Ausnahmen abgesehen). Mit 55 Jahren ist so etwas toll. Aber mit 38 behindert diese Konstellation einen Stellenwechsel auf eigenen Wunsch doch fühlbar.Der Grund ist ganz einfach: Im Normalfall will der potenzielle neue Arbeitgeber nicht sechs bis neun Monate auf den neuen Mitarbeiter warten. In Wirklichkeit wird diese Frist ja noch viel länger: Würde das Inserat mit der neuen Position am 1. Januar erscheinen (es ist nur ein Beispiel, ich weiß, dass dies ein Feiertag ist), dann liest der Entscheider Ihre Zuschrift vielleicht so zwischen dem 15. und 25. Januar. Der Februar geht mit Gesprächen drauf, im März wird endgültig entschieden. Am 15. April liegt das ausgehandelte hin und her abgestimmte Angebot auf dem Tisch (das wäre schon früh!). Sie könnten an diesem Tag einen Eintritt erst zum 1.1. des nächsten Jahres zusagen. Das ist schlimm genug.Beim potenziellen neuen Arbeitgeber jedoch ist die Entscheidung zur Neubesetzung (ab diesem Datum läuft in den Köpfen der Entscheidungsträger die Frist bis zu dem Tag, an dem – endlich – der neue Mitarbeiter dort zu arbeiten beginnt) etwa Mitte Dezember des vorigen Jahres gefallen. Da liegen dann ein Jahr und vierzehn Tage zwischen „wir wollen die Stelle neu besetzen“ und „heute fängt der Neue an“. Das ist zu lang, das akzeptiert kaum jemand.Jetzt kann man spekulieren, ob der heutige Arbeitgeber nicht bereit ist, einer vorzeitigen Beendigung des Arbeitsverhältnisses zuzustimmen. Vernünftig wäre das („Reisende soll man nicht aufhalten“). Aber er muss das nicht, er entscheidet souverän.Sehen Sie der Tatsache ins Auge: Damit übt der heutige Arbeitgeber einen ganz wesentlichen Einfluss in der Frage aus, ob Sie überhaupt gehen – und wohin: Wenn ihm irgendetwas an Ihrem Wechselvorhaben nicht gefällt, gibt es kein vorzeitiges Ausscheiden, dann platzt Ihr Projekt und Sie bleiben da.Nun könnte man darüber sinnieren, was der Arbeitgeber von einem (leitenden) Mitarbeiter hat, der eigentlich gehen will, aber nicht darf. Das wiederum müssen Sie unter strategischen Aspekten sehen: Ein solcher Fall spricht sich im Hause herum, viele andere Mitarbeiter mit einem solchen Vertrag überlegen es sich noch einmal, ob sie sich überhaupt anderswo umsehen. Wie sich der daraus resultierende Motivationsverlust auf das Management auswirkt, ist eine andere Frage. Aber die Diskussion darüber nützt Ihnen jetzt gar nichts.Sie können in der Bewerbung selbstverständlich schreiben: „Meine Kündigungsfrist beträgt 6 Monate zum Ende eines Quartals. Ich gehe jedoch fest von der Möglichkeit einer deutlichen Verkürzung auf dem Verhandlungswege aus.“Aber: Sie brauchen dann einen Arbeitsvertrag vom neuen Arbeitgeber, der zum Thema „Dienstantritt“ etwa sagt (gem. obigen Beispiel): „Herr … tritt spätestens am 1.1…. bei uns ein. Er wird sich engagiert bemühen, bei seinem heutigen Arbeitgeber eine vorzeitige Beendigung seines heutigen Arbeitsverhältnisses zu erreichen wir verpflichten uns, Herrn … zu jedem beliebigen Datum vor dem genannten Termin einzustellen.“Damit wären Sie gegen alle diesbezüglichen Unwägbarkeiten abgesichert – aber der neue Arbeitgeber wird nicht gern auf dem Risiko sitzen bleiben und den 1.1. als möglichen Dienstantritt akzeptieren. Er wird beispielsweise hineinschreiben wollen: „Herr … tritt am 1.7. … bei uns ein.“ Was machen Sie damit? Unterschreiben können Sie das erst einmal nicht. Kündigen beim heutigen Arbeitgeber können Sie auch nicht: Ließe der Sie nicht vorzeitig gehen, hätten Sie dort gekündigt, aber zum 1.1., und dann keinen neuen Vertrag – „arbeitslos auf eigenen Wunsch“ stünde am Ende der Kette drohend im Raum.Ich sehe grundsätzlich drei Möglichkeiten, solche Katastrophen zu vermeiden:1. Seien Sie stets vorsichtig bei einer Vertragsunterschrift (hier: beim heutigen Arbeitgeber); in dem Stadium können Sie noch verhandeln und um eine kürzere Frist bitten.2. Wenn Sie ein sehr(!) gutes Verhältnis zu Ihrem Chef haben, könnten Sie den einmal ganz im Vertrauen „privat“ ansprechen.3. Bei einem Vertragsangebot des neuen Arbeitgeber mit Eintritt am 1.7. … können Sie zu Ihrem heutigen Arbeitgeber geben und offiziell fragen, was denn wäre, falls Sie gerade jetzt kündigten – aber Sie kündigen erst einmal nicht! Wenn man kein Entgegenkommen zeigt, haben Sie zumindest formal noch nicht gekündigt – aber doch schon darüber geredet! 1 + 2 sind die besseren Varianten.

Kurzantwort:

Eine sehr lange Kündigungsfrist schützt bei arbeitgeberseitiger Kündigung, behindert aber den Wechsel auf eigenen Wunsch erheblich!
Frage-Nr.: 1944
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 30
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2005-07-21

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