Management

„Wir haben die Nachfrage einfach überschätzt“  

VDI nachrichten, Kölleda, 6. 10. 06, ps – Fallende Umsätze, sinkender Gewinn – für die Funkwerk AG im thüringischen Kölleda war das Geschäftsjahr 2006 bislang eine Enttäuschung. Dabei gehört der Hersteller von Kommunikationssystemen für Autos und Bahnen zu den ostdeutschen Vorzeigefirmen. Wie geht es weiter? Fragen an den Vorstandsvorsitzenden Hans R. Grundner.

Grundner: Unser Geschäftsbereich Automotive, speziell die Nachrüstung der Fahrzeuge von Mercedes, BMW, Audi und VW mit Freisprechanlagen, war in der Tat lange Zeit das Zugpferd im Konzern. Nun haben wir hier einen gewissen Einbruch. Der hat aber sicher auch damit zu tun, dass wir traditionell das obere Preissegment bedienen, weil wir mit den Billigimporten aus Asien nicht mithalten können. Unsere hochwertigen Anlagen wurden immer erklärungsbedürftiger und wir müssen heute das Vertriebskonzept anpassen.

VDI nachrichten: Sie betreiben eine konsequente Nischenpolitik. Ist das nicht ohnehin riskant, da Nischen naturgemäß eher klein sind…

Grundner: Man muss den globalen Wettbewerb sehen. Hier bietet eine Nische den Schutz, den eine kleine Firma braucht. Unsere Erfahrung zeigt, eine vernünftige Marge erarbeitet man als kleinere Firma nur mit einer Spezialität.

Man muss seine Grenzen genau kennen und mehrere Nischen gleichzeitig bearbeiten. Haben wir erst eine Nische aufgespürt, streben wir auch die Marktführerschaft an.

VDI nachrichten: Das gelang Ihnen in den letzten Jahren ja auch gut. Der Umsatz hat sich seit dem Börsengang im Jahre 2000 versechsfacht. Speziell bei digitalen Funksystemen für die Bahn lagen Sie goldrichtig. Wie findet man solche Nischen?

Grundner: Man muss Augen und Ohren immer offen halten, intensiv in den Markt hineinhorchen. Ein schönes Beispiel sind die Freisprechanlagen. Wir hatten damals antizipiert, dass hier einerseits gesetzliche Vorgaben kommen werden und andererseits der Sicherheitsgedanke eine immer größere Rolle spielt. So brachten wir diese Anlagen schon vor dem Gesetz auf den Markt. Das löste einen Boom aus.

Eine andere Nische ist das Thema GSM Railway, also der digitale Zugfunk der Zukunft. Auch hier stiegen wir frühzeitig ein, erkannten die Nische – sowohl durch unser Wissen über die Eisenbahn als auch unsere Beobachtung, wohin sich GSM entwickelt.

VDI nachrichten: Heute halten Sie in diesem Bereich einen Marktanteil von mehr als 50 % in Europa. Müssen Sie diesem schnell Wachstum jetzt Tribut zollen?

Grundner: Sicher, im Moment erreichen wir nicht ganz unsere Umsatzziele. Wir sind deshalb jetzt in etwas ruhigere Gewässer gefahren, um uns neu zu strukturieren. Denn bei solch einer Politik ist man eben immer wieder gefordert, neue und zusätzliche Nischen aufzumachen, um das Wachstum fortzusetzen.

Außerdem brauchen wir mit unserer Größe nun auch breitere Nischen als früher. Das erfordert eine angepasste Organisation, Marktbearbeitung und einen anderen Fokus. Wir arbeiten daran, uns für das weitere, zukünftige Wachstum neu aufzustellen.

VDI nachrichten: Welche Rolle spielen Übernahmen bei Ihrer Wachstumsstrategie?

Grundner: Wir fahren eine Doppelstrategie: Je zur Hälfte wachsen wir organisch bzw. durch Zukäufe. Gerade hier am Standort Kölleda haben wir die Produktentwicklung stark erweitert und sind dabei, zusätzliche Märkte zu besetzen, etwa durch neue Digitalfunk-Aktivitäten. Andere Produkte, wie die Videoüberwachung, akquirierten wir vor allem durch die Übernahme eines Unternehmens in Fürth.

VDI nachrichten: Gibt es denn ausreichend neue Claims für einen Nischenfunker wie Sie?

Grundner: Ja sicher! Eine etwas größere Nische sehen wir in den neuen Zugangsmöglichkeiten für das Internet. Ich denke hier an intelligente Zugangsgeräte, die auch Telefonie und Video einbeziehen. Das kommt in den nächsten Jahren, und wir werden darauf mit anspruchsvolleren Lösungen für Unternehmen, Kanzleien etc. gut vorbereitet sein.

Ein weiterer Zukunftsmarkt, den wir sehr bewusst avisieren, sind Spezialgeräte für den Standard Tetra also für ein digitales terrestrisches Bündelfunksystem für Sicherheitsaufgaben.

VDI nachrichten: Sie beschäftigen in Forschung und Entwicklung rund 300 Leute, das ist jeder vierte im Konzern. Woran arbeiten sie?

Grundner: Ein Großteil macht kundenspezifische Projekte, andere entwickeln Funkwerk-Produkte für den zukünftigen Markt. Und letztlich müssen wir auch technologische Grundlagen erarbeiten, um auch zukünftig mithalten zu können.

Wir entwickeln natürlich nicht alle Produkte in unseren Systemen, aber unsere Strategie verlangt, dass wir die Schlüsselkomponenten selbst beherrschen und eigenständig technologisch fortentwickeln.

VDI nachrichten: Im Sommer haben Sie die momentane Umsatzdelle auch damit erklärt, dass neue Produkte bei Verkehrsmanagementsystemen zu spät auf den Markt gekommen seien. Kränkeln Ihre Ingenieursteams?

Grundner: Es ist eben eine Kunst, die Anforderungen des Marktes punktgenau zu treffen. Das kann nicht immer gelingen. Das betrifft alle Technologieunternehmen. Manche Produkte greifen auch nur nicht sofort und brauchen Geduld.

Uns sind bereits exzellente Entwicklungen gelungen, die ein Renner wurden, etwa der Compenser, ein Signalverstärker für Fahrzeuge. Und in einem jüngeren Fall trafen wir leider den Markt nicht richtig. Wir gingen von Voraussetzungen aus, die sich nicht wie erwartet erfüllt haben…

VDI nachrichten: Worum ging es dabei?

Grundner: Um eine Kommunikationsbox für Pkw, eine komfortable Freisprechanlage mit einem Spezialprofil. Mit ihr lassen sich die Daten der SIM-Karte eines Handys automatisch ins Fahrzeug einlesen, so dass man sofort kommunikationsfähig ist, etwa mit der eigenen Adressbank. Die Automobilindustrie hatte Interesse, doch die Handyhersteller zogen nicht mit.

VDI nachrichten: Wie kann man sich dagegen wappnen?

Grundner: Indem man bei neuen Entwicklungen eine noch stärkere Rückkopplung zum Markt herstellt, um den Bedarf in kürzeren Abständen zu hinterfragen. Zudem haben wir das Projektmanagement für die Eigenentwicklungen nun besser gefasst und die Hierarchien flacher gestaltet, um eine schnellere interne Kommunikation zu ermöglichen.

VDI nachrichten: Offenkundig trat aber bei der Bahn auch eine gewisse Investitionsmüdigkeit ein, denn dieser Bereich ist offenkundig nicht mehr ihre wichtigste Geldkuh – oder?

Grundner: Das stimmt. Vielleicht lag es auch daran, dass die Bahn im Vorfeld der Fußball-WM schlicht ihre Baustellen dicht machte. Ohnehin ist der Markt im Bereich Traffic & Control sehr schwer auszurechnen. Er hängt halt stark vom Investitionsverhalten der einzelnen Verkehrsbetriebe ab und dieses Investitionsverhalten wiederum von staatlichen Zuschüssen. Hier haben wir die Nachfrage zuletzt einfach überschätzt. Dabei hatten wir eine Reihe Rahmen- und Exportverträge unter Dach und Fach, die dann aber nicht realisiert oder auf unbestimmte Zeit verschoben wurden.

Der Markt hat ganz klar Potenzial, aber die Vorlaufzeiten sind enorm und ungewiss. Die Verkehrsbranche befindet sich in einem technologischen Wandel, was die Unsicherheit verstärkt. Angestoßen durch den digitalen Funk, ergeben sich heute bei der Bahn viele Automatisierungsmöglichkeiten. Um GSM-R effektiv nutzen zu können, braucht es Investitionen bei den Applikationen. Wir gingen davon aus, dass diese nun zügig nachgefragt werden. Doch leider ist hier der Prozess sehr träge geworden, auch im europäischen Ausland.

VDI nachrichten: Belebt nicht die Liberalisierung des Verkehrsmarktes die Szene eher?

Grundner: Ja, wir sehen das schon positiv. Durch die vielen Anbieter wächst der Zwang, wirtschaftlich zu arbeiten, den Betrieb zu rationalisieren. Diese Effekte sind gerade durch unsere Systeme möglich, etwa mit Videoüberwachung, automatischer Kontrolle von Bahnsteigen oder ereignisbezogene Serviceansagen in Echtzeit. HARALD LACHMANN

Funkwerk AG

  • Das Unternehmen ging aus einem DDR-Betrieb gleichen Namens hervor. 1992 gründete der Bayer Dr. Hans Grundner die Hörmann Funkwerk Kölleda GmbH. 1997 kaufte er noch das Funkwerk Dabendorf dazu. Zusammen bildeten sie die Keimzelle der späteren AG.
  • Funkwerk entwickelt, produziert und vermarktet professionelle Kommunikationssysteme, die in Fahrzeugen, Verkehrsbetrieben, Unternehmen und Institutionen eingesetzt werden.
  • Der Umsatz stieg nach dem Börsengang im Jahre 2000 (37 Mio. €) zunächst rasant an: Für 2006 wurden 270 Mio. € angepeilt. Nach einem schwachen ersten Halbjahr rechnet der Vorstand inzwischen jedoch nur noch mit einem Jahresumsatz von 250 Mio. €.
  • Das Unternehmen schreibt schwarze Zahlen musste aber sein Ebit-Ziel von 22 Mio. € auf 10 Mio. € reduzieren.
  • Bei der Funkwerk-Gruppe arbeiten rund 1200 Mitarbeiter, etwa 300 davon am Konzernsitz im thüringischen Kölleda.
  • Die Funkwerk-Aktie, die im Frankfurter Prime Standard notiert ist, verlor im Laufe dieses Jahres die Hälfte ihres Wertes und notiert zur Zeit bei knapp über 14 €. ps/hl

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