Heiko Mell 01.01.2016, 06:47 Uhr

Nie sollst du mich befragen!

Sollte man anlässlich einer Kündigung auf Anfrage den Namen des neuen Arbeitgebers nennen?

Antwort:

Das Zitat in der Überschrift zu diesem Beitrag stammt aus Wagners Oper Lohengrin. Könnten Sie singen, hätten Sie auf die Frage des bisherigen Arbeitgebers eine „schlagende“ Antwort. Ob auch eine zufriedenstellende, ist eine andere Geschichte.

Also grundsätzlich geht es den alten Arbeitgeber nichts an, zu welchem Unternehmen der Mitarbeiter wechselt. Dennoch kann man verstehen, dass der bisherige Chef es gern wüsste. Schließlich wandert alles, was dieser Angestellte im Kopf hat, dorthin ab. Alles über die Firma, über Personen, Pläne, Strategien, über technische und andere Details.

Schlimmer noch ist für den Chef die Frage, wie er den gekündigt habenden Mitarbeiter nun behandeln soll. Darf er dem weiterhin alles anvertrauen oder sitzt der in Zukunft beim Wettbewerb und sollte besser keine neuen Details mehr erfahren?

Auch die Situation, in der sich der Chef gegenüber seinem Vorgesetzten befindet, ist zu berücksichtigen. Der Chef meldet: „Müller hat gekündigt.“ Dessen Vorgesetzter fragt wie aus der Pistole geschossen: „Wo geht er denn hin?“ Weiß der Chef darauf keine Antwort, ist er ein bisschen blamiert („kein Vertrauensverhältnis zu seinen Leuten, der Mann“). Schließlich braucht der Mitarbeiter den Chef für die Zeugnisformulierung und für eventuelle spätere Referenzen.

Daraus folgt die allgemeine Regel: Im Normalfall sagt man dem Chef, zu welchem neuen Arbeitgeber man geht. Dabei sind oft der genaue Name und der exakte Dienstsitz gar nicht erforderlich. Es reicht, wenn man als Angestellter eines norddeutschen Kfz-Zulie-ferers seinem Chef beispielsweise sagt: „Ich gehe zu einem mittelständischen Hersteller von Büromöbeln in Süddeutschland“ – mehr will der gar nicht wissen (heißt hier also „überhaupt keine Berührung zu uns oder unserer Branche“).

Geht der Mitarbeiter zum direkten Wettbewerb, wird es „haarig“, auch wenn keine Wettbewerbsklausel im Arbeitsvertrag steht. Das empfinden viele, insbesondere kleinere Unternehmen als Affront, eventuell sogar als offene Kampfansage. Die Verweigerung jeder Auskunft über die neue Firma allerdings auch („das ist ja in höchstem Maße verdächtig“).

In einem solchen heiklen Fall hilft ein gutes Verhältnis zum Chef. Dem könnte man beispielsweise versichern, man ginge zwar zum Wettbewerb, aber lediglich um vorhandene Branchen- und Fachkenntnisse optimal zu nutzen. Man fühle sich aber dem bisherigen Arbeitgeber so verbunden, dass man unter keinen Umständen direkte Betriebsgeheimnisse oder sonstige heiklen Details weitergeben werde. Im Gegenteil: Man werde sich sogar im eigenen Interesse bewusst davor hüten, sonst müsste der neue Arbeitgeber ja sofort befürchten, eines Tages trüge man dann seine vertraulichen Details nach draußen. Schließlich sei klar: Man liebt den Verrat, aber man hasst den Verräter.

Kurzantwort:

Der Arbeitnehmer ist bei der Kündigung grundsätzlich nicht verpflichtet, seinen neuen Arbeitgeber zu benennen. Aber sein Chef hat ein verständliches Interesse an dieser Information, eine Weigerung wird leicht als Affront begriffen.

Frage-Nr.: 1473
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 12
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2000-03-24

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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