Management

„Ziel aller Produktivität muss der Mensch sein“  

VDI nachrichten, Herborn, 3. 11. 06, jdb – Herborn in Mittelhessen ist eine liebenswerte 20 000-Einwohner-Stadt mit hohem Freizeitwert. Mit Rittal hat dort einer der Weltmarktführer für Schaltschrank- und Gehäusesysteme seinen Stammsitz. Das Unternehmen agiert weltweit, ist sich aber seiner Wurzeln in der Region um Herborn bewusst und dort nicht nur größter Arbeitgeber, sondern auch vielfältig engagiert.

Norbert Müller, Vorsitzender der Geschäftsführung von Rittal, ist viel unterwegs, derzeit bei verschiedenen Tochtergesellschaften in Asien. Denn auch für den Hersteller von Schaltschränken und Serverracks brummen die Absatzmärkte – und das nicht nur im fernen Osten. Im heimatlichen Herborn, einer beschaulichen Fachwerkstadt im landschaftlich reizvollen Mittelhessen, macht sich daher keiner der Mitarbeiter Sorgen um seinen Arbeitsplatz. „Unsere Produkte rund um die Welt zu transportieren, macht keinen Sinn, wir produzieren immer nahe an den Abnehmern“, sagt Friedemann Hensgen, Bereichsleiter internationales Marketing bei Rittal.

Obwohl weltweit tätig, ist das Unternehmen fest in der Region verwurzelt. Entstanden ist Rittal als Teil der weit verzweigten Friedhelm-Loh-Group 1961 in Rittershausen, einem kleinen Ort unweit Herborn, der auch heute noch den größten Fertigungsstandort in der Region darstellt. Doch bereits in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts expandierte das Geschäft und so mussten neue Kapazitäten geschaffen werden.

In Rittershausen war die Expansion schwierig. „Deshalb fiel nach einer sehr kurzen Planungs- und Analysephase die Entscheidung, das ehemalige Valvo-Werk in Herborn zu übernehmen“, erinnert sich Norbert Müller. „Für das noch junge Unternehmen war das zur damaligen Zeit ein mutiger und vorausschauender Schritt.“

Wie bei früheren Firmenkäufen der Unternehmensgruppe verfolgte man neben den wirtschaftlichen und produktionstechnischen Überlegungen dabei auch das Ziel, Arbeitsplätze zu sichern. So konnten auch 180 ehemalige Valvo-Beschäftigte bei Rittal bleiben.

Der damalige geschäftsführende Gesellschafter und heutige Vorstandsvorsitzende und Inhaber der Friedhelm-Loh-Group, Friedhelm Loh, formulierte das 1978 so: „Wir verstehen uns als Bestandteil der Gesellschaft unseres Landes. Als Glieder einer Gemeinschaft, die eine Aufgabe zum Gemeinwohl zu erfüllen hat. Ziel aller Produktivität, aller Kreativität, allen sozialen Einsatzes muss der Mensch sein.“

Durchaus keine leeren Worte, wie auch Hans Benner (SPD), seit fünf Jahren Bürgermeister in Herborn, bestätigt: „Rittal ist nicht nur der größte Arbeitgeber in Herborn, sondern auch in unserem ganzen Kreis.“ Gut 3400 der insgesamt 9000 Mitarbeiter weltweit arbeiten in Mittelhessen und den angrenzenden Regionen. „Für eine Stadt, die eine hohe Anzahl Auspendler in die Wirtschaftszentren der Umgebung hat, ist das besonders wichtig“, weiß Benner.

Darüber hinaus lobt er das nachbarschaftliche und soziale Engagement, das sich sowohl Loh als auch Müller auf ihre Fahnen geschrieben haben. „Beispiele sind die Schirmherrschaft, die Friedhelm Loh für die Bachwochen Dill übernimmt oder die Förderung von Musikprojekten der Wilhelm-von-Oranien Schule in Dillenburg“, erläutert Müller.

Für das soziale Engagement stehe z. B. die langjährige Zusammenarbeit mit den Dillenburger Werkstätten der Lebenshilfe. „Beim Sport werden insbesondere Vereine aus den Orten der Produktionsstätten unterstützt, wobei Kinder- und Jugendarbeit immer im Fokus stehen.“

Erst unlängst wurde übrigens die Vorbildfunktion von Friedhelm Loh für den Standort Deutschland – mit regionalen Wurzeln in Hessen – gewürdigt: Als frisch gewählter Präsident des ZVEI will er sich in dieser für Deutschland sehr wichtigen Branche stark für eine wettbewerbs- und marktorientierte Innovationspolitik machen.

Als sichtbares Zeichen der Verbundenheit mit der Region hat Rittal in diesem Jahr einen Vertrag über die Namensgebung der Arena im nahe gelegenen Wetzlar geschlossen. Seit März heißt dieser Anziehungspunkt für sportliche und kulturelle Highlights nun „Rittal Arena Wetzlar“.

Solches Engagement kann natürlich nur auf dem wirtschaftlichen Erfolg aufbauen, und der hat bei Rittal seit Firmengründung Tradition. Sechs strategische Geschäftseinheiten machen das reichhaltige Portfolio aus: Schaltschrank-Systeme, Elektronik-Aufbau-Systeme, System-Klimatisierung, Stromverteilung, IT-Solutions und Communication Systems.

„Wir sind ein IT-Unternehmen“, sagte Hensgen stolz. Kaum ein großer Server-Hersteller, der nicht auf Produkte aus dem Hause Rittal zurückgreift: „Bei den heutigen Erfordernissen an die Kühlung der Rechner, an Betriebs- und Datensicherheit haben wir uns hier eine weltweit beachtete Kompetenz erarbeitet.“

Und der Rittal-Chef Müller ergänzt: „Heute sorgt ein weltweites Distributionsnetz aus 60 Tochtergesellschaften, 70 Vertriebspartnern, 19 Produktionsstätten in elf Ländern sowie 150 Service- und Lieferstützpunkten für die reibungslose Versorgung der Kunden rund um den Globus.“

Vom weltweiten Erfolg Rittals profitieren auch andere, vor allem mittelständische Unternehmen in Herborn und Umgebung. Müller: „Natürlich gibt es Leistungen, die wir von Zulieferern aus der Region beziehen. Indirekt fördern wir damit den Wirtschaftsstandort um unseren Hauptsitz Herborn und die Werke in angrenzenden Bundesländern. Bei unseren rund 55 regionalen Zulieferern werden in Summe rund 1400 Arbeitsplätze gesichert, deutschlandweit sind es noch deutlich mehr.“

Auch das generelle Klima für Unternehmensansiedlungen im Raum Herborn wird von so einem „Leuchttum“ positiv beeinflusst, weiß Bürgermeister Benner, wenn auch die Resultate schwer zu beziffern seien.

Herborn entwickelte sich schon im frühen Mittelalter am Schnittpunkt zweier Fernverkehrswege: Die Brabanter Straße führte von den Niederlanden über Köln nach Frankfurt vom Rhein über den Westerwald nach Leipzig verlief die Rheinstraße.

Die moderne Zeit hielt 1862 Einzug mit dem Bau der Eisenbahnlinie von Köln-Deutz nach Gießen. Das verbesserte die wirtschaftliche Situation der Eisen herstellenden und verarbeitenden Industrie nahe bei Herborn. Als allerdings 1971 die Bundesautobahn Sauerlandlinie von Dortmund Richtung Frankfurt gebaut wurde, befanden sich Eisen, Stahl und Guss schon im Niedergang. Bürgermeister Benner: „Von den einst wohlklingenden Namen Buderus, Burger Eisenwerke, Juno oder Haas&Sohn ist uns keiner geblieben.“

Wenn die Herborner von ihrer Geschichte erzählen, kommt auch stets die Hohe Schule zu Sprache. Die wurde 1584 von Johann, Graf von Nassau gegründet, dem jüngeren Bruder von Wilhelm von Oranien, dem „Befreier“ der Niederlande, um Theologen für die Reformierte Kirche, die auf Calvin zurückgeht, auszubilden. Heutige Nachfolgeeinrichtung ist das Theologische Seminar der ev. Kirche von Hessen und Nassau, untergebracht im Schloss über der Altstadt.

Viel von dieser lebendigen Bildungstradition findet sich auch bei Rittal und in der gesamten Friedhelm-Loh-Group. Für Müller ist die Weiterbildung Chefsache: „Bei uns erleben z. B. Auszubildende die komplette Prozesskette vom Einkauf über den Wareneingang bis hin zur Rechnungsstellung hautnah im Rahmen von ¿Big Little Rittal¿, einer eigenen Firma in der Firma.“

Das seit 1996 bestehende Projekt wurde von der Otto-Wolf-von Amerongen-Stiftung als vorbildlich ausgezeichnet. Im Produktionsbereich wecken innovative Lernmethoden wie die Lerninsel inzwischen auch das Interesse anderer Unternehmen, weiß Müller zu berichten.

Und wenn er dann wieder einmal zu seinen Geschäftspartnern in aller Welt jettet, dann speist er über den Wolken höchstwahrscheinlich gleich aus der heimischen Küche. Denn Herborns zweitgrößter Arbeitgeber mit insgesamt 770 Mitarbeitern ist die Firma Sell, die für viele namhafte Airlines weltweit alle Großraumflugzeuge von Boeing und Airbus mit Bordküchen ausstattet. JENS D. BILLERBECK

 

Von Jens D. Billerbeck

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