Management

Zur akzeptierten Führungskraft gehört, dass sie Werte verkörpert  

Nicht neue Kündigungs-, sondern neue Arbeitsverhältnisse führen zur Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen. Mitarbeiter sollen mehr am Erfolg und Misserfolg ihres Unternehmens teilhaben.

Deutschland hat in den letzten zehn Jahren bei der Produktionstechnik und der Arbeitsorganisation im internationalen Vergleich aufgeholt. Aber wesentliche Elemente fehlen teilweise noch: Führungskräfte, die Visionen umsetzen und für Werte stehen, sowie Manager, die qualifizierte Mitarbeiter als das wesentliche Unternehmenskapital ansehen, sie so einsetzen und sich organisieren lassen, dass sie sich mit der Firma identifizieren können.

Ende der 1980er erschien eine vergleichende Studie, die das Massachusetts Institute for Technology (MIT) im Auftrag der Automobilindustrie gemacht hatte. Darin wurden europäische, US-amerikanische und japanische Automobilwerke verglichen. Das Ergebnis war insbesondere für die deutschen Werke katastrophal, pauschal konnte man sagen: Die Japaner produzierten in den Kennwerten für die Hälfte.

So hieß es z. B. über ein deutsches Werk, dass darin ein Drittel der Belegschaft erforderlich ist, um das in Ordnung zu bringen, was zwei Drittel fehlerhaft produziert haben. Das war die Initialzündung, um Organisation und Abläufe, aber auch anerkannte Regeln der Produktionstechnik infrage zu stellen. In der Produktion hat es einen Paradigmenwechsel gegeben. Produzieren ist Dienstleistung.

Doch im Zuge der Globalisierung nahm die Planbarkeit rapide ab, insbesondere große Unternehmen mit ihren hierarchischen und bürokratischen Strukturen verloren an Wettbewerbsfähigkeit, wurden zu langsam.

Vordergründig und oberflächlich wird gesagt, dass wir mehr Innovationen benötigen, um wettbewerbsfähiger zu werden, um die Arbeitslosigkeit abzubauen. Das gilt aber nur, wenn Innovation von Produkten und Prozessen einen Wettbewerbsvorsprung, höheren Marktanteil oder neue Beschäftigungsfelder und damit Wachstum ergeben.

Sind jedoch nicht Globalisierung, zunehmender internationaler Wettbewerb, Rationalisierung und strukturelle Arbeitslosigkeit auch Folge von Innovationen?

Also ist doch wohl mehr qualifizierte Betrachtung und Differenzierung im „Fordern und Fördern“ notwendig als heute im diffusen Gerede deutlich wird. Innovationen finden weltweit statt und beeinflussen uns.

Es gehört in das Bewusstsein der Führungskräfte, dass qualifizierte und motivierte Mitarbeiter das größte und entscheidende Anlagevermögen der Unternehmen sind.

Ein Kennzeichen leistungsfähiger Strukturen ist die Fähigkeit zu Selbstorganisation und -optimierung. Das geschieht auch zunehmend. Notwendig ist, dass heute bei interdisziplinären Projektteams diese am besten selbst erkennen, welchen Spezialisten wann und wie lange sie zur Bearbeitung einer komplexen Projektaufgabe hinzuziehen müssen.

Aber allein durch technische und organisatorische Innovation werden wir Deutschland nicht als herausragenden Arbeits- und Investitionsstandort halten können:

Es bedarf der Weiterentwicklung, der sozialen Innovation in Gesellschaft und Unternehmen.

Wir möchten, dass sich der Bürger mit dem Staat und der Mitarbeiter mit dem Unternehmen identifiziert und entsprechend denkt und handelt. Warum soll er das, wenn er weiß, dass die Politiker nicht wahrhaftig sind und nicht wirtschaften können, dafür aber ihn ständig weiter belasten. Oder der Mitarbeiter im Unternehmen weiß, dass es sich von ihm sehr schnell trennen wird, wenn die Situation es erfordert und das Management selbst nicht für das Unternehmen steht.

Wir müssen meines Erachtens neue Gestaltungen der Arbeitsverhältnisse suchen, die einmal zu noch mehr Flexibilität, Anpassungs- und Überlebensfähigkeit des Unternehmens führen, andererseits den Mitarbeiter mehr am Erfolg und Misserfolg seines Unternehmens teilhaben lassen.

Die Kluft zwischen selbstständig oder abhängig beschäftigt zu sein ist zu groß, im Positiven wie im Negativen. Wenn wohl auch das Interesse und die Risikobereitschaft zur Selbstständigkeit erfreulich angestiegen ist, müssen wir doch realisieren, dass immer noch ein großer Teil auch qualifizierter Menschen, abhängig beschäftigt bleiben, ja bleiben muss, allein schon wegen des erforderlichen Kapitalbedarfs für viele Leistungserstellungen. Ihnen muss und kann aber auch mehr Selbstständigkeit, Risiko und Verantwortung gegeben werden. Das bedarf nicht nur der Entwicklung neuer Arbeitsverhältnisse, sondern auch einer neuen Arbeitskultur und Mentalität.

Eine riesige langfristige Aufgabe, die in kleinere Schritte zerlegt werden muss, wenn man sich überhaupt traut, diese Aufgabe anzugehen. Dabei wird es auch Einschnitte und Härten geben, die aber andererseits zu leistungsfähigeren und international wettbewerbsfähigen Strukturen führen müssen und werden. Dazu bedarf es Politiker und Führungskräfte mit Visionen.

Ein Politiker hat einmal gesagt, wer Visionen habe müsse zum Arzt gehen, aber nicht regieren. Ich hoffe, dass diese Bemerkung nicht ernst zu nehmen ist, denn die Vision – offen gelegt oder geheim – macht erst den Politiker zum Staatsmann. „Führen“ heißt, Visionen zu haben, daraus Ziele abzuleiten und Strategien zu ihrem Erreichen zu entwickeln und zu kommunizieren.

Zur akzeptierten Führungskraft gehört auch, dass sie Werte vermittelt, also eine Vorbildfunktion erfüllt.

Die Güte eines Unternehmens oder eines Staates kann man leider nur an den Ergebnissen im Außenraum erkennen. Im Inneren gibt es nur Kosten. Nur an den Ergebnissen in der Zukunft zeigt sich, ob die Werte und Ziele richtig bzw. zeitgemäß waren oder sind.

Eine Führungskraft steckt immer im Dilemma, die gesetzten Ziele mit Zähigkeit zu verfolgen, andererseits aber zum richtigen Zeitpunkt gegebenenfalls zu korrigieren, ohne opportunistisch oder unzuverlässig zu wirken.

Führen heißt auch loslassen zu können, Risiken einzugehen und dabei den Handelnden – und Fehlermachenden – Rückhalt zu geben. Bei einer solchen Unternehmenskultur braucht man nicht mangelndes Innovationsgeschehen befürchten.

Man weiß, dass weniger als ein Drittel der Innovationsprozesse ein wirtschaftlicher Erfolg wird, ohne dass man bei den relativ vielen Fehlschlägen einen Schuldigen identifizieren kann – auch nicht suchen sollte. Innovation ist nur bedingt plan- und in all ihren Auswirkungen vorhersehbar.

Wir müssen nach neuen Lösungen suchen, denn die strikte Trennung zwischen Arbeit und Freizeit ist in vielen Arbeitsbereichen nicht mehr zeitgemäß. All dieses hat dazu geführt, dass z. B. der Automobillieferant Brose ein stark wachsendes und innovatives Unternehmen geblieben ist und im Ranking der beliebtesten Arbeitgeber bei jungen Leuten kräftig zugelegt hat.

Gutes Management bringt die Stärken der Mitarbeiter zum Tragen und macht ihre Schwächen für das Unternehmen bedeutungslos. Es muss deshalb immer die vorherrschende Kultur in der Region beachten.

Entscheidend für Staat und Unternehmen sind nicht nur Strukturen und Organisation, sondern entscheidend ist die Führung.

Vorbilder, Leitbilder gibt es einige in der Geschichte. Einer der bekanntesten ist Ernest Shackleton (1874 – 1922), der kurz vor Beginn des ersten Weltkrieges 1914 zu einer Antarktisexpedition aufbrach. Sein Schiff, die Endurance, wurde aber kurz vor der Landung auf der Antarktis vom Eis umschlossen und zerdrückt. Die 28-köpfige Besatzung, Schlittenhunde, Vorräte, Zelte und Rettungsboote wurden auf eine große Eisscholle gerettet.

Shackleton blieb in der Hoffnungslosigkeit besonnen und Vorbild, forderte von sich mindestens so viel wie von seinen Männern. Er war hart, konsequent, aufrichtig, zuverlässig und berechenbar, aber gleichzeitig motivierend und menschlich. Ein Team-Führer.

Er segelte mit einigen Mannschaftsmitgliedern in einem der Rettungsboote zu den Falkland-Inseln, um Hilfe zu holen, die anderen warteten wochenlang in eisiger Kälte. Schließlich musste man zum Überleben die Schlittenhunde essen. Alle Mann waren 1917 wohlbehalten wieder in England.

Ernest Shackleton wurde für seine Führungsleistung in Großbritannien mit dem „Sir“ geadelt.

Leider sind heute viele Politiker und Manager in der Einschätzung durch die Gesellschaft weit von einem solchen Leitbild entfernt, andererseits gibt es viele Führungskräfte, die nicht in der Öffentlichkeit stehen, ihre Aufgaben und Pflichten aber erstklassig erfüllen.HANS-JÜRGEN WARNECKE

Von Hans-Jürgen Warnecke

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