Management 29.09.2000, 17:26 Uhr

Vorsicht! Geistesblitze schlagen in Firmen ein

Die Bezeichnung „Betriebliches Vorschlagswesen“ klingt verstaubt und bürokratiebehaftet. „Ideenmanagement“ klingt zeitgemäßer und hat mindestens solchen Erfolg.

Das Betriebliche Vorschlagswesen erlebt eine Renaissance. Das deutsche Institut für Betriebswirtschaft (dib) verweist darauf, dass Mitarbeitervorschläge im Jahr mehr als 10 Mrd. DM Einsparung bewirken, legt man ihnen einen durchschnittlichen Nutzungswert von mindestens fünf Jahren zugrunde. Das Finanzministerium erkennt in den dafür gezahlten Prämien nach wie vor eine lohnsteuerpflichtige Arbeitseinnahme, auf die nicht verzichtet werden könne. Beide aber sind sich darin einig, dass dieses Ertrag reiche Medium schon lange einen besseren Namen verdient hat. Sie begrüßen die erst vor wenigen Jahren erfolgte Umfirmierung in den Zeit gemäßeren Terminus „Ideenmanagement“ uneingeschränkt.
Führungskräfte gelten nicht mehr als Behinderer von Mitarbeitervorschlägen, sondern stehen im Mittelpunkt des neuen „Ideen-Prozesses“. Die Fristen der Benachrichtigungen von Ideengebern haben sich – vor allem durch Computerhilfe – erheblich verkürzt, was dazu beigetragen hat, dass die Ergebnisse des Ideenmanagements qualitativ und quantitativ gewachsen sind. Dennoch verfügt dem dib zufolge nicht mehr als ein Drittel der deutschen Firmen über ein funktionierendes Ideenmanagement.
So wurden 1998 bei DaimlerChrysler 76 Mio. DM durch Mitarbeitervorschläge eingespart. Bei Siemens waren es mehr als 222 Mio DM. Die dafür gezahlten Prämien lagen bei DaimlerChrysler bei mehr als 26 Mio. DM. Im Hause Siemens überstiegen sie die 38-Mio.-DM-Grenze. Dabei haben beide Unternehmen eine „Höchstprämie“ eingeführt, die Prämienzahlungen nur bis 250 000 DM zulässt.
Gleichzeitig wurde die Bedeutung des Motivationsfaktors wieder entdeckt. Bei Siemens betont Zentralvorstandsmitglied Prof. Peter Pribilla: „Es liegt an uns, unsere Mitarbeiter über erstklassige Produkte, interessante Aufgaben und hervorragende Weiterbildungsmöglichkeiten so zu motivieren, dass sie ihr gesamtes Potenzial an Ideen und Verbesserungsvorschlägen immer wieder in das Unternehmen einbringen.“
Bei dem Elektro-Riesen hat man dem neuen Ideenmanagement einen zusätzlichen neuen unternehmenseigenen Namen gegeben und nennt es „3 i-Programm: ideen, impulse, initiativen“. In diesem Rahmen hat ein Mitarbeiter durch einen Verbesserungsvorschlag das Jahrtausendproblem der Datenumstellung für 75 000 Kassen-PC gemeistert und damit eine Einsparung von weit über 2 Mio. DM ermöglicht. Er erhielt die Höchstprämie von 250 000 DM. Die Beteiligung der Beschäftigten beträgt in dem Elektrokonzern bisher ca. 30 %.
Dass auch schlichtere Vorschläge für Unternehmen wie Mitarbeiter lohnend sein können, hat ein Mitarbeiter im Getriebewerk der DaimlerChrysler AG in Untertürk-heim gezeigt. Er stellte fest, dass teuer gefertigte Metallschrauben durchaus nutzungsgerecht durch Kunststoffschrauben ersetzt werden konnten. Die damit bewirkte Jahreseinsparung betrug nach Angaben des Hauses mehrere Tausend Mark. Insgesamt beteiligen sich bei DaimlerChrysler heute 22 % der Mannschaft am Vorschlagswesen, das auch wesentliche Unterstützung im Intranet des Unternehmens findet.
Bei der Einsatzbewertung der Vorschlags-organisation durch das dib liegt die Adam Opel AG an der Spitze: Bei ihr reichen mehr als 50 % der Mitarbeiter Verbesserungsvorschläge ein, im Werk Eisenach sind es sogar fast 100 %. Die 1999 erreichte Jahreseinsparung wird mit 130 Mio. DM angegeben. Einem Mitarbeiter vom Prototypenbau des Internationalen Technischen Entwicklungszentrums gelang eine Vereinfachung beim Einbau von Türen in die Rohkarosserie. Das verbesserte die Präzision und reduzierte obendrein die Arbeitszeit, so dass dem Unternehmen eine Produktionseinsparung von 650 000 DM zugute kam.
Wie wichtig und erfolgreich eine wir-kungsvolle Werbung für das Ideenmanagement sein kann, zeigt das Beispiel des Maschinenbauers und Wälzlagerherstellers FAG Kugelfischer in Schweinfurt. Dort hat man sich eine FAG-Ideenclub-Nadel ausgedacht, die mit Diamant-, Gold-, Silber- und Bronzenadeln die Einsparungsergebnisse zusätzlich zu der 20 % Prämie auszeichnet. Hinzu kommen Verlosungen unter mehrfach Prämierten mit attraktiven Preisen sowie weitere Einsätze im Rahmen eines ausgefeilten Anreizsystems.
Diese nutzbringenden Ideen und motivierten Mannschaften setzen geordnete Abläufe voraus. Das heißt, auch das moderne Ideenmanagement bleibt auf Betriebsvereinbarungen und Ablaufprogramme angewiesen. Ob Vorschläge anonym oder namentlich erfolgen können, welche Rechte der Einreicher hat und ob alle eingereichten Ideen archiviert oder zurückgegeben werden sollen – all das will geregelt sein. Nur ganz vereinzelt sind Unternehmen allerdings bereit, für die Vorschlagsprämien ihrer Mitarbeiter auch die Steuer zu übernehmen. Selbst für kleinere Prämien bis zu 500 DM, denen bis in die 80er Jahre Steuerfreiheit gewährt wurde, ist heute keinerlei Erleichterung in Sicht. Umso mehr bleibt die Prämienzumessung ein Zünglein an der Waage für den Erfolg des Ideenmanagements und damit für das Unternehmen, in dem es angewandt wird. ROSEMARIE FIEDLER-WINTER
Die Autorin arbeitet zurzeit an einem Buch zum Thema „Ideenmanagement“, das Anfang des kommenden Jahres im verlag moderne industrie erscheint.

Ein Beitrag von:

  • Rosemarie Fiedler-Winter

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