Heiko Mell 01.01.2016, 18:30 Uhr

Werker-Selbstkontrolle für Akademiker

Antwort:

Nehmen wir einmal an, Sie seien fast fertig. Vor Ihnen liegen Anschreiben, Lebenslauf und die anderen Dokumente, die zusammen eine Bewerbung ergeben. Nun ist die Endkontrolle angesagt, wie Sie Ihnen aus der industriellen Produktion vertraut sein dürfte. Im Normalfall werden Sie keinen anderen Kontrolleur einsetzen können als sich selbst. Alsdann:

1. Sind alle „Fragen“ der Ausschreibung be­antwortet?

Dabei ist zu unterscheiden zwischen Fragen, die wörtlich gestellt wurden („Wir erwarten mindestens drei Jahre Praxis im Bereich …“) und solchen, die zwar nicht so formuliert wurden, aber sich logisch aus dem Zusammenhang ergeben. Beispiel: „Sie werden intensiv mit dem SAP-Modul PP arbeiten“, wobei im Anforderungsprofil SAP-Kenntnisse nicht mehr erwähnt sind. Aber natürlich will der Leser wissen, ob Sie nun SAP-Kennt­nisse haben oder nicht! Selbst wenn nur in der Unternehmensbe- oder -umschreibung von Investitionsgütern die Rede ist und sonst nirgendwo mehr, stellt das Inserat die „Frage“, ob Sie mit Investitionsgütern vertraut sind. Findet der Leser alle Antworten?

 

2. Versteht der Leser alles was Sie schreiben?

Hier ist insbesondere der Lebenslauf angesprochen: Es reicht nicht zu schreiben, Sie seien von … bis … Konstrukteur bei Max Müller in Wiesweiler-West gewesen! Das versteht kein Mensch! Wichtig ist die Zusatzinformation, was für Produkte dort konstruiert wurden, ob es um Serien- oder Einzelfertigung ging und ob man dort 50 oder 5.000 Mitarbeiter beschäftigte.Das „Verstehen“ dieser zentralen Angaben durch den Leser ist die Basis für Ihren Bewerbungserfolg. Und die Zusammenhänge sind ganz einfach: Fehlen dem Leser Informationen (er hat nur, was Sie ihm liefern, er recherchiert nicht), versteht er nichts – und erkennt auf „ungeeignet“.

 

3. Lesen Sie das ausgedruckte Anschreiben laut. Dabei achten Sie zunächst auf die Logik Ihrer Gedanken aus der Sicht des nicht mit den Details vertrauten Lesers, der Ihren Lebenslauf (noch) nicht kennt. Beispiel: „Ich bin 39, verheiratet und habe 2 Kinder. Als ich die Firma Müller & Schulze verließ …“ Das geht so nicht: Sie können nicht vom Verlassen sprechen, wenn Sie den Leser nicht über das Hingehen informiert hatten. Das Anschreiben wird „einzeln für sich“ gelesen und muss ohne den Lebenslauf verständlich sein.

 

4. Versteht der Leser, warum Sie sich bewerben, welches Motiv Sie für diesen Schritt haben? „Was will der hier?“, fragt sich der Empfänger sonst und schüttelt mit dem Kopf.

 

5. Wenn Sie das alles abhaken können, dann lesen Sie am Schluss Anschreiben und Lebenslauf noch einmal laut – und achten Sie auf vergessene oder doppelte Wörter und falsche Rechtschreibung. Und rechnen Sie damit, pro Seite etwa in drei bis vier Zweifelsfragen im Duden nachschlagen zu müssen. Die Kunst besteht nicht darin, alles zu wissen – die Kunst besteht darin zu wissen, wann man nachschlagen muss.

Kurzantwort:

Nehmen wir einmal an, Sie seien fast fertig. Vor Ihnen liegen Anschreiben, Lebenslauf und die anderen Dokumente, die zusammen eine Bewerbung ergeben. Nun ist die Endkontrolle angesagt, wie Sie Ihnen aus der industriellen Produktion vertraut sein dürfte. Im Normalfall werden Sie keinen anderen Kontrolleur einsetzen können als sich selbst. Alsdann:…

Frage-Nr.: 251
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 35
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2005-09-02

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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