Personalmanagement

Vom Schock zur neuen Chance

In völlig anderen Aufgabenbereichen als zuvor finden sich häufig Fach- und Führungskräfte wieder, die nach ihrer Entlassung eine neue Anstellung über ihren Outplacement-Berater erhielten.

Die Nachricht traf Bernd Siemers (Name von der Redaktion geändert) wie ein böser Schlag. „Tagelang konnte ich kaum denken, nicht handeln“, erinnert sich der promovierte Chemiker. Wie in Trance sei er Auto gefahren, ziellos herum gelaufen. Ein tiefer Schock hatte Siemers in einen psychologischen Abgrund gestürzt. Dem 45-Jährigen war die Kündigung mitgeteilt worden, nach neun Jahren als Projekt- und Bereichs-Controller in einer Chemiefirma. Begründung: Der Bereich werde verlagert.
„Wir wußten, daß neu strukturiert wird. Aber ich habe nie mit der Entlassung gerechnet“, sagt Siemers. Der erfahrene Manager hatte Glück. Sein Arbeitgeber verpflichtete einen Outplacement-Berater. Ziel dieser Variante von Unternehmensberatung ist es, eine für beide Seiten sinnvolle Lösung bei der Trennung von Mitarbeitern zu gestalten. Das gilt für Fach- und Führungskräfte, aber auch für gewerbliche Mitarbeiter und Angestellte. Natürlich ist die Kündigung immer eine negative Erfahrung. Outplacement kann jedoch helfen, den Druck aus einer forcierten Trennung zu nehmen. Nämlich genau dann, wenn ein Arbeitgeber einen unliebsamen Mitarbeiter wegloben möchte.
Für Bernd Siemers zumindest fand sich ein Weg: Nach intensiven Gesprächen mit dem Outplacement-Spezialisten stand fest, daß er die Stellung eines kaufmännischen Leiters anstreben möchte. „Das Verarbeiten der Entlassung und die Einordnung meiner Talente und Wünsche, das war extrem schwierig“, gesteht Siemers. Die eigentliche Jobsuche hingegen war kaum ein Problem. Noch vor Ablauf des alten Arbeitsvertrags unterschrieb er einen neuen, in der angestrebten Position bei einem mittelständischen Handelsunternehmen.
Der Ursprung von Outplacement liegt in den USA. Seit Mitte der 60er Jahre sorgt dort eine ganze Beratergilde dafür, daß Beschäftigte nach einer Kündigung gar nicht erst in die Arbeitslosigkeit fallen. Der Auftraggeber erspart sich Imageschäden, wird seiner sozialen Verantwortung gerecht und beweist den verbleibenden Mitarbeitern, daß auch sie im Falle eines Falles mit Unterstützung rechnen können. Bei Erfolg des Outplacements entstehen zudem keine Kosten für mögliche Prozesse sowie für Abfindungen bei teuren Aufhebungsverträgen. Für die betroffenen Mitarbeiter gilt es, das Beste daraus zu machen, und den verlorenen Arbeitsplatz als eine neue Chance zu betrachten. „Häufig stehen sie vor dem Einstieg in ein neues, attraktives Umfeld, weil sie die Möglichkeit zur beruflichen Neuorientierung nutzen“, sagt Uwe Kern, Geschäftsführer der auf Outplacement spezialisierten Unternehmensberatung Dr. Stoebe, Kern & Partner aus Ahrensburg.
Ob Einzel- oder Gruppenberatung – immer sollen die Menschen auf die neue Situation eingestellt, der Schock in Motivation gewandelt werden. Die Analyse ergibt, wer genau was kann und welches Ziel verfolgt. Bewerbungstraining sowie die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz sind weitere Angebote. Die Erfolgsquote bei Fach- und Führungskräften läge bei bis zu 98 %, behaupten einige Berater. Wichtig sei, die Trennungshelfer noch vor der Kündigung von Mitarbeitern ins Haus zu holen, um unnötige Konflikte zu vermeiden.
„Selbstbewußtsein und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gehen gar nicht erst verloren“, bestätigt Hermann Wessling. Der Personalleiter von PLM Glashütte hatte 1998 als Teil des Sozialplans für 70 Mitarbeiter Outplacement gebucht. Unmittelbar nach dem Kündigungsgespräch fanden beim zweitgrößten Arbeitgeber in Bad Münden die ersten Beratungsgespräche statt. Die Mitarbeiter aus dem gewerblichen Bereich erhielten dann ein Bewerbungstraining sowie vier Führungskräfte das individuelle Coaching. „Drei davon haben schnell einen neuen Job gefunden“, bilanziert Wessling und empfiehlt Unternehmen, die freisetzen, frühzeitig ein klares Konzept mit einer klaren Botschaft zu formulieren. Das würde beim Betriebsrat sicher auf breite Zustimmung stoßen.
Nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) verzeichnete die Branche in den vergangenen beiden Jahren Umsatzsteigerungen von 14 % bzw. 15 %. Insgesamt setzte die Branche, der laut BDU hierzulande rund 30 Unternehmen angehören, 1998 etwa 55 Mio. DM um. „Mit diesem Wert sind wir im europäischen Vergleich Entwicklungsland“, schränkt Herbert Mühlenhoff ein. Der Düsseldorfer Outplacement-Berater ist derzeit Präsident der Branchensektion im BDU. Mühlenhoff schätzt, daß die Trennungshelfer in den Niederlanden mehr als 80 Mio. DM, in Frankreich und Großbritannien sogar rund 250 Mio. DM pro Jahr umsetzen. „In Holland lassen sich Manager sogar in ihre Arbeitsverträge das Recht auf Outplacement schreiben“, weiß Uwe Kern.
Der Arbeitsmarkt verändert sich grundlegend. Etliche Fusionen, Konkurse, schlankere Führungsstrukturen, internationale Verflechtungen oder Auslagerungen von Bereichen sorgen für eine radikale Änderung. Lebenslange Betriebszugehörigkeit ist nicht mehr die Regel. „Wir schätzen, daß inzwischen pro Jahr etwa 30 000 Führungskräfte in Deutschland einen neuen Job suchen“, meint Mühlenhoff. „Etwas mehr als 2000 werden durch Outplacement unterstützt.“ Der Begriff Karriere müsse laut Uwe Kern konsequenterweise neu definiert werden. Trennungen , so die hoffnungsvolle Ansicht des Beraters, wären künftig immer weniger mit persönlichem Desaster, Gesichtsverlust oder sozialem Abstieg verbunden.
Outplacement-Beratung im Rahmen eines Sozialplans oder einer ähnlichen Betriebsvereinbarung wird auch von den Landesarbeitsämtern unterstützt. Ständig überlastet, sind sie natürlich daran interessiert, daß sich Firmen selbst helfen und Mitarbeiter aus eigener Kraft motivieren, qualifizieren und weitervermitteln. Allein das Landesarbeitsamt Nordrhein-Westfalen hat bis Ende September 1999 schon 19 Outplacementprojekten mit Finanzmitteln unter die Arme gegriffen.
MATTHIAS KUTZSCHER/WS
Mehr als ein schwaches Licht am Horizont? Mit Outplacement sollen sich für viele Fach- und Führungskräfte neue berufliche Türen öffnen.

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