Der richtige Führungsstil 25.07.2003, 00:00 Uhr

Führungsstil: Egoisten haben es schwer

Gerade junge Führungskräfte unter den Ingenieuren haben es schwer: Ihr Führungsstil wird mitunter besonders kritisch beäugt. Nicht ganz zu unrecht. Viele Jungmanager haben ein falsches Führungsverständnis und verärgern damit ältere und erfahrene Kollegen.

Egoisten haben es im Beruf nicht leicht, gerade junge Ingenieure neigen dazu.

Egoisten haben es im Beruf nicht leicht, gerade junge Ingenieure neigen dazu.

Foto: panthermedia.net/minervastock

Viele Mitarbeiter beklagen sich über den Führungsstil von Jungmanagern. Auch in den Augen von Ingenieuren schneiden sie häufig schlecht ab, will man Aussagen in Coachings und Beratungen Glauben schenken. Kritisiert wird dabei nicht nur der Weg, wie die jungen Leute an ihren Job gekommen sind, sondern die Art und Weise, wie sie führen. Die Bandbreite reicht vom laissez faire-Stil bis zum strikt autoritären Führungsstil.

Besonders kritisiert wird der Ich-bezogene Führungsstil, bei dem es mehr um die eigene Karriere als die Sache oder das Unternehmen geht. Aber auch Entscheidungsschwäche, fehlendes Selbstbewusstsein gegenüber Vorgesetzten und gezieltes Zurückhalten von Informationen zählen zu den häufigen Kritikpunkten. Bevor generell der Stab über jungen Führungskräfte gebrochen wird, sollten zwei Quellen der Kritik betrachtet werden.

Ältere Kollegen kritisieren den Führungsstil der Jüngeren

Die eine liegt bei den Kritikübenden selbst. Viele qualifizierte und ältere Mitarbeiter tun sich schwer, jüngere Vorgesetzte zu akzeptieren. Sie fühlen sich bei der Besetzung der Führungsposition übergangen, in ihren für das Unternehmen erbrachten Leistungen oder Qualifikationen verkannt. Es kommt Neid auf. So gehen sie auf Distanz zu dem jüngeren Vorgesetzten und können ihn einfach nicht anerkennen. Sie werden politisch, bekämpfen den Vorgesetzten im „Untergrund“, bauen eine Opposition im Team auf und verweigern Höchstleistungen. Auf Dauer bringt ein solches Verhalten mehr Frust als Lust an der Arbeit und der Vorgesetzte und sein Führungsstil wird gerne als Ursache für die eigene berufliche Unzufriedenheit hingestellt.

Die zweite Quelle liegt im falschen Führungsverständnis mancher Jungmanager. Sicherlich ist es nachvollziehbar, dass eine junge Führungskraft sich erst einmal Geltung verschaffen und sich mit einem eigenen Führungsstil profilieren möchte. Sie hat es geschafft und ist mehr als „nur“ Mitarbeiter. „Alle sollen wissen, wie toll ich bin. Ich bin der entscheidende Kopf ohne den nichts geht, weil ich eben schlicht und ergreifend der Beste bin!“ Also zieht der gekürte Gruppen- oder Abteilungsleiter viele Register, um dies seinem Team mitzuteilen. Das Spektrum reicht von der Information über Maßregelung, Belehrung, Drohung und Einschüchterung bis hin zum leerformelhaften Motivationsspruch.

Ein falscher Führungsstil schadet dem Vorgesetzen

Weitere Folgen der Egozentrierung sind schlichtweg Überhören und Übergehen von Meinungen, Ideen und Wissen des Teams, fehlende eigene Lernprozesse im Umgang mit dem Team usw. Ein intelligentes Team reagiert auf einen derartigen Führungsstil mit großer Befremdung. Das Misstrauen steigt und die Kluft zwischen Team und Führungskraft wird größer. Gereifte Teammitglieder belächeln das Verhalten und kanzeln es mit der Vokabel „Minderwertigkeitskomplex“ ab.

Stellt sich die Frage, wie es zu diesem Führungsstil kommt, wie förderlich oder schädlich es für den Betreffenden ist. Hauptursache ist meistens große Unsicherheit. Der neue Leader möchte nichts verkehrt machen, sich insbesondere nicht die Butter vom Brot nehmen lassen und möchte vom Team bestätigt haben, dass er der Dreh- und Angelpunkt ist. Also muss alles seinen Schriftzug tragen, damit ihm selbst nachher auch die Erfolge zugerechnet werden können. Das Team sieht er mehr als Mittel zum Zweck.

Bescheidenheit gehört zu einem guten Führungsstil

Doch klar ist: meist schadet ein solcher Führungsstil mehr als er bringt. Der chinesische Philosoph Lao Tse sagte einmal: „Ein guter Führer wird nicht bemerkt!“ Gemeint ist damit eine Führungsstil, bei dem sich der Führer in Bescheidenheit zurückhält und lediglich die Richtung vorgibt, für eine intensive Interaktion zwischen den Teammitgliedern sorgt, dem Team den Rücken freihält und somit alles tut, damit das Team zu Selbstbewusstsein findet und Höchstleistungen vollbringen kann.

Das Understatement eines guten Führers liegt in der Bescheidenheit. Nur so gelingt es, beim Team und im Unternehmen zu gewinnen und als souveräner Führer registriert zu werden. Der Ich-Führungsstil bringt selten den großen Karrieredurchbruch! Hierfür sind Verbündete notwendig (auch im eigenen Team). Wer tiefe Gräben zwischen sich und das Team zieht, muss damit rechnen, dass die Mitarbeiter sich mit Leistungen zurückhalten. Es kommt zur Demotivation und ggf. zu Kündigungen.

Guter Führungsstil: Vor dem Handeln nachdenken

Möglicherweise werden die neue Führungskraft und ihr unpassender Führungsstil auch über informelle Kanäle bei der Geschäftsführung angeschwärzt oder steht eines morgens vor dem Aufstand der vermeintlichen Zwerge. Das Karrieresternchen neigt sich zum Sinkflug, bevor es seine Umlaufbahn erreicht hat.

Fazit: Im Umgang mit dem Team ist bei jüngeren unerfahrenen Führungskräften höchste Vorsicht geboten. Um den richtigen Führungsstil zu finden, bedarf es keiner teueren Seminare oder Trainings. Meist reichen gesunder Menschenverstand und normales Einfühlungsvermögen aus, um zu entscheiden, was man lieber tun oder lassen sollte. Jungmanager sollten es sich zur Angewohnheit machen, vor jeder Aktion zu überlegen: Wie kommen meine Worte und mein Verhalten wohl an? Was geht in den Köpfen des Teams vor, wenn ich dieses oder jenes tue oder sage? Mit welchen Reaktionen des Teams muss ich rechnen? Wie schaffe ich es mit Worten und Taten immer wieder die Bedeutung des Teams für den gemeinsamen Erfolg zu betonen? Wer so reflektiert an seine Aufgabe herangeht, der hat eine gute Ausgangsposition.

 

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