Heiko Mell 01.01.2016, 20:55 Uhr

Im „goldenen Käfig“?

Ich bin Dipl.-Ing. (FH), Mitte Dreißig, ledig, ungebunden, mobil und seit sieben Jahren berufstätig (siehe Lebenslauf). Bei meinem derzeitigen Arbeitgeber bin ich seit etwa fünf Jahren als Sachbearbeiter in der Forschung tätig, habe bisher keine Personalverantwortung und sehe auch keine Entwicklungsmöglichkeiten (fehlender Dr.) für mich.

Jetzt habe ich den Verdacht, in einem sogenannten goldenen Käfig zu sitzen. Warum?

Ich bekomme z. Z. etwa 50.000 EUR brutto. Bei einem Firmenwechsel sollten also zwischen 55 und 60.000 EUR „drin sein“. Das erscheint mir aber als zuviel für eine Anstellung ohne Personalverantwortung. Einen Job mit Personalverantwortung glaube ich aber nur schwer zu bekommen, weil ich bisher nur forschend tätig war.

In den letzten Monaten habe ich etwa fünf bis sechs Bewerbungen geschrieben. Die Firmen scheinen grundsätzlich interessiert zu sein (?, d. Autor). Leider wurde ich nicht zum Gespräch eingeladen. Meine Vermutungen:

a) Ich bin zu alt und/oder b) zu teuer und/oder c) zu wenig zielstrebig im Sinne einer klassischen Karriere.

Antwort:

Sie haben die Mittlere Reife abgeschlossen und dann eine gewerbliche Lehre (Schlosser) absolviert. Dann haben Sie abends das Abitur erreicht. Es folgt ein Semester Physik (Uni). Dann kam die Bundeswehr. Anschließend haben Sie ein FH-Studium einer völlig anderen Fachrichtung aufgenommen, das nichts, aber auch gar nichts mit der Schlosserei oder der Physik zu tun hat. Das war also dann Ihre dritte berufsrelevante Ausbildungsrichtung, von denen keine zu den jeweils anderen passt. Dieses FH-Studium wurde abgeschlossen, Noten kennen wir nicht. Aber Sie waren beim Abschluss nun schon 30 Jahre alt.

Aus Ihrem Lebenslauf erfährt man aus beiden Arbeitsverhältnissen keine Tätigkeitsbezeichnung; das Wort „Forschung“, an dem Sie im Hinblick auf einen Aufstieg zu scheitern glauben, taucht überhaupt nicht auf! Mühsam muss man sich als Leser der Bewerbung aus den stichwortartigen Details zur jeweiligen Tätigkeit zusammenreimen, was Sie dort wohl waren bzw. sind. Beim ersten Arbeitgeber würde ich auf „Projektierungs- und Versuchsingenieur“ tippen, beim zweiten auf „Entwicklungsingenieur“.

Sie scheitern beim Aufstieg in der Forschung nicht am fehlenden Dr.-Grad, sondern an der fehlenden Uni-Basis; das Studium dort geht wissenschaftlich tiefer als jenes an der FH. Zusätzlich(!) ist in der Forschung der Dr.-Grad nützlich und empfehlenswert. Ihnen fehlt kein Dr., Sie haben das Uni-Studium nicht (geschafft).

Und wer garantiert dem Bewerbungsempfänger, dass drei Berufsrichtungen schon alles waren und Sie nicht von einer vierten träumen?So viel dazu. Nicht klar wird vor allem, was Sie eigentlich wollen. Teils Personalverantwortung, dann aber wieder 20 % mehr Gehalt. Letzteres auch ohne Führung. Wenn Sie sich jetzt schon im „goldenen Käfig“ wähnen, was würde daraus erst bei 60.000 EUR ohne Führung? Also streben Sie vom goldenen Käfig in den diamantenen?

Ich rate zunächst zu einem intensiven Selbstfindungs-, Zielsetzungs- und Definitionsprozess. Bei dem es gilt, Prioritäten zu setzen. Das war offenbar schon früher nicht Ihre Stärke.

Frage-Nr.: 2060
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 39
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2006-09-30

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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