Management 14.09.2007, 19:30 Uhr

„Wir schaffen uns die Märkte selbst“  

Willi Illbruck gewann 1983 und 1993 mit seinen Pinta-Yachten den Admiral´s Cup. Rund um das Thema Akustik baute er gleichzeitig eine Unternehmensgruppe auf. Sein Sohn Michael, ebenfalls ein erfolgreicher Segler und Gewinner des Volvo Ocean Race, wagte 2004 mit Teilen der früheren Illbruck GmbH in seiner Holding einen Neustart. Seit Mai 2007 heißt sie Pinta Elements. Fragen an den Unternehmer.

Illbruck: Alles – auch wenn es ja durchaus viele positive Beispiele für solche Beteiligungsgesellschaften gibt! Aber unsere Unternehmen haben mit der Akustik einen gemeinsamen technologischen Schwerpunkt.

Außerdem verfolgen wir als Familienunternehmen langfristige Ziele. Wir haben eine intensive Beziehung zu unseren Mitarbeitern, zu unseren Kunden. Ich bin Unternehmer und kein Firmenverwalter, der sich einmal im Monat die aktuellen Geschäftszahlen vorlegen lässt.

VDI nachrichten: Zu Ihrer Gruppe gehören zurzeit sieben Gesellschaften in Europa und den USA. Wo wollen Sie mit Pinta Elements in fünf Jahren stehen?

Illbruck: Bis 2011 möchten wir den Umsatz von derzeit gut 50 Mio. € verdoppeln und gleichzeitig das jetzige Ertragsniveau prozentual halten.

VDI nachrichten: Wie schaffen Sie den Umsatzsprung?

Illbruck: Wir setzen primär auf organisches Wachstum. In den Firmen, die wir jetzt dazu bekommen haben, steckt enormes Potenzial. Wir schaffen uns die Märkte selbst – vor allem durch Innovationen. Es gibt Dutzende von tollen Produktideen…

VDI nachrichten: Zum Beispiel?

Illbruck: Im Schiffbau entwickeln wir etwa Produkte, die nicht nur Schall absorbieren sondern auch angenehme Gerüche verbreiten.

Ein ganz wichtiger Trend besteht auch darin, Akustik und Design miteinander zu verbinden. Etwa in der Raumgestaltung. Unser Ziel ist es, Räume zu kreieren, in denen sich die Menschen wohlfühlen.

VDI nachrichten: Das klingt, als wollten Sie auf der Wellness-Welle mitschwimmen…

Illbruck: Nein, das ist kein Modethema. In Gebäuden dominieren heute harte Oberflächen aus Beton, Holz oder Glas. Das ist architektonisch aufregend aber schlecht für die Hörsamkeit und das Wohlbefinden. Unsere Produkte, wie etwa akustische Deckensegel, sorgen für bessere Raumakustik. Wir integrieren außerdem weitere Funktionen in unsere Schallschutzelemente, wie etwa die Wärmespeicherung.

VDI nachrichten: Nach einer aktuellen Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz leidet jeder fünfte Deutsche unter Lärm an seinem Arbeitsplatz. Wird die Akustik von Architekten und Bauherren unterschätzt?

Illbruck: Ja, die Bauakustik wird vielfach stiefmütterlich behandelt. Licht und Farben stehen bei der Raumgestaltung oft im Vordergrund. Wir wollen natürlich auch für das Thema sensibilisieren. So arbeiten wir zum Beispiel auch eng mit dem Fraunhofer-Institut beim Projekt Büro der Zukunft zusammen.

VDI nachrichten: Weitere Firmenübernahmen sind also nicht geplant, weil Sie auch aus eigener Kraft schnell wachsen können?

Illbruck: Da gibt es kein Entweder Oder. Auch Zukäufe sind möglich. Wir schauen uns Ergänzungen an in Holland, in Frankreich, in den USA. Im Fokus haben wir vor allem Firmen, die in der Installation und Montage tätig sind. Der Service rund um die Akustik wird immer wichtiger¿

VDI nachrichten: …auch weil bei Serviceleistungen die Rendite höher ist als im Produktgeschäft?

Illbruck: Tendenziell ist das richtig. Aber Dienstleistungen verbessern natürlich auch unsere Position beim Kunden. Wir können den Kontakt intensivieren, wenn wir das Produkt über den gesamten Lebenszyklus begleiten.

VDI nachrichten: Wie arbeiten Ihre Unternehmen beim Thema Innovation zusammen?

Illbruck: Wir sind komplett dezentral organisiert, das heißt die einzelnen Gesellschaften sind auch für Neuentwicklungen selbst zuständig.

VDI nachrichten: Auf Synergien innerhalb des Konzerns legen Sie keinen Wert?

Illbruck: Ehrlich gesagt, ich kann das Gerede von den Synergien nicht mehr hören. Da wird viel Schaum geschlagen. Aber sicher versuchen auch wir unser Know-how zu bündeln, wo es passt. Wir haben in der Holding einen Chief Engineer, der dafür sorgt, dass die Prozesse in den Werken auf dem neuesten organisatorischen und technischen Stand sind. Wir beschäftigen einen Innovation-Manager, der die F&E-Prozesse begleitet und firmenübergreifende Projekte aufsetzt. Außerdem bauen wir ein Intranet auf, das den Austausch innerhalb der Gruppe erleichtert. Und ich bin auch persönlich bei vielen einzelnen Innovationsmeetings mit dabei.

VDI nachrichten: Rund ein Drittel Ihres Umsatzes machen Sie bereits im Schiffbau. Wollen Sie die Gruppe künftig noch stärker auf diesen Markt ausrichten, indem Sie ja auch als Sport-Sponsor aktiv sind?

Illbruck: Der Anteil des Schiffbaus wird leicht zunehmen. Das ist ein absoluter Wachstumsmarkt, nicht nur in Europa und den USA sondern auch in Asien. Wir sind schon jetzt Lieferant bei namhaften Yacht-Werften und wollen diese Position weiter ausbauen…

VDI nachrichten: …wobei die sportlichen Erfolge Ihrer Familie vermutlich die beste Empfehlung sind.

Illbruck: Das öffnet uns Türen. Aber es erhöht natürlich auch die Fallhöhe. Wenn wir unsere Hausaufgaben nicht machen und schlechte Qualität liefern, ist das tödlich.

VDI nachrichten: Auch in Ihren Unternehmensgrundsätzen beziehen Sie sich immer wieder auf den Segelsport. „Desire to win“ lautet das Credo. Jeder Mitarbeiter ein Hochleistungssportler?

Illbruck: Die Werte des Segelsports prägen in der Tat unsere Unternehmenskultur. Wer an einer Regatta teilnimmt will gewinnen – und nicht nur um die Tonnen herumkommen. Wir machen da schon ganz schön PS…

VDI nachrichten: Klingt ziemlich schneidig. Wer 50 ist und keine Topleistung mehr bringt fliegt von Bord?

Illbruck: Völliger Unsinn, fliegen tut überhaupt keiner. Und wenn Sie auf das Alter anspielen: Diesen Jugendwahn finde ich schrecklich. Mit die besten Leute, die wir haben, sind an die sechzig oder über sechzig. Es gibt unglaublich fähige, motivierte ältere Mitarbeiter. Richtig ist aber, dass wir einen hohen Anspruch an Zuverlässigkeit, Teamgeist und vor allem Freundlichkeit und Weltoffenheit haben – und zwar sowohl im Umgang untereinander als auch im Kontakt zu Kunden. Jedem muss klar sein, dass wir nicht alleine unterwegs sind, dass es Wettbewerber gibt, die sich auch anstrengen.

VDI nachrichten: Aber nicht jeder Ihrer Leute brennt so für die Firma wie Sie als Unternehmer. Führt der Leistungsdruck nicht zur Überforderung?

Illbruck: Nein, die Leute sollen sich wohlfühlen bei uns. Deshalb muss man schon aufpassen, dass die Führungsmannschaft nicht zu weit vorprescht. Sonst kommt die Belegschaft nicht mehr hinterher. Dann muss man auch mal Tempo rausnehmen. Aber ohne Ehrgeiz geht es eben nicht. Das gilt in der Wirtschaft wie im Sport. Denken Sie an die Fußball-WM im vergangenen Jahr. Da sind wir Dritter geworden – und trotzdem lag sich das ganze Land in den Armen, weil sich die Jungs das Herz rausgerissen haben, um zu gewinnen. Dieser Geist muss da sein.

VDI nachrichten: Profitieren auch die Mitarbeiter vom Erfolg der Firma?

Illbruck: Selbstverständlich, wir haben ein klar strukturiertes Bonussystem für alle Beschäftigten. Das wird in allen Firmen eingeführt, die wir übernehmen. PETER SCHWARZ

Ein Beitrag von:

  • Peter Schwarz

    Ressortleiter Wirtschaft bei VDI nachrichten. Fachthemen: Wirtschaftspolitik, Konjunktur, Unternehmen.

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