Management

„Wir sollten mit dem Nörgeln aufhören“

Wie schafft Deutschland den Sprung in die Neue Wirtschaft? Fragen an Jürgen Kluge, den Deutschland-Chef von McKinsey.

VDI nachrichten: Herr Dr. Kluge, die Europäer wollen die Amerikaner bis 2010 ökonomisch und technologisch überflügeln. Ein Fall von Größenwahn?
Kluge: In Teilbereichen ist das realistisch. In der Mobilkommunikation etwa sind wir knapp vorne. Europa hat sehr früh einen einheitlichen digitalen Standard geschaffen, der für alle offen ist. Im Übrigen gehen alle Prognosen davon aus, dass sich in den nächsten zehn Jahren die Verbreitung neuer Computer-Technologien in den entwickelten Ländern angleicht. Da wir in den meisten Bereichen noch hinter den USA liegen, werden wir hier die höheren Wachstumsraten erzielen.
VDI nachrichten: Die Musik spielt also künftig in Europa?
Kluge: Ja, das geht so weit, dass viele Entrepreneure inzwischen gar nicht mehr so sehr über die Strategie für den amerikanischen Markt nachdenken. Die sind sich sicher, dass hier die Post abgeht.
VDI nachrichten: Wie wird Deutschland davon profitieren? Wo liegen künftig unsere Stärken?
Kluge: An unseren Stärken wird sich wenig ändern. Wir sind zum Beispiel in der Automobilindustrie stark, die es innerhalb von zehn Jahren geschafft hat, wieder auf Weltniveau zu kommen. In vielen Bereichen setzen deutschen Firmen den Standard. Egal ob bei Druckmaschinen oder Werkzeugmaschinen oder Motorsägen und Hochdruckreinigern. Die Chance liegt darin, diese Produkte in die New Economy zu überführen. Also das Auto mit Internetanschluss, die Werkzeugmaschine mit dem Laser, die per Internet gewartet wird, die Druckmaschine, die digitale Signale umsetzen kann. Diese Entwicklungen gibt es ja bereits sehr erfolgreich.
VDI nachrichten: Die klassischen Industriebranchen haben also Zukunft?
Kluge: Ganz sicher. Auch in der New Economy wollen die Menschen Auto fahren, Fahrstühle benutzen oder fliegen. Der mechanische Anteil an den Produkten wird sinken, aber die gesamte Wertschöpfung muss keineswegs zurückgehen. Nehmen wir das Auto. Jedes neue Modell, das rauskommt, kostet ein bisschen mehr als sein Vorgänger. Dafür erhält der Kunde aber auch einen noch höheren Gegenwert. Die Fahrzeuge sind voll gestopft mit Navigationssystemen, Unterhaltungselektronik, Autotelefonen oder Notfallknöpfen mit den dazugehörigen Dienstleistungen.
VDI nachrichten: Und was machen die industriellen Mittelständler?
Kluge: Für die gilt das gleiche wie für die Automobilkonzerne. Auch viele von ihren traditionellen Produkten haben große Zukunft. Denken Sie an Firmen, wie Trumpf, Heidelberger Druck, Stihl oder Hauni. Diese Unternehmen verfolgen eine klare Strategie. Sie besetzen weltweit ein schmales Segment mit hohen Eintrittsbarrieren für mögliche Wettbewerber.
VDI nachrichten: An unternehmerischem Nachwuchs mangelt es ja auch nicht mehr. Zur Zeit schwappt geradezu eine Gründerwelle über das Land…
Kluge: Ja, ich bin auch da optimistisch. Zusammen mit den Sparkassen und dem Stern haben wir den bundesweiten Start-up-Wettbewerb ins Leben gerufen, der fantastisch läuft. Die Zahl der eingereichten Businesspläne steigt, die Qualität ist in den vergangenen Jahren immer besser geworden. Vor Jahren drängte noch die Hälfte aller Uni-Absolventen in den Staatsdienst, heute wollen sich immer mehr selbständig machen.
VDI nachrichten: Vor uns die fetten Jahre?
Kluge: Die Chancen dafür sind da. Wir sollten mit Nörgeln aufhören. In Deutschland ärgern wir uns ja gerne über die hohen Steuern, die vielen Vorschriften und andere Unannehmlichkeiten. Aber das sind nachrangige Faktoren. Anfang der 90er Jahre hatten wir ja schon mal eine Debatte über die vermeintlich schlechten Rahmenbedingungen. Damals wurde die Produktivitätslücke gegenüber Japan aufgedeckt. Da hieß es, unsere Arbeitskräfte arbeiteten zu kurz und würden zu hoch bezahlt. Tatsächlich waren aber vor allem die ungünstig zu fertigenden Produkte und die veralteten Arbeitsabläufe in den Fabriken für den Löwenanteil unseres Rückstandes verantwortlich und nicht die hohen Lohnkosten.
VDI nachrichten: Viele der neuen Gründer denken sehr amerikanisch. Die bauen in drei Jahren ihr Unternehmen auf, bringen es an die Börse und fangen dann was Neues an oder setzen sich auf Hawaii zur Ruhe.
Kluge: Ich denke, dass unser europäisches Unternehmerverständnis eine Zukunft hat. Auch künftig wird es Unternehmer mit langem Atem geben geben, auch wenn die meisten Firmen, die jetzt am Start sind, nicht überleben werden.
VDI nachrichten: Wie viele bleiben übrig?
Kluge: Langfristig vielleicht 5%. Aber das war nie anders. Denken Sie an die letzte industrielle Revolution. Hunderte haben damals mit Elektrogeräten angefangen. Heute kennen wir noch Siemens oder Philips. Wir dürfen uns nicht zu sehr von Erfolgsgeschichten blenden lassen. Wenn Sie sich die durchschnittliche Wertentwicklung aller Internetfirmen anschauen, dann war die in den letzten Jahren nicht besser als der Dax oder der Dow sogar eher schlechter.
VDI nachrichten: Die Internet-Euphorie scheint ja ohnehin vorbei. Zuletzt gab es Pleiten und Kursstürze. Wie sicher sind die Fundamente der Neuen Wirtschaft?
Kluge: Die sind genau so sicher wie die der traditionellen Wirtschaft. Das Internet hat die ökonomischen Gesetze nicht außer Kraft gesetzt. Was wir jetzt auf den Märkten erleben ist eine Selbstregulierung. Einige Leute werden eine Menge Geld verlieren. Auch Besitzverhältnisse ändern sich. AOL Time Warner war der bisher spektakulärste Fall. Da gibt es junge Unternehmen, die sich einer sehr hohen Bewertung erfreuen und die ihre virtuellen Assets jetzt gegen handfestere Werte, wie Grundstücke, Lizenzrechte, Kundenkontakte oder ein vorhandenes, gutes Markenimage eintauschen.
VDI nachrichten: Was haben die Firmen, die jetzt in die Knie gehen, falsch gemacht?
Kluge: Manche haben um jeden Preis Marktanteile gekauft und sich über die Profitabilität wenig Gedanken gemacht. Oder zu sehr auf eine technische Idee gesetzt und vernachlässigt, welchen Nutzen das Produkt dem Kunden eigentlich bietet. Oder das Managementteam war nicht komplett besetzt. Aber viele Unternehmer haben einfach nur Pech. Sei es, dass der Markt sich nicht so schnell entwickelt, wie gedacht. Oder die Finanzmittel nicht ausreichen. Dann war“s das eben, da gilt das darwinistische Prinzip. Nur eines muss ich auch sagen: Wer den Mut hat, sich auf technologisches Neuland zu begeben und neue Märkte aufzubauen, der verdient Respekt und nicht hämische Kritik.
VDI nachrichten: Für welche Internet-Start-ups wird es denn eng?
Kluge: Für alle, die sich nicht in der Spitzengruppe etablieren können. Letztendlich geht es darum, ein Segment zu finden mit vielen zahlungskräftigen Kunden. Wenn man das hat, dann muss man weltweit möglichst viele Kunden langfristig für sich gewinnen, um die hohen Fixkosten auf möglichst viele Köpfe zu verteilen.
VDI nachrichten: Das größte Wachstum wird bei Business-to-Business erwartet. Welche Rolle werden Start-ups auf diesem Feld künftig spielen?
Kluge: Bei Business-to-Business, wo etwa zehn Mal so viel umgesetzt wird wie im Bereich Business-to-Consumer, haben die alteingesessenen Spieler die besseren Karten. Wer dort Erfolg haben will, muss eine Menge Geld in die Hand nehmen. Dass irgendein Start-up die Einkaufsplattform für ganze Industrien schafft, ist unwahrscheinlich. Auch, weil die Unternehmen die entscheidende Stelle ihrer Wertschöpfungskette lieber selbst besetzen wollen.
VDI nachrichten: Aber die großen Konzerne sind ziemlich spät dran.
Kluge: Das mag sein, aber dafür haben sie genügend Geld, um die Pioniere aufzukaufen. Das E-Business wird nicht der Tummelplatz für die Start-ups bleiben. Schauen Sie sich traditionelle Unternehmen wie Karstadt/Quelle an.
Die haben inzwischen die drittgrößte Internetplattform in Deutschland. PETER SCHWARZ Jürgen Kluge, Deutschland-Chef von McKinsey: „Langfristig werden vielleicht 5 % aller Start-ups übrig bleiben.“

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