Personalmanagement

Zauberformel Bonus-Scheck

Um die Arbeitsmoral in deutschen Unternehmen steht es nicht immer zum Besten. Die Wirtschaft versucht mit „Incentives“ dagegen zu halten.

Die Arbeitsmoral in Deutschland befindet sich im Sinkflug. So ermittelte das Bonner Institut für Wirtschaft und Gesellschaft, dass 54 % aller Beschäftigten im Job heute gerade mal das tun, was ausdrücklich von ihnen verlangt wird. Nach Mehr-Anstrengung steht nicht der Sinn, schließlich sei der Beruf nun „so wichtig auch wieder nicht.“ Soweit die Studie. Alarmstufe Rot deshalb bei Deutschlands Managern. Der mental ins Außerdienstliche emigrierte Mitarbeiter gehört dort nämlich längst zur fixen Größe.
„Weit verbreitete Unlust sowie sturer Dienst nach Vorschrift ist nicht mehr nur ein fragwürdiges Privileg ausschließlich für Beamtenschaft und Öffentlichen Dienst“, weiß Eugen Sondermann, Geschäftsführer der Düsseldorfer Personal- und Unternehmensberatung DTK. Das Fazit des Diplom-Psychologen: „Innerbetrieblicher Vorruhestand breitet sich wie eine ansteckende Krankheit aus.“
Eine Zauberformel soll den bösen Fluch bannen: „Mitarbeiter-Incentives“. Und auf deren Ausrichtung spezialisierte Agenturen erleben derzeit einen ungeahnten Boom. Incentives, zu deutsch Anreize, sollen selbst schwerste Fälle betrieblichen Phlegmas nachhaltig in pulsierende Aktivität verwandeln helfen. Personalchefs behandeln die Thematik darum wie einen Heil bringenden Gral, der unmotivierte Erbsenzähler ruckzuck in arbeitswütige Verkaufsmaschinen verwandelt und treulose Jobhopper in Musterexemplare an Loyalität. „Außergewöhnliche Leistungen durch außergewöhnliche Leistungen.“ Klingt einfach, doch Experte Sondermann warnt vor blindem Aktionismus ohne Konzept, ohne Vorbereitung und nicht selten – auch ohne nachhaltigen Erfolg. Der Berater mahnt: „Für betriebliche Incentive-Programme ist extrem viel Fingerspitzengefühl notwendig.“ Dazu gehört vor allem die Erkenntnis, dass nicht alle Abteilungen und Mitarbeiter in ein Schema zu pressen sind. „Beim knicken, lochen, heften in der Verwaltung etwa, lassen sich nur sehr schwer objektiv messbare Ziele festlegen.“ Mehr Möglichkeiten gebe es in jenen Berufen, die traditionell mehr Freiraum böten. Und hierzu zählt Eugen Sondermann vor allem die IT-Branche, „sowie jede Art von Außendienst.“
Ein sensibles Thema: die Anreize selbst. Denn ähnlich wie bei Bruttogehalt, Urlaubs- oder Weihnachtsgeld hält auch hier der Staat lässig seine ausgestreckte Hand auf. „Ein Punkt, der bei der Gestaltung von Motivations-Projekten jedoch häufig übersehen wird“, klagt Sondermann und gibt zu denken, dass sich alle Freude über den Trip auf Hawaii ins Gegenteil verkehrt, wenn dem Mitarbeiter bewusst wird, dass er die vermeintliche Belohnung komplett versteuern muss. Ergebnis: „Frustration statt Motivation.“
Und nicht nur deshalb hält an vorderster Front Management-Trainer und Buchautor Reinhard K. Sprenger den aktuellen Incentive-Wahn für kompletten Humbug. Er kritisiert: „Damit werden Mitarbeiter ähnlich wie Junkies an regelmäßig wiederkehrende Drogen gewöhnt. Und zwar so lange, bis Prämien und Incentives den Status einer puren Selbstverständlichkeit erreicht haben.“ Von einem Ansporn zu mehr Leistung indes könne dann kaum noch die Rede sein. Denn die Ansprüche steigen. Genügte als Lockmittel für eine Extra-Portion Fleiß vor einigen Jahren noch das Trimmrad für daheim, animiert schon heute kaum mehr der Trip zur Tour de France. Und das trotz des Nudelessens mit Edel-Biker Jan Ullrich. Von Jahr zu Jahr wird die Reizschwelle höher, werden die Angebote bizarrer: Strohhüttenbau auf den Bahamas, Tänze im ägyptischen Pharaonengrab, Dinner mit Kannibalen in Neu-Kaledonien, Feuerlöscheinsätze in Rio de Janeiro. Neuester Schrei: das Krimiwochenende im Luxushotel. Die Mitspieler schlüpfen für drei Tage in die Haut einer Romanfigur, um vor Ort einen imaginären Mordfall zu klären.
Mit geradezu abnormer Kreativität schlagen Agenturen mittlerweile sogar „Negativ-Incentives“ vor. Fahrradtouren zum Beispiel durch den novemberverregneten Harz für besonders umsatzschwache Verkäufer. Sinn und Zweck: Anreiz zu Leistungssteigerung, verbunden mit der Aussicht auf zehn schönere Tage Mallorca im nächsten Jahr. Immer schneller. Immer weiter. Immer grotesker. Immer besser?
Eher nicht. „Wichtig ist der konzeptionelle Hintergrund, die Einbindung der Incentives in einen übergeordneten Kontext“, sagt Peter Klooß, Chef der Kölner Event- und Incentive-Agentur „Master Service“. „Schließlich sollen die Leute nicht der Prämien wegen arbeiten, sondern in erster Linie, weil sie ihren Job gerne machen.“ Denn immer noch bestimme das Ziel die Maßnahmen. Und nicht die Maßnahmen das Ziel.
Besonders kritisch beäugt der Experte darum den Motivationsfaktor „Geld“. Seiner Erfahrung nach haben dicke Bonus-Schecks auf Dauer nicht den gewünschten Effekt. Es fehlt der Erlebnischarakter, die Nachhaltigkeit, das Teamgefühl. Bestätigung findet der Kölner Agenturchef auch durch eine aktuelle Emnid-Umfrage unter Mitarbeitern der Deutschen Bank. Erstaunliches Ergebnis: Für rund 80 % der Angestellten ist Spaß an der Arbeit wichtiger, als Prämien in klingender Münze. Und das sagen Mitarbeiter eines Geldinstituts! Indirekt bestätigen sie damit eine der ungezählten Weisheiten des Fußballtrainer-Gurus Otto Rehhagel. In Anbetracht häufiger Diskrepanz zwischen astronomischen Spielergehältern und bescheidener Leistung konstatierte er einstmals süffisant: „Geld schießt keine Tore.“ CHRISTOF SCHÖSSLER

Von Christof Schössler

Stellenangebote im Bereich Technische Leitung

SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Leiter Technisches Büro Dresden (w/m/d) Dresden-Radebeul
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Leiter Technisches Büro Güstrow (w/m/d) Güstrow
Klöckner Pentaplast GmbH-Firmenlogo
Klöckner Pentaplast GmbH Leiter Technik (m/w/d) Montabaur
Flughafen München GmbH-Firmenlogo
Flughafen München GmbH Leiter (m/w/d) Stromnetzbetrieb München
Mecuris GmbH über heiden associates-Firmenlogo
Mecuris GmbH über heiden associates Geschäftsführer / Chief Executive Officer (m/w/d) – Digitale Medizintechnik München
Dr. Ing. Gössling Maschinenfabrik GmbH-Firmenlogo
Dr. Ing. Gössling Maschinenfabrik GmbH Technischer Geschäftsführer (m/w/d) Schermbeck
GAIA mbH-Firmenlogo
GAIA mbH Leiter für den Bereich Photovoltaik/ Sektorenkopplung (m/w/d) Lambsheim
BORSIG ZM Compression GmbH-Firmenlogo
BORSIG ZM Compression GmbH Leiter Technik (m/w/d) Getriebeturboverdichter Meerane
Fresenius Medical Care Deutschland GmbH-Firmenlogo
Fresenius Medical Care Deutschland GmbH (Senior) Team Lead (m/w/d) – Product Design/Requirements Engineering Bad Homburg
Carl Zeiss AG-Firmenlogo
Carl Zeiss AG Gruppenleiter Maschinenentwicklung (m/w/x) Oberkochen

Alle Technische Leitung Jobs

Top 5 Führung