Management

„Wir profitieren vom Bedarf an optimierten Dieseleinspritz-Systemen“  

Anfang 2004 ist Eduard Rikli als neuer Vorstandsvorsitzender zum schweizerischen Anlagenbauer Mikron gekommen, um den Konzern aus der Krise zu führen. Die Rückkehr in die Gewinnzone ist gelungen, auch durch den Verkauf unprofitabler Bereiche. Wie geht es nun weiter? Fragen den Mikron-Chef.

VDI nachrichten: Herr Dr. Rikli, Sie haben das Vorstandsamt in einer Zeit des Umbruchs und der Turbulenzen angetreten. Wie haben Sie das Vertrauen der Kunden zurückgewonnen?

Rikli: Persönlich habe ich wichtige Schlüsselkunden besucht. Daneben habe ich darauf geachtet, dass die Kundenorientierung im Zentrum unserer Aktivitäten war. Diese Ausrichtung wird übrigens weiterhin ganz oben auf unserer Prioritätenliste bleiben.

VDI nachrichten: Wie wird sie für den Kunden erkennbar?

Rikli: Wir achten heute stärker darauf als in der Vergangenheit, dass sich der Kunde über die ganze Projektdauer, also vom Erstkontakt über die Auslieferung eines Produkts bis zum Service, gut aufgehoben fühlt und für sein Geld die entsprechende Leistung bekommt.

VDI nachrichten: Weshalb sollten Kunden trotz höherer Preise bei Mikron kaufen?

Rikli: Wir bieten Lösungen, bei denen unsere Kunden für einen gegebenen Preis oft die bessere Leistung erhalten als bei einem Konkurrenten.

Es geht ja darum, die Stückkosten pro gefertigte oder montierte Einheit möglichst niedrig zu halten. Das führt dazu, dass die Bearbeitungs- respektive Montagezeiten bei einem gegebenen Investitionsbetrag möglichst kurz sein müssen.

VDI nachrichten: Mikron konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr sowohl Bestelleingang wie auch Umsatz steigern, wobei der Bereich Komponenten jedoch rote Zahlen schrieb. Wie sind die Aussichten für 2005?

Rikli: Die beiden Bereiche Bearbeitungs- und Montagesysteme starteten im Vergleich zum Vorjahr mit einem erfreulichen Auftragsbestand, weshalb wir hier ein gutes Volumen erwarten. Bei den Komponenten haben wir im vergangenen Jahr viel aufgewändet, um die Aktivitäten operativ voranzubringen. Mit diesen Anstrengungen haben wir die Voraussetzungen für eine nachhaltige Verbesserung des Resultats geschaffen. Das Marktumfeld dürfte sich 2005 weiterhin günstig darstellen. Wir rechnen mit einer weiteren Zunahme der Volumina und erwarten ein positives Betriebsergebnis.

VDI nachrichten: Seit Mitte 2003 hält eine Kerninvestorengruppe drei Viertel der Mikron-Aktien. Besteht die Möglichkeit, dass diese Gruppe ihr Paket an einen strategischen Investor überträgt?

Rikli: Die Kerninvestoren sind mit einem Aktionärsbindungsvertrag mittelfristig gebunden. Im Moment macht die Übertragung dieses Gesamtpakets an einen Einzelinvestor keinen Sinn.

VDI nachrichten: Wie weit ist die strategische Neuausrichtung bei Mikron umgesetzt?

Rikli: Ein wichtiges Thema im vergangenen Jahr war die Portfolio-Bereinigung. Mit dem Verkauf des Formenbauers Axxicon und der Beteiligung der BaldaMikron aus dem Telekom-Bereich haben wir unsere Aktivitäten von fünf auf drei reduziert. Mikron besteht nun aus den Teilen Bearbeitungs- und Montagesysteme – beides Investitionsgütergeschäfte mit Projektcharakter – und dem Komponentengeschäft, bei dem Kunststoffteile produziert werden.

VDI nachrichten: Trennen Sie sich auch vom Bereich Komponenten?

Rikli: Wir haben sehr vieles unternommen, um diesen Bereich wieder auf Kurs zu bringen. Damit haben wir Randbedingungen geschaffen, um in 2005 den Break-even-Punkt zu erreichen. Das ist unser Ziel.

VDI nachrichten: Weiter blickt man nicht?

Rikli: Beurteilungen werden laufend vorgenommen. Aber es ist angezeigt, dass wir die hohen Anstrengungen 2005 konsequent weiterführen und zu einem Abschluss bringen.

VDI nachrichten: Wo und wie soll Mikron künftig Geld verdienen?

Rikli: Es gibt etliche Industriebereiche, die von einer zunehmenden Miniaturisierung geprägt sind. Für diesen Trend werden wir Lösungen und Systeme im Bereich Fertigung und Montage suchen und entwickeln.

VDI nachrichten: In welchen Bereichen sehen Sie das größte Wachstumspotenzial?

Rikli: Im Moment konzentrieren wir uns auf die Schlüsselsegmente Automotive sowie Medical / Personal Care. Diese verzeichneten in den letzten Jahren ein stetiges Wachstum, das auch eine erhöhte Nachfrage nach unseren Maschinen erzeugt. Als Zulieferer der Autoindustrie profitieren wir zum Beispiel vom steigenden Bedarf nach neuartigen, schadstoffoptimierten Benzin- und Dieseleinspritzsystemen, die auf Mikron-Anlagen hergestellt werden.

VDI nachrichten: Für viele Ihrer Kunden ist „First-to-market“ mit immer kürzeren Innovationszyklen ein wichtiger Erfolgsfaktor. Was bedeutet das für Mikron?

Rikli: Wir haben durchweg Kunden, die sehr hohe Stückzahlen benötigen. Deswegen müssen wir in einen Entwicklungsprozess sehr früh eingebunden werden, damit der Kunde bei der Markteinführung eines Produkts seine Teile hat. Das führt bei Investitionsgütern zu einem Projektgeschäft mit hohem Termindruck.

VDI nachrichten: Wohin bewegt sich Mikron technologisch?

Rikli: Es ist so, dass sehr produktive Systeme wenig flexibel sind oder umgekehrt, dass flexible Systeme wenig produktiv sind. Die Entwicklungsstoßrichtung geht deshalb dahin, die Flexibilität bei unseren Systemen ohne Einbußen bei der Produktivität zu vergrößern.

VDI nachrichten: Bleibt Deutschland einer der wichtigsten Märkte für Sie?

Rikli: Ja, Deutschland und Europa insgesamt wird wichtig für uns bleiben. Allerdings sehen wir in Europa eine Verlagerung von West nach Ost. So fertigen wir seit einiger Zeit in Tschechien für Black & Decker. Seit Ende 2004 ist dieser Standort auch für weitere Applikationen zertifiziert. Zusätzlich sehen wir einen Ausbau der Märkte in Asien.

VDI nachrichten: Ist China nur „verlängerte Werkbank“ oder auch Zukunftsmarkt?

Rikli: Die Mehrzahl unserer Kunden betrachtet China primär als Zukunftsmarkt, was auch auf uns zutrifft.

VDI nachrichten: Sind denn die Produktionsstandorte in Europa und USA wettbewerbsfähig oder müsste eine Verlagerung in den asiatischen Raum in Betracht gezogen werden?

Rikli: Wettbewerbsfähigkeit ist nur ein Faktor. Das Marktpotenzial ist ein anderer. Und mit unserer Positionierung mit sechs Standorten in Europa sind wir tatsächlich nur noch zum Teil beim Potenzial der Märkte von morgen.

ANDRÉ SCHÄPPI

Mikron im Überblick

Mikron ist weltweit als Entwickler und Zulieferer von kundenspezifischen Anlagen und Komponenten für die Hochvolumenproduktion tätig. Hauptabnehmer sind Auto- und Medizintechnikindustrie sowie die Branchen Bürogeräte und Consumer Electronics. Mikron beschäftigt 1700 Mitarbeiter. Der Umsatz lag 2004 bei 332 Mio. CHF, der Gewinn bei 0,5 Mio CHF. Produziert wird in Europa, USA und China. Seit 2003 ist der Konzern mehrheitlich im Besitz einer Kerninvestorengruppe, die vertraglich bis 2008 an Mikron gebunden ist.asc

Eduard Rikli

Der 53-Jährige Eduard Rikli ist seit Anfang 2004 Vorstandschef der Mikron-Gruppe mit Sitz in Biel. Der promovierte Maschinenbau-Ingenieur (ETH) ist verheiratet und hat drei Kinder. Nach einer Tätigkeit bei Oerlikon-Bürle stieg Rikli 1986 bei Sulzer ein. Zuletzt war er dort Konzernleitungsmitglied und leitete den in der Oberflächenbeschichtung tätigen Bereich Sulzer Metco.asc

Von AndrÉ Schäppi

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