Jedes Jahr die gleiche Frage 13.12.2002, 18:23 Uhr

Waschpulver vom Chef

Was schenken wir unseren Kunden? Stollen, Spenden – oder einfach mal gar nichts? Die Ideen reichen von lieblos über traditionell bis praktisch. Jetzt ist die Zeit, in der die Marketingabteilungen wieder Geschenkekataloge wälzen.

Beim Internetversender „Artedona“, der sein Programm auszugsweise auch als Katalog anbietet, finden sie beispielsweise Schlüsselanhänger aus Sterlingsilber oder ein Winterset mit Lammwollschal. Gesammelt hat das Angebot der frühere Nixdorf-Chef Klaus Luft, der den Versender aufgebaut hat. Für ihn gäbe es nichts Schöneres als Schenken, versichert der Ex-Industriemanager.
Leider sieht das nicht in allen Unternehmen so aus. Die Qual der Wahl führt oft zu plan-, lieb- oder wertlosen Entscheidungen. Am einfachsten haben es diejenigen, deren Produktion etwas fürs Weihnachtspräsent abwirft.
Der Münchner Etikettenhersteller Schreiner beispielsweise druckt DIN A 4-Bögen mit Weihnachtsetiketten. Dazu packt das mittelständische Unternehmen Kalender, Stollen, Fensterbilder, ein Exemplar der Unternehmenszeitung sowie ein Gedicht, das der Seniorchef jedes Jahr persönlich verfasst.
Weniger persönlich, aber genau so produktbezogen geht es bei Zeiss zu. Die Jenaer verschenken jedes Jahr einen Fotokalender, der mit Objektiven aus dem Hause aufgenommen wurde. 2001 waren es Landschaftsaufnahmen. „Dieses Jahr sind es künstlerisch faszinierende Mikroaufnahmen von Seifenblasen“, freut sich Marc Cyrus. Der Leiter der Unternehmenskommunikation will trotz der Flaute nicht sparen: „Gerade in schwierigen Zeiten ist es wichtig, Kundenbeziehungen zu pflegen.“
In Jena profitieren allerdings nicht nur Kunden, sondern auch Mitarbeiter. Die bekommen einen Zuschuss zur Weihnachtsfeier für das Gänseessen außer Haus und dazu ein Buch über die Unternehmensgeschichte vom Zweiten Weltkrieg bis heute.
So großzügig sind längst nicht alle Unternehmen. Einige entscheiden sich ganz bewusst gegen Geschenke – beispielsweise die Werbeagentur Springer & Jacoby. „Wir sind das ganze Jahr über kreativ“, erklärt Ina Hein, Sprecherin der Hamburger Werber. Da wird Weihnachten mal Pause gemacht.
Auch der Arzneimittelhersteller Maddaus verschenkt seit vergangenem Jahr nichts mehr. „Es bringt nichts“, heißt es aus Köln. Bei Opel gelten gar noch strengere Richtlinien: Es wird weder geschenkt noch angenommen. Anders ist das natürlich bei den Händlern. So hält es auch Konkurrent Ford.
Dort sind die Händler vor allem im Norden aktiv. Während ein Hamburger Ford-Händler über 6000 Kunden zu einer Weihnachtsfeier samt Buffet einlud, die in mehreren Schichten und Tagen abgefeiert wurde, hat sich einer seiner norddeutschen Kollegen auf Regionales konzentriert. Er verschickt gemäß heimischer Sitten jedes Jahr einen Aal, eine Flasche Schnaps und ein Päckchen Schwarzbrot. Der Brauch will, dass das Präsent um Mitternacht genossen wird.
Bei web.de sind Kundengeschenke angesichts von zwölf Millionen Kunden schier unmöglich. Aber das Portal spendet und ruft zum mitspenden auf. „Unter http://spenden.web.de eingegangene Beträge kommen Unicef, Amnesty International oder Greenpeace zugute“, erklärt Pressereferent Michael d´Aguiar.
Weniger international, aber genau so gutherzig, ist das Weihnachtsgeschenk der Mutaris Unternehmensberatung. An den Standorten Lörrach und Basel lassen die Spezialisten für Unternehmensprozesse und Reporting im SAP-Umfeld regionalen Projekten Geld zukommen. „In der Schweiz ist es ein Projekt für aidskranke Kinder, hier ein Verein für herzkranke Kinder“, erklärt Geschäftsführer Kai Krippner. Früher informierte er Kunden noch über den guten, jährlich wechselnden Zweck. Jetzt weist nur die Homepage darauf hin. „Und für besondere Kunden haben wir auch schon mal drei Flaschen Wein“, fügt Krippner hinzu.
Auch T-Mobile spendet. Aber dabei spielen Kinder weniger eine Rolle als die Verteilung der Endkunden. Nach den zahlreichen Opfern der Flut in den Märkten Deutschland, Österreich und Tschechien fließen die Mittel einer Internationalen Organisation für Flutopfer zu.
Praktischer denkt die Marketingabteilung von Henkel. Dort werden jedes Jahr Päckchen mit Waschpulver, Shampoo und Zahnpasta gepackt. So viel Nützlichkeit kommt an. Deshalb erfreuen sich auch die jährlichen Taschenkalender von Siemens einer regelrechten Fangemeinde.
Überhaupt ist Gedrucktes in. So versendet die Lufthansa Technik AG hochwertige Fotokalender mit schwarz-weiß abgelichteten Komponenten. Und Gardena legt seinen Kunden gar das vom Vorstand herausgegebene Buch „Literaten im Garten – Gärten von Goethe bis Rilke“ unter den Tannenbaum.
Mit soviel Großzügigkeit könnte allerdings schnell Schluss sein. Noch gelten Weihnachtsgeschenke als Werbemittel. Der Gesamtverband der Werbeartikel-Wirtschaft (GWW) setzt deshalb in den letzten drei Monaten des Jahres 30 % des Gesamtumsatzes um. In diesem Jahr waren es mit 2,9 Mrd. ‹ schon weniger als in 2001 mit 3,1 Mrd. ‹. Verbandsvorstand Hans-Joachim Evers war bis dato allerdings noch guten Mutes, weil die Unternehmen eher an anderen Medien sparen als an Werbeartikeln. Doch ob Renner wie Elektronik, Schreibartikel oder Sonderanfertigungen – schon im nächsten Jahr könnte Schluss damit sein. „Die Bundesregierung will die steuerliche Absetzbarkeit von Werbegeschenken streichen“, sorgt sich Evers. Darunter fallen auch Weihnachtsgeschenke.
  CORDELIA CHATON

Ein Beitrag von:

  • Cordelia Chaton

    Cordelia Chaton hat einen Master in Business Administration und war Redakteurin für Wirtschaft und Politik u.a. beim Handelsblatt und der Wirtschaftswoche. Sie schreibt vor allem über Management- und Karrierethemen.

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