Management

„Wir arbeiten mit unseren Kunden eng zusammen“  

2005 war der Oberflächenveredler doppelt so stark gewachsen wie der Gesamtmarkt; im Mai dieses Jahres wagte er den Sprung aufs Frankfurter Börsenparkett. Impreglon-Chef Henning J. Claassen im folgenden Gespräch zur Zukunft seines Hauses, zum Börsengang und zur Branche.

Claassen: Der Einstieg in die Hotelbranche war eher Mittel zum Zweck. Es ging darum, Kunden, die uns besuchten, adäquat unterzubringen. In Lüneburg fehlte es damals an Möglichkeiten. Also habe ich das Hotel Bergström gebaut und unseren Kunden damit alle Annehmlichkeiten in schönem Ambiente vor Ort geschaffen.

VDI nachrichten: Aber im Mittelpunkt Ihrer Tätigkeit steht der Produzent und Industriedienstleister Impreglon?

Claassen: Ja, wobei Impreglon vor 1990 Teil der Meltex war, einem von mir 17 Jahre zuvor gegründeten Maschinenbau-Unternehmen mit über 300 Mitarbeitern. Meltex habe ich 1989 an ein amerikanisches Unternehmen verkauft.

VDI nachrichten: Womit befasst sich Impreglon?

Claassen: Impreglon stellt Beschichtungen für eine Vielzahl von Produkten her. Noch bevor Impreglon innerhalb des Maschinenbauers Meltex tätig war, stieß ich auf ein von der Nasa freigegebenes Verfahren, mit dem vorn an den Raumkapseln befestigte Kacheln beschichtet wurden, um beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre der hohen Reibung standhalten zu können. Im Autorennsport wurde dieses Verfahren zur Beschichtung von Teilen der Hochleistungsmotoren, wie Getriebe und Kolben, verwendet, um Leistungen zu steigern und den Verschleiß bei extremen Temperaturen zu senken. Das Verfahren hat mich interessiert, und ich ließ bei Meltex einige Maschinenteile damit beschichten – mit Erfolg. Auch ließen sich die Anlagen bei Anwendung dieses Verfahrens wesentlich leichter reinigen.

VDI nachrichten: Sie haben das Verfahren dann übernommen?

Claassen: Ich habe in den USA eine Firma gefunden, die das Verfahren von der Nasa gekauft hatte. Wir erwarben eine Unterlizenz und haben in Deutschland das Verfahren – über die Impreglon als Inhouse-Beschichtungsverfahren – bei der Meltex eingesetzt. Damit begann die Impreglon-Story.

VDI nachrichten: Als Sie Meltex verkauften, haben Sie den Beschichter Impreglon herausgenommen?

Claassen: Ja, das war problemlos möglich. Impreglon bildete innerhalb der Meltex ein eigenes Profit-Center. Aber herausnehmen mussten wir Impreglon, weil der Käufer der Meltex Beschichtungen nicht selbst vornehmen wollte. Der Bereich Chemie war ihm fremd. So kamen wir zu unserem Glück. Impreglon hatte zunächst vier Mitarbeiter, die weiterhin für unseren einzigen Kunden – die Meltex – arbeiteten. Meine guten Kontakte – vor allem im Ausland – sorgten aber schon bald für eine Expansion der Geschäftsidee.

VDI nachrichten: Die Sie auch als Franchise anbieten?

Claassen: Wie bereits erwähnt, hatte ich die Lizenz einschließlich des Firmennamens in den USA erworben. Damit verbunden war auch die weltweite Nutzung. Wir sind heute in der Lage, weltweit Franchise-Betriebe zu gründen.

VDI nachrichten: Wo sind Sie aktiv?

Claassen: Nachdem wir den Markt in Deutschland in ein bis zwei Jahren geöffnet hatten, gründeten wir zunächst einen Betrieb in den Niederlanden. Mittlerweile werden Impreglon-Beschichtungen in 10 Ländern angeboten. Neben Holland sind dies Schweden, Ungarn, Frankreich, Großbritannien, Italien und die Schweiz. Der Hauptsitz und ein Werk sind in Lüneburg. In Übersee sind wir in Japan und den USA engagiert.

VDI nachrichten: Aber in China ist Impreglon noch nicht tätig, obwohl da sicherlich schon einige Ihrer Kunden arbeiten?

Claassen: Um Kunden nicht zu verlieren, folgen wir ihnen natürlich auch ins Ausland. So ist zum Beispiel unser Standort Ungarn entstanden, von wo aus wir den gesamten ungarischen Markt bedienen und mittlerweile gut 50 % des dortigen Umsatzes mit ungarischen Unternehmen tätigen. Kunden, die in China produzieren, rieten uns davon ab, dort tätig zu werden – ohne unsere Produkte zu schützen. In relativ kurzer Zeit würde es chinesischen Produzenten gelingen, unsere Verfahren zu kopieren und zu einem Bruchteil des Preises anzubieten, den wir erzielen müssen.

VDI nachrichten: Impreglon ist ein Zusammenschluss von Unternehmen?

Claassen: Richtig, die Impreglon-Holding ist ein Zusammenschluss erfahrener kleiner, schlagkräftiger Unternehmen vor Ort mit maximal 50 Beschäftigten und einem räumlichen Geschäftsradius von rund 300 km. Wir befassen uns mit Beschichtungen in unterschiedlichen Regionen und werden mit unterschiedlichsten Anforderungen konfrontiert. Allein wäre keines dieser Kleinunternehmen in der Lage, dem Kunden ein hohes Maß an Qualitätssicherheit zu bieten. In der Gruppe sind wir stark. Wir tauschen Mitarbeiter aus, stehen untereinander in ständigem Erfahrungsaustausch, tätigen Innovationen gemeinsam und profitieren vom gemeinsamen Einkauf oder einer gemeinsamen Datenbank.

VDI nachrichten: Es handelt sich also schon um einen sehr engen Zusammenschluss. Gibt es eine gemeinsame Bilanz?

Claassen: Ja, von den sechs Betrieben, an denen Impreglon Mehrheitsbeteiligungen hält. Bei weiteren vier Unternehmen sind wir via Minderheitsbeteiligungen engagiert. Der Umsatz der engeren Gruppe betrug Ende vergangenen Jahres 16,3 Mio. €. Das ist eine Steigerung um 36 % gegenüber dem Vorjahr. Impreglon ist im vergangenen Jahrzehnt doppelt so stark gewachsen wie der Gesamtmarkt.

VDI nachrichten: Wie sieht Ihre Zukunftsplanung aus?

Claassen: Wir hatten für 2006 einen Umsatz von 18 Mio. € geplant, liegen aber jetzt bereits bei über 20 Mio. €. Ich schätze, dass wir Ende 2006 einen Umsatz von ca. 25 Mio. € erreichen werden, wobei Akquisitionen berücksichtigt sind.

Ich wäre enttäuscht, sollten wir bis 2008 nicht an die 30-Mio.-€-Umsatz-grenze stoßen. Das wäre in etwa eine Verdopplung des Jahresumsatzes 2005.

VDI nachrichten: Und die Gewinnentwicklung hält Schritt?

Claassen: Die Entwicklung des Ebits ist sogar noch besser. Wir liegen derzeit bei 14 % und streben kurzfristig einen Wert von 17 % an, den wir aber Ende des Jahres übertreffen dürften. Unser mittelfristiges Ziel liegt bei 18 %. Das wäre eine auskömmliche Marge, mit der Expansion und Investitionen in ausreichendem Maße bestritten werden können.

VDI nachrichten: Wie viel des Gesamtumsatzes erwirtschaften Sie im Ausland?

Claassen: Zurzeit werden etwa zwei Drittel des Gesamtumsatzes im Ausland getätigt.

VDI nachrichten: Wenn Sie – wie erwähnt – alle 600 km ein Unternehmen platzieren könnten, dann sind die Expansionsmöglichkeiten noch erheblich.

Claassen: Ja, es gibt noch viele weiße Flecken auf unserer Karte, und auch unter dem Aspekt der Attraktivität unserer Produkte haben wir noch erheblichen Expansionsspielraum. Aber wir wollen nicht überstürzt wachsen und setzen derzeit andere Prioritäten.

So verdoppeln wir gerade die Kapazitäten unserer Werke in Ungarn und Frankreich. In Lüneburg bauen wir ein neues Werk.

VDI nachrichten: Wie gelingt es Ihnen, sich gegenüber den Großen Ihrer Branche, wie dem Schweizer Sulzer-Konzern, der amerikanische Paxair-Group oder Akzo Nobel, durchzusetzen?

Claassen: Zum einen stärkt uns die enge Zusammenarbeit in der Gruppe. Und wir operieren aus einer Marktnische heraus. Wir haben uns auf Kombinationsverfahren spezialisiert. Während unsere großen Konkurrenten Verfahren auf der Basis von Metall und Keramik – aber kaum auf Polymerbasis – einsetzen, praktizierten wir zunächst chemische Verfahren zur Beschichtung. Da letztere aber hinsichtlich Härte und Verschleiß den Metall- und Keramikverfahren unterlegen sind, lagern wir heute Polymere in metallische Schichten. Dieses Kombinationsverfahren ist mittlerweile unser Hauptgeschäft im Bereich der Beschichtungen. Als Gruppe mit kleinen schlagkräftigen Einheiten vor Ort können wir unsere Kunden zudem individueller bedienen. Wir arbeiten mit unseren Kunden eng zusammen und entwickeln und produzieren die für sie optimale Oberfläche. Das sind unsere Trümpfe.

VDI nachrichten: Wie groß ist Ihr Marktanteil im Inland?

Claassen: Im Bereich unserer Spezialität, der Kombinationsbeschichtung, sind wir die Nummer eins in Deutschland. Das gesamte Marktvolumen liegt zwischen 70 Mio. € und 90 Mio. €, davon entfallen auf Impreglon etwa 10 % bei einer Anzahl von ca. 25 weiteren Marktteilnehmern.

VDI nachrichten: Welche Branchen beliefern Sie?

Claassen: Alle Branchen greifen auf unsere Produkte zurück, insbesondere die Automobilindustrie und der Maschinenbau.

VDI nachrichten: Ab 2007 wird es für Fahrzeughersteller zur Pflicht, ihre Bauteile mit einem Chrom-VI-freien Korrosionsschutz zu versehen. Wie sind Sie darauf vorbereitet?

Claassen: Wir warten seit langem auf diese Entscheidung, denn wir haben uns seit jeher umweltfreundlichen Verfahren verschrieben. Wir arbeiten nicht mit galvanischen Verfahren – nicht nur weil sie schwermetallbelastet sein können, sondern weil Galvanik-Bäder kaum umweltfreundlich zu entsorgen sind.

VDI nachrichten: Welchen Stellenwert haben in Ihrem Hause Forschung und Entwicklung?

Claassen: F & E besteht für uns darin, die Materialien auszuwählen, zu kombinieren, sie auf die Teile zu bringen und das Ergebnis mit dem Kunden zu analysieren. Die Materialien selbst und die Anlagen, mit denen sie aufgetragen werden, entwickeln wir nicht. Wir haben zwei eigene Labore mit jeweils zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern – in Lüneburg für den Bereich Polymer-Beschichtungen und in Atlanta/USA für die Bereiche Metall- und Keramik-Beschichtungen. Im Nano-Bereich arbeiten wir auf dem Gebiet der Grundlagenforschung mit norddeutschen Hochschulen und mit dem Fraunhofer Institut an verschiedenen Projekten.

VDI nachrichten: Seit Ende Mai wird die Impreglon-Aktie an der Frankfurter Börse im Entry Standard notiert. Was hat Sie als Mittelständler bewogen, diesen Weg zu gehen?

Claassen: Die klassische Finanzierung für Mittelständler ist in Deutschland natürlich die Bankfinanzierung. Für Unternehmen, wie die unserer Gruppe, die in der Regel erst nach fünf Jahren profitabel arbeiten können, ist eine ausnahmslose Bankfinanzierung eine zu große Belastung. Unsere Erfahrungen in den USA und in Großbritannien haben uns zum Börsengang in Deutschland ermutigt. Etwa zwei Jahre zuvor hatten wir Genussscheine emittiert, die wir selbst zu 90 % in der Region Lüneburg platzieren konnten. Die Genussscheine waren mit dem Recht der Umwandlung in Aktien versehen. Wie sich bei dem Börsengang im Mai dieses Jahres gezeigt hat, haben 60 % der Genussscheininhaber von diesem Recht Gebrauch gemacht. Wir haben das Kapital auf rund 4 Mio. € aufgestockt und 45 % davon an der Börse platziert. Ich habe die Mehrheit behalten.

VDI nachrichten: Der Ausgabekurs der Aktie lag bei 6,50 €, stieg auf 7 €, dann auf 7,50 €. Jetzt liegt die Aktie bei 8 €. Was ist der Grund dafür?

Claassen: Beflügelt wurde die Impreglon-Aktie von den sehr guten Unternehmensergebnissen des I. Halbjahres, die wir Anfang August vorgestellt haben. Wir konnten den Markt mit einer Ebit-Steigerung von über 30 % überraschen. Wichtig ist: Impreglon erwirtschaftet seit 20 Jahren nur Erträge. Ich rechne für 2006 mit 69 Cent Gewinn pro Aktie. Erklärtes Ziel ist es, jährlich 50 % unserer Erträge an die Aktionäre auszuschütten.

VDI nachrichten: Wo sehen Sie den fairen Wert der Aktie?

Claassen: Auf Basis der jüngsten Halbjahreszahlen sehen die Analysten von German Business Concept den fairen Wert der Impreglon-Aktie bei 10,50 €. DIETER HEUMANN

Von Dieter Heumann
Von Dieter Heumann

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