Die Kunst zu führen

Woran Manager Klinsmann scheiterte  

Das Scheitern von Jürgen Klinsmann als Cheftrainer des FC BayernMünchen war absehbar. Denn der Ex-Fußballnationalspieler machte Fehler, die viele Führungskräfte in der Startphase begehen, meinen Unternehmensberater. VDI nachrichten, Düsseldorf, 15. 5. 09, ws

„Good bye, Klinsi“, „Bayern München zieht Reißleine“ – mit solchen Überschriften berichteten die Medien von Jürgen Klinsmanns Entlassung als Cheftrainer des deutschen Fußball-Rekordmeisters. Dabei kam der Abschied keineswegs überraschend. „Er war schon seit längerem absehbar“, sagt Unternehmensberater Georg Kraus aus Bruchsal.

Nicht wegen der blamablen Niederlagen gegen Wolfsburg und Barcelona. Auch nicht weil der Gewinn der Deutschen Meisterschaft immer unwahrscheinlicher wurde. Das alles hätten die Bayern-Bosse verkraftet. Bedrohlicher war, dass sich die Frage stellte: Kommen wir in die Champions League, die Eliteklasse des europäischen Fußballs?

„In dieser Situation musste die Führung des Vereins die Reißleine ziehen“, sagt Kraus. „Denn das Nicht-Erreichen der Deutschen Meisterschaft hätte zwar am Stolz des FC Bayern genagt – mehr aber nicht. Eine Spielzeit ohne Präsenz in der europäischen Königsklasse hingegen hätte den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens gefährdet. Da mussten die Lenker handeln.“

Doch warum ist Strahlemann Klinsmann bei den Münchnern gescheitert? Dass er Menschen motivieren kann, hatte er bei der WM 2006 bewiesen. „Damals war seine Funktion eine andere“, meint Klaus Kissel von der Unternehmensberatung ifsm. Als Nationaltrainer glich die Rolle Klinsmanns eher der eines Projektmanagers, der sich mit seinem Team regelmäßig trifft, um eine prestigeträchtige Sonderaufgabe zu erfüllen. Zu diesen Treffen eilten die Kicker gerne.

Nicht nur weil es für sie eine Auszeichnung war, zum Kreis der Auserwählten zu gehören. Auch die Aussicht, sich auf der Bühne WM weltweit zu präsentieren und ihren Marktwert zu steigern, lockte. Die Treffen waren willkommene Ausflüge aus dem zur Routine gewordenen Bundesliga-Alltag. Entsprechend leicht waren die Elite-Kicker zu motivieren.

Anders die Situation, als Klinsmann seinen Job als Bundesliga-Trainer antrat. Nun war Klinsmann nicht mehr als Projektmanager, sondern als Führungskraft gefragt. Das heißt, er traf sich fortan nicht mehr sporadisch, sondern Tag für Tag mit den Profi-Kickern und musste dafür sorgen, dass diese auch ihre „lästigen“ Alltagsaufgaben bestmöglich erfüllen. „Und hierbei ist er gescheitert“, konstatiert Unternehmensberater Peter Schreiber aus Ilsfeld. Seines Erachtens wurden die Weichen bereits früh in Richtung Misserfolg gestellt.

Anfang 2008, als es um die Frage ging, ob Klinsmann neuer Bayern-Trainer werden solle, präsentierte er der Vereinsführung sein Konzept, wie sich der deutsche Top-Club zu einem Spitzen-Club mit weltweiter Ausstrahlung entwickelt. Die Vereinsbosse waren begeistert.

Ein taktischer Fehler war laut Schreiber aber, bei Amtsantritt zu verkünden: Künftig machen wir alles anders! Denn wie musste das auf die altgedienten Mitarbeiter des FC Bayern wirken? In ihren Ohren klangen diese Aussagen wie folgt: „Bisher haben wir in den Augen unserer Chefs fast alles falsch gemacht. Und das obwohl, unser Verein tiefschwarze Zahlen schreibt und gerade Deutscher Meister sowie Pokalsieger wurde.“ Ähnlich musste Klinsmanns Aussage „Ich werde dafür sorgen, dass ihr jeden Tag etwas besser werdet“ auf die Spieler wirken.

Klüger wäre es gewesen, betont Kissel, am Anfang zu schweigen, wie es Felix Magath, zurzeit Trainer beim Tabellenführer aus Wolfsburg und künftig in Diensten des FC Schalke 04, vormacht. Klinsmann hätte zunächst einige Wochen die Mannschaft trainieren und sich mit den Abläufen beim FC Bayern vertraut machen sollen. Denn danach hätte er den Vereinsangestellten gegenüber besser begründen können, warum Änderungen nötig sind. Den Spielern hätte er präziser darlegen können, wo er bei ihnen Entwicklungspotenzial sieht.

Dass sie vorschnell Veränderungen verkünden, diesen Fehler begehen Führungskräfte oft in der Startphase, betont Markus Hornung von der Unternehmensberatung EQ Dynamics in München. Sie wollen Tatkraft beweisen. Dabei wäre es sinnvoller, am Anfang zu sagen: „Ich treffe in den ersten Wochen keine wegweisenden Entscheidungen. Ich schaue mir das Ganze erst mal an.“

Dies gilt insbesondere für Newcomer, die zuvor womöglich in einer anderen Branche gearbeitet haben. Oder wie Klinsmann bei seinem Amtsantritt noch nie Vereinstrainer waren. Denn ihnen treten die alten Hasen laut Kissel zunächst „abwartend skeptisch“ gegenüber – gemäß der Maxime: Der soll erst mal zeigen, was er kann.

Dies war auch bei Bayern München der Fall. Dort hatte Klinsmann von Anfang an Probleme, die Leitwölfe im Team als Mitstreiter zu gewinnen. Als seine Anweisungen nicht zum gewünschten Erfolg führten, gingen sie zunehmend auf Distanz. Dass die Leitwölfe nicht bedingungslos Klinsmann folgten, spürten auch die Jungstars. Deshalb hatte der Coach mit ihnen Autoritätsprobleme.

Das Einzige, was Klinsmann in dieser verfahrenen Situation hätte helfen können, wären Erfolge gewesen. Doch diese blieben aus. Deshalb hatte Klinsmann am Ende nur noch die zwei Möglichkeiten, sich das Scheitern einzugestehen oder sich in eine „Erfolgsrhetorik“ zu flüchten, erklärt Berater Kraus.

Klinsmann entschied sich für Letzteres. Nach jeder noch so schmerzhaften Niederlage betonte er, warum seine Arbeit trotzdem erfolgreich sei. Gebetsmühlenartig wiederholte er, in wenigen Wochen werde seine Mannschaft an der Spitze der Bundesligatabelle stehen. Doch weil seine Ankündigungen nie in Erfüllung gingen, muteten seine Argumentationen immer dünner an. Die Bayern-Bosse mussten eingestehen, dass das Projekt Klinsmann gescheitert war. Sie machten eine Rolle rückwärts. Anstelle des erfolglosen, aber trotz allem innovativen ehemaligen Nationalstürmers soll ein alter Haudegen der Branche retten, was zu retten ist. Und tatsächlich: Unter der Leitung von Interimstrainer Jupp Heynckes holten die Bayern aus den letzten drei Bundesligaspielen drei Siege.

Bleibt unter dem Strich die Frage: Ist das Scheitern Klinsmanns eine Absage an Innovationen? Sicher nicht. Nur ein Hinweis darauf, auf wie viele kleine Räder im großen Ganzen zu achten ist. BERNHARD KUNTZ

Von Bernhard Kuntz

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