Management

Washingtoner Wohltäter waren oft erfolgreiche Bosse

Amerikanische Top-Manager setzen ihre Karriere oft erfolgreich in der Politik fort – im Gegensatz zu ihren deutschen Kollegen.

Für US-Finanzminister Robert Rubin war die Entscheidung nicht schwer. Sein Freund Bill Clinton hatte ihn gefragt, ob er als Kassenwart an Bord kommen wolle. „Es waren politisch schwierige Zeiten“, erinnert sich Rubin, „ich dachte, daß ich in Washington wichtigeres erreichen könnte als an der Wall Street“. Daß er sich als früherer Präsident des Wertpapierhauses Goldman Sachs für ein politisches Amt zu schade sein könnte, der Gedanke sei ihm nie in den Sinn gekommen.
In zwei Wochen legt der 59-jährige das Amt nieder. Er möchte mehr Zeit mit der Familie verbringen und ganz in Ruhe angeln gehen. Der Lebensweg ist in Amerika keineswegs untypisch: Man profiliert sich erst in der Privatwirtschaft und geht gewissermaßen als Wohltäter in die Politik. Rubin verabschiedete sich immerhin mit einem Vermögen von über 100 Mio. Dollar von der Wall Street. Das Einkommen des Finanzministers liegt jährlich bei umgerechnet 230 000 DM.
Mit Ausnahme Großbritanniens, wo der Wechsel von einer Spitzenposition in der Privatwirtschaft in die wesentlich schlechter bezahlte Politik ebenfalls zur Tagesordnung gehört, erlebt man in Europa und vor allem in Deutschland fast ausschließlich Karrierepolitiker und Bürokraten.
Die Gründe sind zahlreich. „Zum einen ist das Verhältnis von Politik zu Wirtschaft ein ganz anderes“, erklärt der Unternehmensberater Stephen Crystal. „In der US-Industrie hat man mehr Respekt vor öffentlichen Ämtern. Im Kabinett eines Präsidenten zu dienen, ist selbst für das Vorstandsmitglied eines Top-Unternehmens eine Ehre“. Ein Frankfurter Spitzenbanker dagegen würde es sowohl finanziell als auch vom Prestige her als Abstieg betrachten, wenn ihm der Posten eines Finanzstaatssekretärs angeboten wird.
Daß dies in Amerika anders gesehen wird, belegt das Beispiel Frank Newmans, der eine Traumgage im Banking aufgab und als Staatssekretär zur US-Treasury nach Washington ging. „Diese Reihenfolge von Karrierestationen“, davon ist Crystal überzeugt, „wäre in Europa schwer denkbar. Der umgekehrte Sprung von der Politik in die Wirtschaft schon eher“. Als prominentes deutsches Beispiel fällt Crystal nur Sparkassenpräsident Horst Köhler ein, der vorher Bonner Staatssekretär war.
Historische Beispiele gibt es in Amerika in Hülle und Fülle. So trat der Finanzier und Banker Andrew Mellon als einer der reichsten Männer der USA 1921 das Amt des Finanzministers an. Er setzte nach dem ersten Weltkrieg reihenweise Steuersenkungen durch, die die Wirtschaft ankurbelten und den Schuldenabbau beschleunigten. Der Privatbankier gilt als der erfolgreichste Finanzminister der Vereinigten Staaten.
Rubin genießt ähnlich hohes Ansehen. Unter seiner Regie vollzog sich eine dramatische Haushaltskonsolidierung. Nachdem die Clinton-Administration 1993 vom republikanischen Vorgänger Bush das Rekorddefizit von 290 Mrd. Dollar erbte, erwirtschaftete Rubin für den Fiskus zum ersten Mal seit dreißig Jahren schwarze Zahlen.
Experten führen dies auf die rein betriebswirtschaftliche Betrachtungsweise eines Spitzenmanagers zurück. „In der Privatwirtschaft müssen Zahlen und Bilanzen stimmen“, erklärt Crystal, „während Karrierepolitiker nebulös von geringeren Zuwachsraten bei der Neuverschuldung reden“.
Aber auch in Amerika haben Führungskräfte in der Politik keineswegs immer reüssiert, insbesondere wenn es um eine Präsidentschaftskandidatur ging. Der exzentrische Milliardär Ross Perot etwa bekam 1992 zwar 20 % der Wählerstimmen, war aber mehr Störenfried als ernstzunehmender Kandidat. George Bush Junior, der sein Geld im Ölgeschäft machte, und später als einer der Besitzer der Texas Rangers Baseball Mannschaft 15 Mio. Dollar dazu verdiente, gilt als erster Mann aus der Privatwirtschaft, der ernsthafte Chancen auf das höchste politische Amt der Welt hat.
Auch Bill Clinton hatte nicht immer Glück. Er holte sich Roger Johnson, den früheren Vorstands-Chef des Computerunternehmens Western Digital nach Washington. Als Vorsitzender der General Services Administration, der obersten Einkaufsbehörde der US-Regierung, realisierte Johnson beachtliche Ersparnisse von mehr als 10 Mrd. Dollar pro Jahr. Als er allerdings einen Mitarbeiter bat, seinen Mercedes in die Waschanlage zu bringen, artete der Faux-pas zu einem kleinen Skandal aus. Johnson verteidigte sich, in der Privatwirtschaft hätte er das jederzeit einem Untergebenen auftragen dürfen. Doch bei Western Digital arbeiten eben keine Beamte. Roger Johnson mußte sein Washingtoner Amt wieder abgeben.
PETER DE THIER
US-Finanzminister R. Rubin war früher Chef des Wertpapierhauses Goldman Sachs.

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