Personalmanagement

Wenn die Reservebank im Unternehmen leer ist  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 24. 2. 06, Fr – In Deutschland sind bis zu 10 000 Führungskräfte als Interimsmanager unterwegs. Davon sind etwa 15 % Frauen, Tendenz steigend. Besonders groß ist die Nachfrage in der Telekommunikationsbranche und bei Biotech-Unternehmen. Gelegentlich kommt es auch zu einer „Heirat“ mit der Firma, in der die „Leih-Managerin“ ein Projekt abzuwickeln hatte.

Susanne Möcks-Carone sitzt seit einem Monat in der Geschäftsführung der Norderstedter Firma Newtention. Die 42-Jährige weiß, dass sie das Unternehmen bald wieder verlassen wird. Denn – Susanne Möcks-Carone ist Interimsmanagerin. „Wir kommen, um zu gehen“, beschreibt sie das Ziel der Arbeit einer Führungskraft auf Zeit. „Wir werden gerufen, weil es in einer Firma eine plötzliche Vakanz gibt oder ein Projekt ansteht, das innerhalb einer bestimmten Zeit durchgeführt werden muss.“

Sie wurde an die Newtention-Spitze geholt, um dem Spezialisten für Online-Marketing zu helfen, noch schneller zu wachsen. Auch andere IT-Betriebe beschäftigen externe Führungskräfte für ein paar Monate, um Umstrukturierungen zu realisieren, Entlassungen durchzuführen oder neue Märkte zu erobern. Was auffällt: Immer öfter sind es Frauen, denen für bestimmte Zeit das Steuer in die Hand gegeben wird mit dem Ziel, das Unternehmen durch aufgewühlte See in einen sicheren Hafen zu bringen.

In Deutschland sind nach Schätzungen des AIMP – Arbeitskreis Interim Management Provider in München 5000 bis 10 000 Führungskräfte als Manager auf Zeit unterwegs. Davon sind schätzungsweise 15 % Frauen. Tendenz: steigend. Auf der Branchen-Landkarte gibt es keine weißen Flecken. Frauen als Führungskraft auf Zeit sind allgemein akzeptiert. „Wir haben in letzter Zeit sehr viele Managerinnen in der Telekommunikationsbranche und auch in ingenieurwissenschaftlichen Bereichen untergebracht“, sagt Kerstin Beyreis vom Arbeitskreis. Auch Biotech-Unternehmen suchen Interimschefs. So ist die Medizinerin Gerda Vlasitz-Kocks, die zu Beginn ihrer Berufslaufbahn als fest Angestellte in verschiedenen Führungsetagen tätig war, seit Jahren als Selbstständige gefragte Ansprechpartnerin für Pharma- und Biotech-Firmen.

Der Markt der „Leih-Manager“ wächst mit 30 % pro Jahr. Die Gründe: Viele Betriebe haben in den letzten Jahren ihre Personaldecke extrem gekürzt und haben, wenn eine Führungskraft ausfällt oder zusätzliche Projekte durchgeführt werden müssen, niemanden auf der Reservebank. Außerdem brauchen Firmen häufig rasch Hilfe von außen, weil sie kurz vor der Insolvenz stehen, oder sie suchen einen Interimsmanager, weil sie sich nicht teure Top-Leute auf Dauer ans Bein binden wollen.

Gesucht werden derzeit vor allem Top-Kräfte für Marketing, Controlling, Vertrieb und Personal. Beispiel: Gabriele Schmitz. Sie hat als Personalleiterin auf Zeit zuletzt die Fusion von zwei amerikanischen Softwarefirmen begleitet. Vorher hatte sie ähnliche Aufgaben in Telekommunikationsunternehmen. In allen Jobs ging es auch um Entlassungen von Mitarbeitern. Heikle Aufgabe, die eine externe Managerin aber häufig eleganter löst, als alt eingesessene Führungskräfte.

Manager und Managerinnen, die von außen kommen, tragen keine Betriebs-Brille, sehen deswegen vieles klarer und können auch den alt eingesessenen Führungskräften in der Firma die Augen öffnen. „Ein Übergangs-Chef, der keine Karriere im Betrieb machen will, muss keine Seilschaften bedienen, niemandem gefallen, ist dadurch oft erfolgreicher“, sagt Sylvaine Mody von der Agentur Management Angel in Hamburg. „Allerdings muss das Unternehmen auch den Willen zur Veränderung haben.“ Weil von Interimsführungskräften neben Fachwissen und unternehmerischem Denken auch Softskills wie Fingerspitzengefühl und Motivationskraft erwartet werden, sind Frauen in der Beletage vieler Unternehmen gern gesehen.

Doch nicht alle Interimsmanagerinnen glänzen. „Der Anteil derjenigen, die über mehrere Jahre unter Beweis gestellt haben, dass sie schnell operative Erfolge herbeiführen, ist eher gering“, sagt Dieter Bohling, Geschäftsführer der Unternehmensberatung und Interimmanagementgesellschaft Hanse Consulting.

In der Regel haben die „Managerinnen für bestimmte Situationen“ einen Dienstvertrag, den sowohl sie als auch das Unternehmen kurzfristig aufheben können. „In einigen Fällen zum Beispiel als Vertriebsdirektorin wird zum Honorar eine erfolgsabhängige Variante vereinbart“, berichtet Susanne Möcks-Carone. Die Tagessätze eines Managers auf Zeit liegen zwischen 700 € und 1500 € – je nach Aufgabe und Qualifikation. Möcks-Carone, die seit fünf Jahren Firmen begleitet, soll mit ihrer Erfahrung Newtention (13 Mitarbeiter, Kunden: Thomas Cook, Freenet, Universal McCann u. a.) Schritt für Schritt bis Ende 2006 zum führenden Anbieter der Branche Deutschlands machen. 20 neue Mitarbeiter müssen gefunden werden.

„Pubertätsbegleitung“ nennt sie die Aufgabe, die ihr „wahnsinnig viel Spaß“ macht. Sie sieht Newtention „gut aufgestellt“, der Online-Werbemarkt wächst. Unternehmensgründer Marco Klimkeit (26) soll weiterhin für die Strategie verantwortlich sein. Er vertraut der Interimsmanagerin: „Sie verfügt über exzellente Branchenkenntnisse im Werbe- und Kommunikationsmarkt und ist mit der IT vertraut. Das ist für uns eine perfekte Kombination.“

Eine Interimsmanagerin, die sich zu einer „Heirat“ mit dem Unternehmen entschieden hat, ist Beate-Ulrike Köhler. Die 41-jährige Finanzexpertin wurde im September 2001 von der Frankfurter Beteiligungsgesellschaft Global Capital Europe als „Feuerwehrfrau“ ins Neu-Isenburger Softwareunternehmen Matrix42 geschickt. Es galt, einen Brand zu löschen, der die Firma zu vernichten drohte. Wie viele andere Betriebe der Branche hatte Matrix42 große Liquiditätsprobleme.

Beate-Ulrike Köhler krempelte die Ärmel hoch, strich Kosten und in zwei Schritten fast die Hälfte der 90 Arbeitsplätze. Die Entlassungen fielen ihr nicht leicht: „Vor allem die letzten. Denn je länger man in einer Firma ist, desto schwerer ist das.“ Doch die Radikalkur hatte Erfolg. Im Februar 2002 schrieb Matrix42 wieder schwarze Zahlen auf Monatsbasis. Im Oktober des Jahres entschied sich die Betriebswirtin, einen Festvertrag als Chief Financial Officer zu unterschreiben. „Ich hatte Herzblut entwickelt.“ Heute ist Matrix42 als unabhängiger, deutscher Hersteller im Markt für System-Management-Lösungen etabliert, die Mitarbeiterzahl ist wieder auf 80 gestiegen. JÜRGEN HOFFMANN

www.aimp.de

Markt der „Leih- manager“ wächst jährlich um 30 %

Von Jürgen Hoffmann

Stellenangebote im Bereich Technische Leitung

Infraserv GmbH & Co. Höchst KG-Firmenlogo
Infraserv GmbH & Co. Höchst KG Ingenieure (m/w/d) Fachrichtung Bau und Architektur Elektrotechnik Versorgungstechnik Frankfurt am Main
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Leiter (w/m/d) im Bereich Software and System Quality Automatisiertes Fahren Garching bei München
Knauf Insulation GmbH-Firmenlogo
Knauf Insulation GmbH Leiter (m/w/d) Instandhaltung Simbach am Inn
Parker Hannifin Manufacturing Germany GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Parker Hannifin Manufacturing Germany GmbH & Co. KG Ingenieur / Techniker als Teamleiter Produktion – CNC-Fertigung (m/w/d) Schloß Holte-Stukenbrock
FICHTNER GmbH & Co. KG-Firmenlogo
FICHTNER GmbH & Co. KG Elektroingenieur als Abteilungsleiter (m/w/d) des Fachbereichs Stromübertragung Stuttgart
Abwasserbetrieb TEO AöR-Firmenlogo
Abwasserbetrieb TEO AöR Technischer Leiter (m/w/d) Telgte
Stadt Bochum-Firmenlogo
Stadt Bochum Sachgebietsleitung für das Energiemanagement (w/m/d) Bochum
DLR Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.-Firmenlogo
DLR Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. Wirtschaftsingenieur/in, Physiker/in, Ingenieur/in Energietechnik, Maschinenbau Stuttgart
Schaeffer Holding GmbH-Firmenlogo
Schaeffer Holding GmbH Geschäftsführer (m/w/d) Berlin
Schaaf Peemöller + Partner Top Executive Consultants-Firmenlogo
Schaaf Peemöller + Partner Top Executive Consultants Bereichsleiter Sondermaschinenbau (m/w/d) Entwicklung und Produktion – Umfassende Gestaltungs- und Führungsaufgabe Niedersachsen

Alle Technische Leitung Jobs

Top 5 Führung