Heiko Mell 01.01.2016, 06:35 Uhr

Arrogant? Arrogant!

Antwort:

„Selbstverständlich“, antwortete der Berufseinsteiger im Vorstellungsgespräch auf die erste ihm gestellte Frage – und schlug damit die Tür, durch die er hatte gehen wollen, zunächst einmal zu.Die Frage war völlig harmlos gewesen: „Haben Sie uns nach unserer Wegbeschreibung gut gefunden?“ Der Arbeitgebervertreter hatte mit einem ganz „leichten“ Thema versucht, das „Eis“ zu brechen, dem jungen Vorstellungskandidaten Gelegenheit zu geben, sich mit „einfacher geistiger Kost“ zunächst ein wenig warm zu laufen. Bis dann nach einigen Minuten „scharf geschossen“ werden würde.

So etwas ist unter kultivierten Menschen unserer Region üblich, andere Kulturen übertreffen uns da noch um Längen. Man fragt halt nicht, warum das Studium so lange gedauert hat, bevor der Partner überhaupt auf seinem Sessel Platz genommen hat.“Selbstverständlich“: Äußerst knapp, sehr präzise und seinerseits eine Aussage. Etwa in Richtung: „Wie könnte es bei mir anders sein?“ Und damit eben auch: „Was für eine dumme Frage!“ Selbstverständlich heißt, anderes wäre generell gar nicht denkbar gewesen. Wäre es aber! Wer hätte sich noch nie irgendwo verfahren in einer fremden Umgebung? „Ich selbstverständlich nicht“ – das ist lebensfremd, unglaubwürdig, überheblich. Arrogant eben. Und wirkt wie ein kalter Lappen, den man dem freundlichen Arbeitgebervertreter ins Gesicht klatscht.

Was denn dann? „Eine tadellose Wegbeschreibung haben Sie“ – etwa so? Ja, wer spräche denn da? Etwa der Vorsitzende einer internationalen Jury zur Bewertung solcher Wegweiser? Wer lobt, maßt sich an, im gleichen Atemzug auch tadeln zu können – ist also auch arrogant.

Was bleibt dann noch? Eine freundliche Antwort auf eine freundliche Frage: „Danke, mir hat Ihre Beschreibung sehr gut geholfen.“ Und das auch dann, wenn das Ding vorne und hinten vor Unklarheiten strotzt.

„Mit dem Hute in der Hand kommst du durch das ganze Land“, wussten unsere Altvorderen. Was besagt, dass man den – früher obligatorischen – Hut beim Zugehen auf Fremde als freundliche Geste in die Hand, also abnahm. Das gilt noch heute, probieren Sie es einmal. Der Hut ist nur ein Symbol, die Haltung zählt.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 12
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 7
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2000-02-18

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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