Personalmanagement

Wo innovative Mitarbeiter Gehör finden

Die enge Einbeziehung von Mitarbeitern und Kunden hilft nicht nur bei der Gestaltung von Organisationsprozessen, sie fördert auch das Image. Diese Erfahrung haben auch drei technologie-orientierte Mittelständler gemacht, die vor wenigen Tagen in Berlin mit dem Qualitätssiegel „Top 100“ dekoriert wurden.

Die Innovationsfähigkeit von Unternehmen ist heute überlebenswichtig“, warnen dieser Tage immer wieder Wirtschaftsexperten mit erhobenem Zeigefinger. Ein Blick auf erfolgreiche mittelständische Unternehmen aus Deutschland beweist, dass es an ermutigenden Praxisbeispielen nicht mangelt.

„Wir haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht, unsere Angestellten als wichtige Innovationsquellen zu betrachten“, erzählt Michael Friemel, Geschäftsführer des Software-Unternehmens CSS GmbH aus Künzell. Die dortige Firmenleitung wendet drei Viertel ihrer Arbeitszeit für Innovationen auf und will mit einem kooperativen Führungsstil die Mitarbeiter zur aktiven Teilnahme am Innovationsprozess anspornen.

„Mittlerweile reichen über 60 % der 53 Mitarbeiter regelmäßig Verbesserungsvorschläge ein“, so Friemel. Diese werden in einer Ideenwerkstatt gesammelt und alle zwei Wochen auf einem Ideen-Board in der Firma veröffentlicht, damit sich jeder Mitarbeiter darüber informieren kann. In „Round-Table“-Sitzungen kommen interessierte Mitarbeiter und die Geschäftsführung zusammen, um ausgewählte Innovationsvorschläge zu diskutieren.

„Ein Vorschlag war zum Beispiel, das Urlaubs- und Weihnachtsgeld abzuschaffen und durch ein erfolgsorientiertes Lohnsystem zu ersetzen“, berichtet Friemel. So wurde eine transparente Formel ausgearbeitet, nach der das erfolgsorientierte Lohnsystem funktionieren könnte. „Nach nur drei Monaten hatten wir ein fertig entwickeltes System erstellt.“

Das Konzept wurde der gesamten Belegschaft vorgelegt und eine einjährige Testphase vereinbart, nach der jeder Mitarbeiter sein altes Gehalt und gleichzeitig die Informationen darüber erhält, wie viel er nach dem neuen Lohnsystem verdient hätte. „Nach einem Jahr werden wir gemeinsam mit den Mitarbeitern über die Einführung des neuen Systems entscheiden“, erläutert Friemel.

Für ihre Bemühungen, innerbetriebliche Innovationen zu unterstützen, wurde CSS vergangene Woche in Berlin mit dem TOP 100-Preis für „Innovationsförderndes Management“ ausgezeichnet.

Ein weiterer Preisträger des Wettbewerbs ist die Krüss GmbH aus Hamburg. Der Laborgerätespezialist beschäftigt 45 Mitarbeiter und gewann den Preis in der Kategorie „Innovationsprozesse“. „Unser Unternehmen ist zu klein, um selbst eine Forschungsabteilung betreiben zu können“, berichtet Geschäftsführer Alexander Bünz. Um bei der Entwicklung neuer Produkte aber nicht ins Hintertreffen zu geraten, setzt die Krüss GmbH verstärkt auf die Kooperation mit Universitäten und Instituten wie dem Fraunhofer-Institut, um von dort Patente zu erwerben.

Darüber hinaus hat sich das Unternehmen intern so organisiert, dass es für externe Innovatoren besonders attraktiv ist, Ideen mit Krüss zu vermarkten. „Die Ideen werden in einem eigens hierfür geschaffenen Gremium diskutiert“, erklärt Bünz. Das abteilungsübergreifend besetzte Gremium entscheidet darüber, welche Innovationen umgesetzt werden. Außerdem erstellte man eine Entwicklungs-Datenbank, auf die der Ideengeber jederzeit zugreifen und sich so genauestens über den Stand der Arbeit an seinem Produkt informieren kann. Eine Erfolgsbeteiligung und ein gemeinsam angemeldetes Patent machen die Kooperation für beide Seiten zu einer lohnenden Alternative.

„Wir stellen fest, dass es den Wissenschaftlern zunehmend Spaß macht, ihren Elfenbeinturm zu verlassen und sich damit zu beschäftigen, wie sie ihre Ideen verkaufen können“, erläutert der promovierte Ingenieur Bünz, „und genau darin sehen wir großes Potenzial für zukünftige Innovationen.“

„Verschiedene Wettbewerber aus einer Branche in ein Boot zu holen, um so von den unterschiedlichen Erfahrungen zu profitieren, hat sich für die Entwicklung unserer Software-Systeme als sehr sinnvoll herausgestellt“, lautet das Credo von Helmut Benefader, Geschäftsführer der Gesellschaft für Warenwirtschafts-Systeme (GWS) aus Münster. Auf diese Weise gelingt es dem Unternehmen, in Arbeitskreisen aus eigenen Mitarbeitern und Kundenvertretern zu kundennahen Lösungen zu kommen.

Die GWS entwickelt unter anderem Softwarelösungen für den technischen und den Lebensmittel-Großhandel. „Die Ergebnisse unserer Arbeit werden immer vor dem Hintergrund bewertet, ob sie auch für die gesamte Branche von Bedeutung sind“, sagt Benefader. Die Nähe zu den Auftraggebern wird noch zusätzlich dadurch gefördert, dass jeder Kunde über eine Förder- und Beteiligungsgesellschaft Gesellschafter des Unternehmens wird und somit unmittelbaren Einfluss auf die Geschäftspolitik nehmen kann.

Den Erfolg solcher innovativen Kooperationen bestätigt eine aktuelle Studie der Wirtschaftsuniversität Wien, die im Rahmen der jährlichen Vergleichsstudie TOP 100 durchgeführt wurde: „Eine konsequente Ausrichtung des Unternehmens auf das Innovationsziel kann dieses zwar nicht auf Knopfdruck herbeiführen, die Wahrscheinlichkeit von Innovationen jedoch deutlich erhöhen“, weiß Studienleiter Nikolaus Franke.

Sollten Innovationsmodelle wie diese Schule machen, könnte aus dem drohenden Zeigefinger der Wirtschaftsexperten bald eine geballte Faust werden: mit dem Daumen nach oben. CHRISTOPH GABLER

Buchtipp: Späth, Lothar (Hrsg.): „TOP 100 2005 – Ausgezeichnete Innovatoren im deutschen Mittelstand“, Redline Wirtschaft, Frankfurt August 2005, ca. 180 S., 19,90 €.

Die Top-Arbeitgeber im Mittelstand

Einmal im Jahr erstellt Nikolaus Franke von der Wirtschaftsuniversität Wien eine Studie über die 100 innovativsten Unternehmen. Von bundesweit rund 1750 interessierten mittelständischen Unternehmen reichten in diesem Jahr 192 ihre Bewerbung ein. Die Vergleichsstudie misst die Innovationskraft mittelständischer Unternehmen anhand von vier Bereichen: innovative Prozesse und Organisation, Innovationsklima, Innovationsmarketing sowie innovationsförderndes Top-Management. Mit der Von Ardenne Anlagentechnik GmbH aus Dresden gewann erstmals in der zwölfjährigen TOP 100-Geschichte eine Firma aus den neuen Bundesländern. Das Benchmarkingprojekt TOP 100 startet Mitte September erneut, Bewerbungsschluss ist der 30. November. CG

Von Christoph Gabler

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