Management

„Wir haben auch in Deutschland gute Perspektiven“  

Der Frankenthaler Pumpen- und Armaturenbauer KSB orientiert sich verstärkt nach Osteuropa, China, Indien und Russland. „Doch das Herz des Konzerns wird weiterhin Frankenthal bleiben“, versichert KSB-Chef Josef Gerstner im Gespräch mit den VDI nachrichten. An Schließungen von Betriebsstätten in Deutschland werde nicht gedacht; denn auch hierzulande sehe man gute Perspektiven.

VDI nachrichten: Herr Prof. Gerstner, KSB ist in das erste Quartal 2005 mit einem Auftragsplus von 18 % gegenüber dem Vorjahr gestartet. Ist das ein Zeichen des Aufbruchs für Ihr Unternehmen?

Gerstner: Wir erhielten den Zuschlag für eine Reihe größerer Projekte. Dies hat zu dem enormen Wachstum in den ersten drei Monaten geführt. In dieser Form werden wir das Tempo nicht halten können. Doch wir erwarten, dass wir das Ergebnis aus dem Jahr 2004 bei Auftrag und Umsatz übertreffen werden. Immerhin haben wir 2004 ein Auftragswachstum von über 8 % erzielt, während weltweit der Pumpen- und Armaturenmarkt nur um 2,5 % zugelegt hat. Beim Umsatz sind wir um 7,5 % auf knapp 1,3 Mrd. € gewachsen.

VDI nachrichten: Wie haben Sie dieses überproportionale Wachstum erreicht?

Gerstner: Zunächst einmal haben wir sehr intensiv die möglichen Potenziale unserer Kunden erfasst, um sie besser auszuschöpfen, als dies in der Vergangenheit erfolgt war. Dazu bieten wir heute Paketlösungen an. Alles, was ein Kunde braucht, organisieren wir für ihn und kaufen Fremdprodukte hinzu. Wir haben neue Vertriebsorganisationen speziell in den wachsenden Märkten Osteuropas gegründet. So konnten wir in den neuen EU-Mitgliedsländern, Polen, Tschechien, Ungarn und Slowenien, um mehr als 20 % wachsen. Unsere „Himmelsstürmer“ allerdings waren die Konzerngesellschaften in der Region Asien/Pazifik.

VDI nachrichten: Wie verlief Ihre Entwicklung in China im vergangenen Jahr?

Gerstner: Allein in China stiegen unsere Aufträge um etwa zwei Drittel gegenüber dem Vorjahr. Den Schwerpunkt bilden hier Pumpen und Armaturen für die Kraftwerksindustrie. Aber auch in dem zweiten großen asiatischen Markt, in Indien, wo wir mit sechs Werken und mehr als 2000 Mitarbeitern präsent sind, haben wir eine starke Marktposition erreicht. Um uns noch besser an diesen Markt anzupassen, aber auch von den günstigeren Standortkosten zu profitieren, haben wir in Pune KSB Tech gegründet. Bis Ende des Jahres werden dort etwa 60 Ingenieure und Techniker Entwicklungsaufgaben auch für den gesamten Konzern übernehmen. Trotzdem wird Frankenthal weiterhin unsere wichtigste Basis für Neuentwicklungen bleiben.

VDI nachrichten: Wie sehen Ihre weiteren Planungen für die Zukunft aus?

Gerstner: Unser Zielland Nr. 1 ist China. Zwar sind wir dort bei Pumpen bereits Marktführer. Doch den annähernd doppelt so großen Markt für Armaturen haben wir noch nicht in gleicher Weise erschlossen. Um dies zu verbessern, sind wir dabei, ein Netz von Vertragshändlern aufzubauen. Daneben haben wir Ende 2004 in Dalian, im Nordosten Chinas, eine Armaturengesellschaft gegründet. Sie hat Anfang dieses Jahres mit der Produktion von Absperrklappen begonnen. Sie sind sowohl für den chinesischen Markt als auch für den Export bestimmt.

Doch auch das Pumpengeschäft wollen wir mit einem zusätzlichen Produktionsprogramm in Shanghai noch vergrößern. Unsere Aktivitäten bei KSB Shanghai werden wir aus eigener Kraft ausweiten und die Beteiligung von bisher 51 % auf 80 % aufstocken.

VDI nachrichten: Welche weiteren Märkte haben Sie im Visier?

Gerstner: Der zweite Markt, dem wir uns verstärkt zuwenden, ist Russland. In diesem flächenmäßig größten Land der Erde ermöglichen die wachsenden Einnahmen aus Öl und Gas eine Modernisierung von Infrastruktur und Industrieanlagen. KSB ist bislang vor allem in der Energietechnik tätig sowie bei Großprojekten der Abwassertechnik und des Bergbaus. Wir planen in Kürze eine eigene Vertriebsgesellschaft KSB OOO in Moskau zu gründen. Darüber hinaus sollen sechs Vertriebsstützpunkte zwischen St. Petersburg und Nowosibirsk unsere Flächenpräsenz erhöhen.

VDI nachrichten: KSB richtet sein Engagement vermehrt nach Osteuropa und Asien, aber auch Amerika. Noch im letzten Jahr haben Sie Schließungen von Betriebsstätten in Deutschland nicht ausgeschlossen. Wie sieht es damit heute aus?

Gerstner: Dazu möchte ich eine klare Aussage machen: Es gibt derzeit keinen Ansatz, dass wir uns von irgend einem Standort in Deutschland trennen werden. Ich denke, dass wir auch in Deutschland gute Perspektiven haben. Ich möchte mich dafür engagieren, dass wir als internationales Unternehmen ein positives Beispiel setzen. Von unserem Wachstum insgesamt profitieren ja auch unsere deutschen Standorte.

VDI nachrichten: Ist in Deutschland mit einem Stellenabbau zu rechnen?

Gerstner: Unsere Mitarbeiterzahl in Deutschland wird sich in Folge von Umstrukturierungen bis zum Jahresende verändern. Es sind jedoch keine betriebsbedingten Kündigungen vorgesehen. Wir werden Mitarbeiter, die vorzeitig in den Ruhestand oder in eine Altersteilzeitarbeit wechseln nicht ersetzen.

VDI nachrichten: Welchen Anteil hat inzwischen der Service an Ihrem Geschäft?

Gerstner: Er liegt heute zwischen 10 % und 20 %. In Deutschland, Frankreich, Spanien und den USA haben wir unsere Aktivitäten sehr verstärkt. KSB will nach und nach ein flächendeckendes Servicenetz weltweit realisieren.

URSULA SCHIELE-TRAUTH

KSB

Der Konzern ist weltweit in über 100 Ländern tätig. 2004 erzielte er einen Umsatz von knapp 1,3 Mrd. € (+ 7,5 %). Das Vorsteuerergebnis betrug 22,1 Mio. € (Vorjahr 29,8 Mio. €). Es wurde durch Restrukturierungskosten von 22,8 Mio. € belastet, die für Programme zur Erhöhung von Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit, vorwiegend in Frankenthal, angefallen sind. Die Umsatzrendite fiel damit auf 1,8 % nach 2,5 % in 2003. Für 2005 erwartet Vorstandschef Gerstner einen deutlichen Schritt in Richtung 5 %. Das Unternehmen beschäftigt 12 500 Mitarbeiter weltweit, davon knapp 3900 in Deutschland. Hauptaktionär mit 75 % der stimmberechtigten Aktien ist die Holding Klein Pumpen GmbH. Daran sind mit 99,32 % die gemeinnützige KSB-Stiftung und mit 0,68 % die Kühborth-Stiftung beteiligt. Beide Stiftungen fördern die Forschung und den wissenschaftlichen Nachwuchs in Technik, Natur- und Wirtschaftswissenschaft. schie

Josef Gerstner

Er wurde 1948 in Mantau/Tschechien geboren. Nach seinem Maschinenbaustudium in Augsburg und München arbeitete er zunächst in verschiedenen Funktionen im MAN-Konzern. 1990 wechselte Gerstner in den Vorstand der Motorenwerke Mannheim AG, bevor er drei Jahre später bei Siemens die Geschäftsführung der Schienenfahrzeug-Gruppe übernahm. Zusätzlich wurde er zum Vorstandsvorsitzenden der Dueweg AG berufen. Seit 1996 lenkt Gerstner als Vorstandsvorsitzender den KSB-Konzern. 2002 verlieh ihm das Bildungsministerium der Russischen Föderation die Ehrenprofessur. Der 56-Jährige ist verheiratet, Vater einer Tochter und in seiner Freizeit ambitionierter Marathonläufer. schie

Von Ursula Schiele-Trauth

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