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Zukunftsmarkt: Technik für Ältere  

VDI nachrichten, Wiesbaden, 5. 5. 06, rb – Die zunehmende Vergreisung der Gesellschaft wird meist nur als kommende Katastrophe gesehen, die die Sozialsysteme in den Abgrund stürzen lässt. Doch der demografische Wandel birgt auch Chancen, meinen Experten, die sich mit dem Marktpotenzial der Generation 50 plus beschäftigen.

Wenn sich der Markt auf die silbergraue Zukunft vorbereitet, kann ein großes Potenzial erschlossen werden. Rolf Kreibich, Leiter des Instituts für Zukunftsforschung und Technologiebewertung (IZT), Berlin, sieht eine wirtschaftliche Chance in der Zunahme der Dienstleistungen von und für Ältere: „Davon betroffen sind nicht nur die Bereiche Gesundheit oder soziale Dienste, sondern auch Freizeit, Kultur, Bildung, Wohnen und vieles mehr.“ Auch die Entwicklung von Produkten, mit denen Senioren etwas anfangen können und die sie wirklich haben wollen, berge große Marktchancen, meint Ernst Pöppel, Leiter des Generation Research Programs (GRP).

Ältere Menschen sind konsumfreudiger als gemeinhin angenommen. Über 60-Jährige gaben in Deutschland 2003 mit 308 Mrd. € fast ein Drittel der Gesamtausgaben für den privaten Verbrauch aus. Laut einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist die Konsumquote der Menschen zwischen 65 und 75 die höchste aller Altersgruppen.

Und die Alten werden immer mehr. Während die Gesamtbevölkerung von heute 82 Mio. auf 75 Mio. im Jahr 2050 sinken wird, nimmt der Anteil der alten Menschen dramatisch zu. Die Gruppe der „jungen Alten“ zwischen 60 und 80 wird 2050 rund 19 Mio., also 25 %, betragen. 80 Jahre oder älter werden dann 9 Mio. Menschen und somit 12 % der Bevölkerung sein. 2001 waren nur 3,2 Mio. Deutsche älter als 80 Jahre.

Die Alten von morgen werden viel Geld in Technik investieren, weil dies ihrem erlernten Konsumverhalten entspricht, so Peter Zec, geschäftsführender Vorstand des Design Zentrums Nordrhein-Westfalen e. V. in Essen. Schließlich haben sie schon als jüngerer Mensch neue Computer und Autos erworben. Das Konsumverhalten weise hohe biographische Kontinuität auf.

Bereits heute gibt es einen großen Technikmarkt für Ältere, der meist nicht als solcher wahrgenommen wird. Beispiel Designprodukte: 54 Jahre alt ist der Durchschnittskäufer der teuren dänischen Hi-Fi-Anlagen von Bang und Olufson. Porsche-Käufer sind im Durchschnitt 57 Jahre alt und das „Born to be wild“-Gerät, der Motorrad-Chopper von Harley-Davidson, wird im Mittel von 59-Jährigen gekauft.

Das Potenzial der Kaufkraft 50 plus ist längst nicht ausgeschöpft, denn alte Menschen werden als Zielgruppe ignoriert. 95 % aller Werbeausgaben wurden im Jahr 2002 für Menschen unter 50 ausgegeben. Zieht man von den verbleibenden 5 % die Spezialprodukte für Alte, wie Hörgeräte, Inkontinenzwindeln oder Begräbnisse ab, verbleiben nur 2 % für andere Konsumgüter.

Aber warum schrecken so viele Firmen davor zurück, sich an eine Zielgruppe mit so viel brachliegendem Vermögen zu wenden? Jean-Paul Treguer von der „senior agency international“ in Paris meint: „Den Menschen graut es vor dem Altern und sie wollen diese Zielgruppe nicht erkennen.“ Für die Werbebranche, in der über 50-Jährige als Mitarbeiter praktisch nicht existent sind, gilt dies besonders. Doch auch hier lassen erste Ausnahmen von der Regel aufhorchen: So wurde die Filmdiva Catherine Deneuve mit 61 Jahren von der Modefirma Mac als Model unter Vertrag genommen.

Japan ist zurzeit die am schnellsten alternde Nation der Welt. Die japanische Gesellschaft begegnet dieser Herausforderung offensiver als die europäische. Ein Beispiel für den Erfindungsreichtum der Roboter liebenden Japaner ist die „Menschenwaschmaschine“. Entwickelt hat sie Mitsuru Haruyama, ein unter Muskeldystrophie leidender Geschäftsmann. Will man sich automatisch waschen lassen, setzt man sich in einen Stuhl, der rückwärts in die Waschmaschine fährt. Wie eine Muschel schließt sich die Maschine, der Kopf schaut raus, das Waschprogramm beginnt. Yukiko Sato, Chefin eines Altenheims, lobt die Maschine: „Die Altenheimbewohner finden die Maschine wirklich gut. Sie können selbstständig ein Bad nehmen und ihre Privatsphäre bleibt geschützt.“

Technik für Ältere kann also durchaus ein lohnendes Geschäft sein, doch nur wenn die Generation 50 plus sie auch wirklich gebrauchen kann und haben will. Solange Technik von „jungen männlichen rechtshändigen Ingenieuren“ entwickelt wird, wie Ernst Pöppel vom „Generation Research Program“ in Bad Tölz die heutige Situation beschreibt, werden Menschen, die nicht in diese Kategorie fallen, Probleme haben, mit der Technik umzugehen. CAROLA PAHL

Von Carola Pahl

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