Personalmanagement 04.04.2003, 18:24 Uhr

Wo die Filter-Fallen lauern

Schließlich zielen zahlreiche Unternehmen darauf, über das Formular ungeeignete Bewerber schließlich preiswert auszufiltern. Damit Sie nicht durch das Raster fallen, sollten Sie etwas Grips in die Ausarbeitung Ihrer Leistungsdaten stecken. Oder doch lieber andere Bewerbungs-Wege gehen.

Nur drei Stunden nach dem Absenden des Formulars war die Absage da. Für den Projektleiter schien damit der lang gehegte Traum vom Einstieg beim Branchenprimus erst einmal zerstoben. Was blieb, war Ärger und ungläubiges Kopfschütteln: „In dieser Zeit können die meine Bewerbung doch gar nicht richtig gelesen haben!“
Kein Einzelfall: Zwar verschwinden Online-Bewerbungen inzwischen nur noch selten im Bermuda-Dreieck eines schlecht vernetzten Back-Offices. Dafür reagieren Firmen, die ihre Online-Formulare perfekt in den Auswahlprozess integriert haben, immer öfter erstaunlich schnell. Vor allem mit dem Verschicken von Absagen – per E-Mail versteht sich.
Rund zwei Drittel aller Bewerber filtern Personalreferenten, oft mit Hilfe einer Software, auf diese Weise heraus. In Zeiten, wo 100 und mehr Bewerbungen pro Inserat an der Tagesordnung sind, spart das eine Menge Porto und Personal. Ein Pluspunkt für die Unternehmen – aber: Sollten Sie sich als Bewerber auf solche Spar-Bewerbungen einlassen?
Manche Unternehmen, etwa IT-Firmen wie Hewlett Packard, lassen Ihnen gar keine andere Wahl. Der jüngst um Compaq erweiterte Großkonzern verarbeitet Bewerbungen elektronisch. Postbewerbungen sind deshalb ungern gesehen. Es empfiehlt sich, solche Präferenzen des Unternehmens zu berücksichtigen. Schließlich sollte eine Bewerbung auf keinen Fall verärgern – und schon gar nicht, weil sie zusätzliche Arbeit bereitet.
Meist lassen sich aus dem Stelleninserat bereits Indizien entnehmen, in welcher Form die Bewerbung gewünscht und mitunter auch bevorzugt wird. „Bitte bewerben Sie sich ausschließlich über unser Online-Formular“ ist eine klare Ansage. Einen anderen Weg sollten Sie nur einschlagen, wenn ein persönlicher Kontakt besteht und Sie den abweichenden Bewerbungsweg auch vereinbart haben.
Abwägen heißt es dagegen, wenn alle Möglichkeiten offen scheinen, weil gleichzeitig Postanschrift, persönliche E-Mail-Adresse des Personalers und der Link auf ein Formular angegeben sind. Dann heißt es, auch den Stellenmarkt nach Anhaltspunkten zu durchforsten: Manchmal finden sich dort Bewerbungstipps offen formuliert, häufig aber auch zwischen den Zeilen.
Ein Beispiel: Die Aufmachung des Stellenmarktes der Firma Bosch deutet darauf hin, dass Postbewerbungen bevorzugt werden. So bleibt offen, wie das Unternehmen online eingesandte Initiativbewerbungen bearbeitet, denn es existiert keine zentrale Personalabteilung (Eigenaussage). Sollte eine Art zwischengeschalteter Verteiler existieren, bedeutet dies für Sie einen weiteren Filter. Konsequenz: Finger weg und besser auf Bewerbungsadressen zurückgreifen.
Wie ausgereift ist das Online-Formular? Auch dies ist ein Punkt, den Sie beachten sollten. Nicht nur, dass die Bedienung der Bewerbungs-Software für Sie zur Geduldsprobe ausarten kann, wenn der erste Absturz schon nach dem Eintragen des Namens erfolgt. Oft bleibt zu Recht Misstrauen, ob das ehrgeizige IT-Software-Projekt die Bewerbung auch wirklich in die Personalabteilung befördert oder lediglich in eine kaum benutzte Datenbank…
Ist kein eindeutiger Hinweis und auch kein namentlicher Ansprechpartner zu finden, hilft ein Anruf. Bei dieser Gelegenheit lassen sich auch die persönlichen Einstellungen des Personalreferenten zum Thema Online- oder Postbewerbung erfragen. Diese können sich nämlich von offiziellen strategischen Bekundungen auf der Webseite unterscheiden. Sehr häufig offenbart sich im Dialog eine Affinität zum Papier, manchmal aber auch zur E-Mail.
Indes: Aller Kritik zum Trotz können Online-Bewerbungsformulare für den Bewerber eine gute Möglichkeit sein, schnell abzufragen, ob sich die Bewerbung überhaupt lohnt. Dabei gilt es, die „Leistungsdaten“ so aussagekräftig und konkret wie möglich zu gestalten. Halten Sie sich Ihren Lebenslauf und einen Auto-Katalog vor Augen („2,0 Liter Hubraum, 110 kW, 3250 min-1, maximales Drehmoment von 200 Nm“). Ähnlich konkret sollten Sie sein, ohne sich allerdings zu sehr in Fachchinesisch zu ergehen. W-Fragen helfen bei der Konkretisierung von Angaben: Wie lange? Wie viel, wie umfangreich und intensiv? Und: Mit welchem Ergebnis?
Angeführte Erfolge und ausgeschriebene Stelle sollten zusammenpassen. Sucht ein Unternehmen einen Bauingenieur, der „die Kosten voll im Griff“ hat, liegt wahrscheinlich jener Bewerber im Rennen, der bei seinem Arbeitgeber durch einen Maßnahmenkatalog die Kosten um 20 % senken konnte – und dies auch betont.
Da Online-Bewerbungen oft elektronisch ausgewertet werden, kann es zudem sinnvoll sein, vergleichbare Qualifikationen ebenfalls aufzulisten – beispielsweise in Klammern. Es wäre doch schade, wenn Sie durchfallen, weil Sie C# (C sharp)-Kenntnisse angeführt haben, aber (vergleichbare) C++ mitbringen sollten. In der Regel können weder Softwareprogramme noch fachfremde Personalreferenten Analogien ziehen und Qualifikationen gewichten, die so nicht im Stellenprofil zu finden sind.
Was indes über die reine Faktensammlung hinausgeht, ist in einem Online-Formular viel schwerer an den Personalmann zu bringen als in einer Postbewerbung. „Eine Online-Bewerbung hat weder Geschmack noch Geruch“, bringt es der Frankfurter Karriereberater Hermann Refisch auf den Punkt.
Selbst die E-Mail-Bewerbung bietet gegenüber dem standardisierten Formular noch vergleichsweise vielfältige Möglichkeiten der Selbstpräsentation. Zudem lässt sich durch persönliche Ansprache und Gestaltung die E-Mail individualisieren, geben PDF-Unterlagen das Bild einer Postbewerbung nahezu Eins-zu-Eins wieder. Allein das haptische Erlebnis fehlt. Und mitunter der Hauch von Parfum oder After Shave …
Wenn Sie indes die Gelegenheit haben, Ihre Bewerbung persönlich zu übergeben – beispielsweise auf einer Messe – nutzen Sie diese! Selbst, wenn Sie „online“ schon einmal durchgefallen sind. Erhalten Sie dann nach einer wahrscheinlich gründlichen Prüfung eine Absage, haben Sie wenigstens Klarheit. Und wenn nicht, können der Personaler und Sie gemeinsam über die Software-Auswahl schmunzeln …
SVENJA HOFERT

Ein Beitrag von:

  • Svenja Hofert

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