Personalmanagement 11.10.2002, 18:22 Uhr

Wie Konzerne ihre Mitarbeiter beschäftigen

Die ITK-Branche baut Stellen im Eiltempo ab. Zu den größten Arbeitsplatzvernichtern gehören die Branchengrößen Deutsche Telekom und Siemens. Beide setzen dabei auf das Instrument Zeitarbeitsgesellschaft, in die ein Teil der Mitarbeiter geschoben werden sollen. Die Gewerkschaften machen notgedrungen mit, befürchten aber, dass es sich um eine Rutschbahn in die Arbeitslosigkeit handelt.

Michael Leppek, IG-Metall-Experte, schimpft: „Es kann doch wohl nicht angehen, dass man die Mitarbeiter erst vor die Tür setzt, um sie anschließend für deutlich weniger Geld wieder an ihren Platz zu holen.” Leppek spricht über die Pläne von Siemens, eine Beschäftigungsgesellschaft mit angeschlossener Auffang- oder Zeitarbeitsgesellschaft zu gründen. 2600 Mitarbeiter der Geschäftsbereiche ICN (Netzwerke) und ICM (Mobilfunk) will der Münchner Elektronikriese in eine Beschäftigungsgesellschaft „auslagern”. Hier erhalten die Betroffenen befristet für ein Jahr Kurzarbeitergeld vom Arbeitsamt und die Möglichkeit zur Weiterbildung. 300 dieser Mitarbeiter soll die Beschäftigungsgesellschaft nach Aussagen von ICN-Personalchef Matthias Bellmann an eine Zeitarbeitsfirma ausleihen, an der Siemens nicht mehrheitlich beteiligt sein will.
Konkrete Details gibt Siemens von offizieller Seite nicht. Doch Leppek weiß, dass der Konzern in Verhandlungen mit professionellen Zeitarbeitsunternehmen wie Adecco steht, die später die Ex-Siemensianer an externe Unternehmen und eben auch an Siemens ausleihen – nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (siehe Kasten) und für deutlich weniger Geld für die Betroffenen: Laut Bundesverband Zeitarbeit Personaldienstleistungen (BZA) müssen Zeitarbeiter üblicherweise 10 % bis 15 % Abschlag gegenüber dem branchenüblichen Gehalt hinnehmen.
Vorbilder in Sachen Kooperation mit Zeitarbeitsprofis findet Siemens im Bankenumfeld: Sowohl Deutsche als auch Dresdner und Commerzbank haben Gemeinschaftsunternehmen mit Zeitarbeitsriesen gegründet. Adecco arbeitet seit 1998 mit der Commerzbank im Joint-Venture Adcom zusammen. „Primär ist es unser Ziel, die Ex-Commerzbank-Mitarbeiter, die man im Konzern nicht mehr beschäftigen kann, auf dem freien Arbeitsmarkt unterzubringen”, erklärt Adcom-Chef Gustav Käfer.
Mit geringem Erfolg allerdings, denn bislang hat Adcom nur wenige Leute extern in feste Jobs vermitteln können – zum Teil, weil nicht gerade die Leistungsträger in die Gesellschaft drängen, zum Teil aber auch wegen des schwierigen Arbeitsmarkts.
„Einen Markt für Leiharbeiter in der gebeutelten ITK-Branche gibt es derzeit schlichtweg nicht. Insofern ist dies für die meisten eine sichere Rutschbahn in die Arbeitslosigkeit”, argumentiert denn auch IG-Metaller Leppek. Siemens beurteilt dies anders: Bei einer Veranstaltung im Juli seien 150 Mitarbeiter extern vermittelt worden, für die Jobbörse im Herbst gebe es 300 Stellenangebote.
Ein weiterer Punkt spricht nach Ansicht von Betriebsräten und IG Metall gegen den Plan: „Die Siemens-Mitarbeiter verlieren alle Ansprüche aus ihrem jetzigen Arbeitsverhältnis”, erklärt Leppek. Die Verhandlungen laufen zurzeit noch auf Hochtouren.
Aus diesem Grund geht die Deutsche Telekom, die 50 000 Stellen abbauen will, einen anderen Weg: Sie hat im August eine interne Zeitarbeit-Organisationseinheit gegründet, nach den Vorschlägen der Hartz-Kommission „Personalserviceagentur” genannt. Der Zweck ist der gleiche wie bei Siemens: Die Mitarbeiter des internen Zeitarbeitspools werden innerhalb und auch außerhalb des Konzerns verliehen.
Dabei werden sie als Springer eingesetzt oder auf neue offene, unbefristete Stellen vermittelt – etwa im Mobilfunkgeschäft. Die Konzern-Abteilungen haben sich zudem verpflichtet, sich bei offenen Stellen der Personalserviceagentur zu bedienen und Aufträge an externe Zeitarbeitsfirmen zurückzufahren.
Ein weiterer großer Unterschied zum Siemens-Plan: „Die Mitarbeiter im Pool behalten ihren Arbeitsvertrag mit der Telekom, bekommen weiter ihr Gehalt, das zum Teil mit öffentlichen Geldern bezuschusst wird”, erläutert Jürgen Spiegelberg, Bereichsleiter Tarifpolitik bei Ver.di.
Natürlich hofft die Telekom, zur Entlastung des eigenen Kostenblocks möglichst viele Mitarbeiter extern unterbringen zu können. „Erste Anfragen haben wir schon erhalten”, sagte Personalvorstand Heinz Klinkhammer kürzlich gegenüber einer Tageszeitung.
Gewerkschaftsexperte Spiegelberg sieht vor allem gute Chancen für Industrie- und Kommunikationselektroniker, die bei der Deutschen Telekom hoch qualifiziert und aktuell ausgebildet wurden. Ansonsten sei die Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt eher eine Frage der Region. „In Stuttgart kommen die Mitarbeiter sicher besser unter als in Fulda”, nennt er ein Beispiel.
Ver.di hat darauf gepocht, dass den Mitarbeiter nicht mehr als 2,5 Stunden tägliche Fahrtzeit zum neuen Einsatzort zugemutet wird. Außerdem muss die Vermittlung Berufsbild-bezogen erfolgen. Spiegelberg: „Ein Nachrichtentechniker muss nicht bei Aldi PCs verkaufen.” SABINE KOLL

Aktueller Stand in Deutschland
Was ist Zeitarbeit?
Zeitarbeit ist durch das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz geregelt. Der Anbieter benötigt eine Lizenz der Bundesanstalt für Arbeit. Außerdem gelten für die Beschäftigten, die in der Regel unbefristete Verträge erhalten, die allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen für etwa Lohnfortzahlung und Mutterschutz. Das Zeitarbeitsunternehmen leiht die Mitarbeiter für einen bestimmten Zeitraum an andere Unternehmen aus. Die Obergrenze liegt bei zwei Jahren, die Mitarbeiter müssen nach zwölf Monaten das gleiche Gehalt wie die Kollegen vor Ort erhalten. In der Post-Hartz-Ära werden sich die Regelungen ändern. S.K.

 

Ein Beitrag von:

  • Sabine Koll

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