Management

Welches Ziel hat die Marktwirtschaft?

Deutschland war für den früheren Top-Manager Daniel Goeudevert immer ein Vorbild. In den 90er Jahren seien jedoch Moral und soziale Verantwortung bedingungslos dem Shareholder-Denken geopfert worden.

Damit habe die Gesellschaft ihren Anker verloren.
Zehn Jahre nach seinem eher unfreiwilligen Abschied aus dem Vorstand des VW-Konzerns ist Daniel Goeudevert froh, seine Zeit als Topmanager hinter sich zu haben. Die 90er Jahre hätten die Wirtschaft radikal verändert, in atemberaubendem Tempo seien Moral und soziale Verantwortung dem Diktat des Shareholder value und persönlichem Gewinnstreben geopfert worden. Die Gesellschaft habe ihren Anker verloren, beklagte Goeudevert in seiner Vorlesung als Mercator-Professor der Universität Duisburg-Essen.
Nach dem Zusammenbruch des Sozialismus hätte es kein Halten mehr gegeben. Ohne Korrekturen von gegensteuernden Kräften habe die Effizienz des Marktes als alleiniges Kriterium für den Erfolg gegolten – dabei entwickelten sich „völlig verrückte“ Konditionen bei den Managergehältern, die das Prinzip, dass Leistung sich lohnen müsse, aus der Sicht der normalen Mitarbeiter mehr als zweifelhaft machten. „Er zerstörte ein Traditionsunternehmen, zerstörte Arbeitsplätze, produzierte fast ein Erdbeben bei den Menschen in der Region und ging nach Hause mit 60 Mio. DM“, erinnert Goeudevert an den Mannesmann-Verkauf durch Klaus Esser als Beispiel für den Verlust von Ethik in der Wirtschaft.
Der nun anstehende Prozess gegen Ex-Mannesmann-Vorstand Esser und ehemalige Aufsichtsratsmitglieder sei ein Gradmesser dafür, ob Justiz und Politik in der Lage und Willens sind, solche Auswüchse zu sanktionieren, meint der ehemalige Top-Manager. Entscheidend sei, welches Bild sich junge Menschen vor diesem Hintergrund von der Wirtschaft machen können, welche Normen und Werte sie verinnerlichen, von denen sie sich leiten lassen können, wenn sie in der Zukunft Verantwortung zu tragen haben.
Immer wieder werde er auf seinen Vortragsreisen von Studierenden gefragt: Kann man erfolgreich sein und dabei Mensch bleiben?, berichtet Goeudevert. Es sei nun Zeit für eine Reaktion auf die Skandale der letzten Jahre. „Es ist Wahnsinn, was man entdeckt und dann mit viel Zurückhaltung und Klugheit versucht zu verwässern.“ Die in den USA geschaffene Transparenz nach dem Enron-Skandal reiche nicht aus, konstatiert der nach eigenem Bekunden germanophile Franzose, der während seiner Professur nun wieder häufiger seine Koffer in Dortmund, der Heimat seiner Frau, auspacken wird.
Gerade jetzt sei auch wieder zu fragen: Welches Ziel hat die Marktwirtschaft? Die Menschen in diesem System würden zwar so angenommen wie sie sind, mit ihrem Neid, ihrer Besitzgier und ihrem Ausbeutungsdrang, sie würden aber auch so belassen, sogar bestärkt in ihrer Bindungs- und Verantwortungslosigkeit und schließlich entsolidarisiert. Die Marktwirtschaft habe den Kampf gegen den Kommunismus nicht gewonnen, weil sie gerechter, sondern weil sie effizienter ist.
Das Problem der Gerechtigkeit bleibe aber in der Welt und müsse gelöst werden, und im Gegensatz zum Kommunismus biete die Marktwirtschaft den großen Vorteil, dass sie weiterentwickelt, verändert werden kann, ohne ihre Vorteile zu verlieren, erklärt Goeudevert. Innerhalb des weltweit bestimmenden Systems gelte es nun, etwas Neues zu finden, was den Menschen nicht zu kurz kommen lässt.
„Ethik ist dabei ein Korrektiv, um das Versagen des Marktes aufzufangen, auch um Kosten für Kontrolle und mögliche Sanktionen zu senken. Wir brauchen ein gewisses Minimum an ethischem Verhalten: Die Marktwirtschaft funktioniert so besser. „
Es gebe verantwortungsvoll handelnde Manager, häufig in mittelständischen Unternehmen, die nicht in den Medien präsent seien, für die sich kaum jemand interessiere, die ihrer Leistung entsprechend bezahlt würden und die Einsicht besäßen, dass die Mitarbeiter das Hauptkapital eines Unternehmens sind und die Aktionäre nur als Nebeneffekt vom wirtschaftlichen Erfolg profitieren.
Deutschland mit seiner sozialen Marktwirtschaft habe er immer als Beispiel, als Vorbild erlebt, betont der 1942 in Reims geborene Franzose mit über 20-jähriger Erfahrung in den Vorständen der deutschen Niederlassungen von Citroën und Renault, der Ford-Werke AG in Köln und zuletzt als stellvertretender Vorstandsvorsitzender des VW-Konzerns. Aber nun sei dieses Land auf dem besten Wege, nicht mehr zu wissen, wofür es eigentlich steht. Es sei für ihn erschreckend, wie schnell Kultur und soziale Errungenschaften aufgegeben werden, um einer vermeintlich unausweichlichen amerikanischen Dominanz zu entsprechen. „Selbst die schöne Sprache verschwindet. Deutschland ist das Land, in dem Kultur und Traditionen am schnellsten zugrunde gehen“, ist der traurige Eindruck des ehemaligen Konzernlenkers.
Wenn er jetzt nach der Rolle der Betriebsräte frage, würde ihm entgegnet, die seien nur noch froh, ihren Job behalten zu können. Dabei sei der Ausgleich mit den Betriebsräten und den Gewerkschaften auch weiterhin der richtige Weg. „Heute ist ein Wirtschaftskapitän stolz zu vermelden, in seinem Betrieb gibt es keine Arbeitnehmervertretung. Er redet dann nur noch mit sich selbst und ist natürlich mit allem einverstanden. Das ist eine Katastrophe,“ urteilt Goeudevert überraschend heftig. „Wir sind als Menschen aber nicht einfach unserem Schicksal ergeben, sondern es liegt an uns, wie wir unsere Welt gestalten“.
MANFRED BURAZEROVIC

Von Manfred Burazerovic

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