Großanlagenbau – exzellente Ingenieurbranche mit großer Tradition

Heute ein Qualitäts- und Gütesiegel.

Heute ein Qualitäts- und Gütesiegel.

Foto: panthermedia.net/alexeynovikov

Der Großanlagenbau blickt in Deutschland auf eine lange Geschichte zurück. Seine Erfolgsstory begann in der Nachkriegszeit, als zahlreiche Fabrikationsstätten in Deutschland und Europa zerstört waren und neu aufgebaut werden mussten. So gab es für die gut ausgebildeten deutschen Ingenieure und Techniker entsprechende Betätigungsfelder. Komplette Werke und Produktionsanlagen – etwa Stahlwerke, Chemieanlagen, Pharmaproduktionen oder große logistische Einrichtungen, beispielsweise Förderanlagen für den Bergbau – wurden projektiert, geliefert und/oder vor Ort aufgebaut. Der Anlagenbau besetzte seinerzeit weltweit die Spitzenposition und trug wesentlich zum nationalen wirtschaftlichen Wachstum bei. Er prägte das Qualitäts- und Gütesiegel „Made in Germany“ entscheidend mit.

Durch die fortschreitende technologische Entwicklung hat auch die Komplexität von Großanlagen immer weiter zugenommen. Neben der Maschinen- und Anlagentechnik spielen daher die Verfahrenstechnik, Elektrotechnik, Elektronik, Versorgungstechnik, Umwelttechnik, Bautechnik u.a. ebenfalls eine wesentliche Rolle. Großanlagen beeindruckten die Menschen schon seit jeher. Auch heute ist eine Großanlage nach wie vor ein Wunderwerk der Technik und nur wenige Unternehmen haben das Know-how, solche Anlagen zu konzipieren und zu realisieren. Die Branche kann insofern nicht nur in Deutschland, sondern weltweit als „geschlossene Gesellschaft“ betrachtet werden. Zu ihr gehören reine Engineeringunternehmen wie auch Unternehmen, die neben dem Engineering wesentliche Teile der Großanlage selbst bauen.

Es ist bemerkenswert, dass der deutsche Großanlagenbau über Jahrzehnte hinweg bis heute seine technologische Spitzenposition auf dem Weltmarkt verteidigen konnte. Die Angebotspalette wurde allerdings gegenüber den früheren Jahren erweitert, wobei die Energiebranche mit ihren Kraftwerken und sonstigen Energieanlagen eine wichtige Stellung einnimmt. Bei so genannten Turn-Key Projekten handelt es sich um schlüsselfertige Großanlagen, Lump-Sum-Turn-Key Projekte sind entsprechende Lösungen zum Festpreis. Der Anlagenbauer bzw. das Engineeringunternehmen übernimmt dann die Generalunternehmerschaft (General Contractor).

Über den aktuellen Stand der Branche und deren Zukunft gibt die AGAB (Arbeitsgemeinschaft organisierter Großanlagenbauer im VDMA) regelmäßig Auskunft. Demnach profitiert die Branche zur Zeit stark von der „Geldschwemme“ der Erdöl produzierenden Länder im nahen Osten und der Aufrüstung Chinas zu einer der führenden Wirtschaftsnationen der Welt. Die Auftraggeber kommen zunehmend auch aus Indien, Russland, Brasilien, Türkei und Mexiko. Der weltweit steigende Energiebedarf zeigt sich in der Nachfrage nach deutscher (fossiler) Kraftwerkstechnik. Darüber hinaus spielen Anlagen für die chemische Industrie sowie Hütten- und Walzwerke auf dem internationalen Markt eine wichtige Rolle. Die Exportquote lag zuletzt bei sage und schreibe 83 Prozent.

Die Branche befindet sich in den letzten Jahren in Rekordlaune, was Auftragseingänge und Umsätze betrifft. Die Zukunft des Großanlagenbaus darf aufgrund der sich kaum ändernden Wirtschaftssituation in den entscheidenden Regionen gleichfalls rosig gesehen werden. Dennoch wächst die Konkurrenz durch chinesische Anlagenbauer. Machten in der Vergangenheit eher die Amerikaner mit ihren standardisierten „Einheitsgroßanlagen“ von der Stange den deutschen Unternehmen zu schaffen, sind es jetzt die Billiganbieter aus dem asiatischen Wirtschaftswunderland, die ihre Künste nach kurzer Lernzeit auf dem Weltmarkt erfolgreich anbieten.

Von der guten Wirtschaftslage dürften die Ingenieure in erheblichem Maße profitieren. Hauptsächlich sind Ingenieure des Maschinenbaus, der Elektrotechnik/Elektronik, der Verfahrenstechnik und des Bauingenieurwesens im Großanlagenbau gefragt, sie sind aber auch in der Zulieferindustrie begehrt, die ihrerseits rund 150.000 Mitarbeiter beschäftigt.

 

  • Bernd Andersch

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