Management

„Wir wollten unsere Ressourcen bündeln“

VDI nachrichten, Heidelberg, 30. 4. 04 -Die Heidelberger Druckmaschinen AG, weltgrößter Druckmaschinenproduzent und Mitglied im World Engineering Index WEIX, bereinigte sein Portfolio. Digital- und Rollendruck müssen weichen. Vorstandschef Bernhard Schreier erklärt in den VDI nachrichten die Neuausrichtung.

VDI nachrichten: Herr Schreier, Heidelberg gibt den Digitaldruck an Kodak ab, beim Rollendruck übernimmt Goss die Hauptrolle. Bleibt als einziger Verlustbringer noch die Weiterverarbeitung, der Postpressbereich? Wie geht es weiter?
Bernhard Schreier: Heidelberg fokussiert sich auf die Wertschöpfungskette um den Bogenoffset, von der Vorstufe bis zur Nachverarbeitung einschließlich digitaler Workflow und Service. Mit diesen Aktivitäten werden wir in diesem Geschäftsjahr* wieder profitabel sein. Auch der Bereich Postpress wird in diesem Geschäftsjahr positiv werden.
Aber es ging nicht nur darum, Verlustbringer abzugeben. Bei den Entscheidungen zum Digital- und Rollendruck war uns auch wichtig, unsere Ressourcen zu bündeln. Wenn wir auch in der Zukunft weiterhin Ressourcen an Management und Finanzen aufwenden müssten, um z. B. eine breite Palette im Digitalbereich zu entwickeln, dann hätte wir eben diese Ressourcen nicht zur Verfügung, um sie in die Kernbereiche hineinzustecken, die für uns im Moment wichtiger und profitabler sind. Das ist auf jeden Fall der Bogen-Offset-Bereich als unser Kerngeschäft.
VDI nachrichten: Bislang hieß es bei Heidelberg: alles aus einer Hand. Was ist die neue Message?
Schreier: Die neue Message ist: Heidelberg konzentriert sich auf die Lösungen, die die Mehrzahl der Kunden benötigt und bietet diese in einem weit größeren Umfang, als wir das als diversifiziertes Unternehmen in der Vergangenheit tun konnten.
VDI nachrichten: Und die anderen Kunden gucken in die Röhre?
Schreier: Nein. Für die Kunden im Rollmaschinenbereich versucht Heidelberg das gesamte Produktportfolioaufrechtzuerhalten , indem wir die Geschäfte mit einem anderen Hersteller zusammenlegen, und zwar mit Goss. Goss hat sich verpflichtet, dieses Produktangebot weiterzuführen. Damit geben wir unsere Kunden in professionelle Hände.
Der Digitalbereich hat sich anders entwickelt als wir uns das ursprünglich vorgestellt haben. Er wächst zwar weiterhin, fast in den Zuwachsraten, wie wir sie erwartet haben. Nur – die Produktsegmente, die benötigt werden, sind eher die niedrigvolumigen Geräte, die wir jedoch nicht in unserem Angebotsportfolio hatten. Den Digitaldruck haben wir vollständig in die Hände unseres langjährigen Jointventure-Partners Kodak gegeben, dessen deklarierte Strategie es ist, dass diese Produktfamilie ausgeweitet wird, um der Marktentwicklung Rechnung zu tragen.
VDI nachrichten: Baut Heidelberg Ingenieursstellen ab?
Schreier: Wir gehen heute davon aus, dass wir ungefähr 50 unserer insgesamt 1200 Ingenieursstellen abbauen – ein relativ moderater Wert gegenüber den Abbauzahlen in allen anderen Bereichen. Wir gehen nicht davon aus, dass unsere F&E-Aktivitäten davon besonders betroffen sind. Wir müssen einige Dinge effizienter gestalten.
Wozu wir uns noch nicht entschieden haben, ist eine Kapazitätsreduzierung. Wir fahren noch Kurzarbeit in bestimmten Bereichen. Wir haben eine klare Vereinbarung mit dem Betriebsrat, dass wir das direkt nach der Drupa analysieren. Dann können wir besser abschätzen, wie das Geschäft läuft und wie die Auslastung für die nächsten zwei Jahre ungefähr aussehen wird.
VDI nachrichten: Was für eine Zielmarke für die Auslastung haben Sie, damit Sie in der Produktion die Kurzarbeit zurückfahren können?
Schreier: Wir gehen davon aus, dass etwa zwischen 30 % und 40 % der Auftragseingänge des Gesamtgeschäftsjahres im Drupa-Zeitraum – also im 1. Geschäftsquartal – anfallen. Üblich sind 25 %. Im Drupa-Jahr wären 30 % die Untergrenze. Wenn wir uns in diesem Korridor bewegen, sind wir auf einem guten Weg. Wenn wir uns nicht in diesem Korridor bewegen, dann werden wir sagen: Die Auslastung ist zu gering.
VDI nachrichten: Haben Sie noch einen Bedarf an Ingenieuren und wie sieht der aus?
Schreier: Wir haben zurzeit keinen akuten Bedarf. Wo wir im Moment noch Bedarf haben, sind Applikationsmanager, Spezialisten, die sich im Ablauf des Druckens, vom Dateneingang bis zum fertigen Produkt auskennen. Diese Mitarbeiter müssen beim Kunden vor Ort analysieren können, wie der Bedarf aussieht und ihn dann beraten können. Diese Art von qualifizierten Leuten, die gesamte Prozessstränge mit überblicken – davon würde ich heute direkt 20 bis 30 einstellen.
VDI nachrichten: Was ist so schwierig daran, diese Leute zu finden? Sind sie zu teuer?
Schreier: Die gibt es nicht. Die muss man selbst ausbilden. Deshalb brauchen wir einige Mitarbeiter, die wir aus der Entwicklung oder aus den Vertriebsorganisationen rausziehen, damit sie sich diese Qualifikationen aneignen.
VDI nachrichten: Es ist viel die Rede von der Verlagerung von F&E-Tätigkeiten ins Ausland, vor allem bei der Software. Schließen Sie sich dem Trend an?
Schreier: Wir müssen mit den Mitarbeitern nah am Markt sein, nah an den Bedürfnissen, nah an der Druckmaschine, nah an der übergeordneten Stelle in der Druckerei sein. Das geht nur, wenn die verschiedenen Funktionen bei uns im Unternehmen Hand in Hand arbeiten. Deshalb sitzen auch die Softwareleute bei uns hier in Heidelberg oder in Kiel.
Wir lassen auch teilweise im Ausland Software entwickeln. Aber wir haben keine großen Pakete, die man nach Indien geben könnte. Der Transfer der Information ist aufwendig. Bis das alles gemanagt worden wäre, haben die Leute es auch hier entwickelt.
VDI nachrichten: Wo liegt heute noch das Innovationspotenzial beim Druckmaschinenbau?
Schreier: Die drei großen Druckmaschinenhersteller sind alle auf einem relativ hohen, stabilen, qualitativ sicheren und von der Zuverlässigkeit der Maschine recht stabilen Niveau. Da geht es in Summe darum, wer die größten Vorteile bei Kosten, Qualität und Produktivität und einen besseren Zugang zu den Entscheidungsträgern hat.
Wenn Sie jetzt aber fragen: „Wo differenziert man sich in Zukunft?“, dann wird es das „Wie“ sein: Wie kann ich aus dem Gesamtproduktangebot, was ich habe, für den Kunden am meisten Wertschöpfung erzeugen. Unglücklicherweise ist diese Optimierung nicht so visibel wie ein neuer Zusatzmotor. Diese unsichtbaren Werte zu vermitteln, den Nutzen von Software zum Beispiel, das ist schwierig und eine unserer Hauptherausforderungen der Zukunft.
VDI nachrichten: Welche Rolle spielt das Konstruktionswesen in Zukunft?
Schreier: Technische Elemente gibt es allemal und ständig zu verbessern. Wenn heute eine Maschine rund 15 000 Bogen/h läuft, und die vom Wettbewerb läuft schneller, können wir nicht bei 15 000 stehen bleiben. Also müssen die Entwickler ran. Nur: Die zusätzliche Wertschöpfung für den Kunden ist relativ gesehen nicht so hoch. Das, was ich im Gesamtpaket für den Kunden optimieren kann, das sind gleich 10 %, 20 % oder mehr Prozent der Kosten, die er heute hat.
VDI nachrichten: Was erwarten Sie von der Drupa, Herr Schreier?
Schreier: Also, ich erwarte mir einen Schub für die Branche. Was ich mir nicht erwarte, ist eine Explosion an Aufträgen. Die Leute kommen diesmal nicht mit gefüllten Taschen auf die Messe, sondern eher mit einem reduzierten Geldbeutel und sagen: „Wenn es etwas Neues gibt, dass mir jetzt weiterhilft, investiere ich jetzt auch.“
STEPHAN W. EDER
*Das Geschäftsjahr beginnt am 1. April

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