02.01.2016, 09:40 Uhr

Arbeitszeugnis auch für Vorstände / Geschäftsführer?

Wie erfolgt eigentlich die Bewertung von Geschäftsführern oder Vorständen bei deren Ausscheiden aus dem Unternehmen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Aufsichtsrat da eine Art Arbeitszeugnis erstellt. Geht man dann einfach so? Ist da beim neuen Arbeitgeber die bloße Angabe des alten Unternehmens ausreichend?Die Reputation, die ein erfolgreicher – oder eben nicht erfolgreicher – Manager eines Dax-30-Unternehmens mit sich „herumträgt“, ersetzt da sicher vieles. Da sind die Taten bekannt aus „Presse, Funk und Fernsehen“. Aber wie ist das bei deutlich kleineren Unternehmen, die nicht jeden Tag in der Zeitung stehen und vielleicht nur innerhalb einer kleinen Branche bekannt sind?

Antwort:

Konzentrieren wir uns hier auf den typischen kleinen oder gehobenen Mittelstand mit bis etwa 5000 oder auch schon einmal 10 000 Mitarbeitern. Das schließt übrigens Konzerntöchter bis zu dieser Größenordnung absolut mit ein:1. Formal sind Geschäftsführer (in GmbHs) und Vorstände (in AGs) jeweils Organ ihrer Gesellschaft. Als solche haben sie ganz besondere Rechte sowie Pflichten und tragen eine spezielle Verantwortung. Das ist in diesbezüglichen Gesetzen und Vorschriften geregelt. Wer erstmals in diese Ebene hineinbefördert wird, kaufe sich unbedingt ein Buch z. B. über Rechte und Pflichten eines GmbH-Geschäftsführers etc. Am besten liest er es erst, nachdem er die Beförderung angenommen hat.2. In der täglichen Praxis sind diese Personen weitgehend mit klassischen Angestellten, z. B. den Managern der nächsten Führungsebenen darunter, vergleichbar:Sie bewerben sich, haben Lebensläufe und andere Bewerbungsunterlagen, können ihre beruflichen Tätigkeiten lückenlos nachweisen – sowohl aus früheren niederrangigen Funktionen als auch aus fremden GF- und Vorstandsengagements.Sie bekommen Verträge mit den üblichen Detailregelungen, sie verhandeln bei der Anstellung und ggf. auch später wieder über ihre Bezüge, ihnen kann gekündigt werden und sie unterliegen ständigen Anweisungen/Vorgaben ihrer „Vorgesetzten“ – die nicht mehr so heißen, aber genauso handeln und für die Betroffenen genau so wichtig sind wie klassische Chefs für einen Abteilungsleiter. Als solche fungieren z. B. Inhaber/Gesellschafter, Aufsichts- und Beiräte und ggf. Vorsitzende der GF oder des Vorstands.Jeder arbeitsrechtlich versierte Jurist bekommt graue Haare, wenn er das liest, aber in sehr vielen Bereichen, insbesondere in Sachen Abhängigkeit und Weisungsgebundenheit, sind GF in sehr groben Zügen wie Hauptabteilungs-/Bereichsleiter einer nachgeordneten Ebene eingeordnet.Einen wirklichen Dimensionssprung auf dem Weg nach oben erleben sie erst, wenn ihnen irgendwann einmal „der Laden gehört“.3. In der Regel haben diese Persönlichkeiten Zeugnisse, ausgestellt von jenen Leuten, die unter 2. als „Vorgesetzte“ benannt wurden.Mal steht „Zeugnis“ darüber, mal ist es ein „Referenzschreiben“ vom Vorgesetzten des Beirates oder dem Hauptgesellschafter. Enthalten sind die Dauer der Tätigkeit als …, die innegehabten Funktionen, Details dazu – und eine Wertung, die u. a. der individuellen Zufriedenheit des Ausstellers Ausdruck gibt.Wie auch immer: Auch diese Kandidaten müssen nachweisen können, was sie wann gemacht haben – und für wie gut die „Käufer“ ihrer Arbeitskraft sie gehalten haben. Aus der Presse oder dem Handelsregister nachweisen zu können, wann man wohin berufen wurde, genügt absolut nicht!4. Geschäftsführer und Vorstände verwalten „anderer Leute Geld“. Und diese anderen Leute können äußerst pingelig sein, bevor sie die Verfügung über ihr Geld jemandem anvertrauen, der bisher für sie fremd war. Die Anforderungen sind daher generell höher als bei klassischen mittleren und gehobenen Führungskräften (die GFs und Vorstände könnten ja auch in kürzerer Zeit sehr viel mehr Schaden anrichten, ihre Macht ist größer).5. Zusätzlich (zu den genannten Schriftstücken) müssen GF und Vorstände oft höherrangige Personen aus heutigen und früheren Anstellungsverhältnissen, also „Vorgesetzte“, benennen können, die auf Anfrage des Bewerbungsempfängers als Referenzgeber zur Verfügung stehen und – unabhängig von Dokumenten – persönlich Auskunft über diesen Kandidaten zu geben bereit sind.6. GFs und Vorstände stehen rangmäßig höher als andere angestellte Führungskräfte. Es gilt: „Oben ist die Luft besonders dünn“ und „Je höher man steht, desto tiefer kann man fallen“. Dennoch macht es Spaß, oben zu sein. Man verdient auch mehr (sollte es aber nicht allein deswegen tun).

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2686
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 18
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2014-05-01

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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