Management

Vom FC Bayern siegen lernen

Sie sammeln Titel wie kein anderes deutsches Fußballteam, und bleiben trotzdem hungrig nach mehr. Das Erfolgsrezept des FC Bayern München lässt sich auch auf andere Branchen übertragen, ist Buchautor Hagen Rudolph überzeugt.

Kein Wenn und Aber, kein Lamentieren: „In dieser Saison muss der FC Bayern München Deutscher Meister werden. So ist es, und so war es schon immer.“ Trainer Ottmar Hitzfeld weiß, was er den Fans des größten und erfolgreichsten Fußballklubs der Republik schuldig ist. 25 Mio. € hat der Bundesliga-Krösus investiert, um in dieser Saison der Konkurrenz zu enteilen. Erfolg heißt für die Bayern, nicht irgendwo in der Spitze zu landen, sondern die Nummer Eins zu sein. Dass die nationale Meisterschaft, die am vergangenen Wochenende begann, so langweilig zu werden droht wie die Tour de France mit dem Seriensieger Lance Armstrong, ist nicht das Problem des Münchner Star-Ensembles. „Die Bayern können sich nur selbst schlagen“, befürchtet Klaus Toppmöller, Trainer von Bayer Leverkusen.
Wer gut wirtschaftet, der steht auch sportlich auf dem Siegertreppchen. Und wer seine Ziele nicht im Verborgenen hält, sondern das maximal Mögliche anstrebt und artikuliert, wird letztlich auch Erfolg haben. „Bayern München ist für mich ein besonders gelungenes und anschauliches Beispiel vorbildlicher Unternehmensführung“, meint Dr. Hagen Rudolph. Der Wirtschaftssoziologe legt mit seinem neuen Buch „Management der ersten Liga – Mit den Strategien des FC Bayern München zum Erfolg“ eine Lektüre vor, die so manches Seminar für Unternehmensführung überflüssig machen soll. „Die Bayern eignen sich auch deshalb so wunderbar, weil ihre Hauptakteure der breiten Öffentlichkeit bekannt und die Strukturen besser überschaubar sind als die eines größeren Unternehmens. Vom Personalmanagement bis zum Umgang mit Krisen und Konflikten können Top-Manager viel von erfolgreichen Sportklubs lernen“, ist Rudolph überzeugt.
Das Erfolgsrezept der Bayern ist 102 Jahre alt. Schon bei seiner Gründung umgab sich der Verein mit der Aura des Exklusiven. Nur wer einen bestimmten Bildungsgrad vorzuweisen hatte, durfte mitspielen. Zu erkennen waren die „Vorfahren“ von Beckenbauer, Breitner und Kahn an französischen Strohhüten. „Der Klub hat konsequent an seiner Corporate Identity festgehalten“, weiß Rudolph. „Die Bayern sind damit zu einem einzigartigen Markenartikel mit hohem Qualitätsanspruch geworden. Davon kann sich so manches Unternehmen eine Scheibe abschneiden.“ Dabei stört es die Protagonisten um Präsident Franz Beckenbauer nicht, dass die Bayern zwar so viele Anhänger wie wohl kein anderer deutscher Verein haben, aber auch die Meistgehassten der hiesigen Fußballszene sind. Mit dem Image leben die anderen Bundesligisten nicht schlecht: Wenn die Fußball-Millionäre anreisen, sind die gastgebenden Stadien meist schon Wochen vorher ausverkauft. Von den sportlichen Maßstäben, die die Münchner setzen, ganz zu schweigen.
Wenn die Medien auch in Kaiser Beckenbauer die Lichtgestalt des deutschen Fußballs sehen, ist es Manager Uli Hoeneß, der den FC Bayern zu seiner heutigen Größe gepuscht hat. Schlitzohr, Machtmensch, Querdenker oder sozial engagierter Unternehmer sind nur einige Attribute des ehrgeizigen Ex-Nationalspielers, der puterrot anläuft, wenn sich Personen oder Abläufe nicht seinem Willen unterwerfen.
Rudolph: „Dieser begabte Visionär hat beispielsweise die Fernsehgelder in die Höhe geschraubt oder den Fanartikelverkauf ausgebaut und professionalisiert, sich also mehrfach als Trendsetter der Liga bewiesen und damit auch anderen Vereinen zu viel Geld verholfen. Er ahmt niemanden nach, er sieht Entwicklungen wie kaum ein anderer voraus, ist sich aber auch nicht zu schade, Errungenschaften anderer Branchen zu übernehmen.“
Mit seiner oftmals aggressiven Medienpräsenz passt Hoeneß prima ins Vereinsbild, das die einen als großspurig und arrogant, andere als selbstbewusst empfinden. „Hoeneß liebt es, zu polarisieren. Damit kommt er den Erwartungen von Fans und Gegnern entgegen. Man weiß eben, was man an den Bayern hat.“ Ähnliche Verhaltensmuster stünden anderen Unternehmen ebenfalls gut zu Gesicht: Auch wenn einige Leute bestimmte Außenwirkungen ablehnen – Rudolph führt beispielhaft die umstrittene Benetton-Werbung an –, fallen solche Initiativen auf, sie graben sich ins Gedächtnis der Konsumenten ein. „Ob das letztlich zum Erfolg führt, bleibt dahingestellt“, lässt Rudolph offen. Zunächst aber ist es wichtig, überhaupt wahrgenommen zu werden. „Mit einem Softie-Image kommt man über ein Mitläuferdasein nicht hinaus.“
Ein Jahr der Dürre bedeutet für die betuchten Bayern keinen Beinbruch. Im Gegenteil: „Hält man den Erfolg für selbstverständlich, flacht automatisch die Leistungsbereitschaft ab. Nach der letzten Saison, in der die Bayern keinen Titel errungen haben, ist die Motivation nun wieder deutlich gestiegen. Sie mussten feststellen, dass 80 % bis 90 % Aufwand nicht reichen.“
Noch vor wenigen Jahren hätte eine Flaute aus dem FC Bayern über Nacht den „FC Hollywood“ gemacht. Unzufriedene Spieler wandten sich an die ihnen wohlgesonnene Presse, und brachten damit eine Lawine an Gegendarstellungen ins Rollen. Unter Trainer Hitzfeld hat das Schmutzige-Wäsche-waschen ein Ende. Konflikte werden im internen Kreis geregelt, Interviews müssen die Spieler vor Veröffentlichung Pressesprecher Markus Hörwick vorlegen. Das heißt dann offiziell nicht Zensur, sondern „Schutz der Spieler und Schaden vom Verein fern halten“ (Hitzfeld im „Kicker Sportmagazin“), oder kürzer: effektives Krisenmanagement.
Von flachen Hierarchien kann beim FC Bayern München, Verein und Aktiengesellschaft gleichzeitig, nicht die Rede sein. Im oberen Management regieren Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender Beckenbauer, Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge und dessen Stellvertreter Uli Hoeneß. Leute, die wissen, wovon sie reden. Alle reiften bei den Bayern zu Weltklassespielern. „Der Verein hat sie groß gemacht. Ihre Tätigkeit ist mehr als nur ein Job. Die enge Verzahnung von Erfolgsorientierung und der Aufrechterhaltung einer Art Familienunternehmen trägt zur Treue von Mitarbeitern und Anhängern bei.“ Und das, obwohl die Bayern längst global tätig sind. Ein weltweit gespanntes Scout-Netz versorgt die Geschäftsstelle an der Säbener Straße mit Informationen über Gegner und Talente, die eine intensivere Beobachtung wert sind.
Im mittleren Management ist Hitzfeld mit seinem Trainerteam die entscheidende Figur, während im unteren die Spieler ihre hoch dotierten Knochen hinhalten. „Man braucht, um Erfolg zu haben, Häuptlinge und Indianer“, meint Rudolph. Dass das „Fußvolk“ glänzend honoriert wird, hält der bekennende Bayern-Fan für selbstverständlich: „Die Spieler sind zwangsläufig teuer. Mit zweitklassigen Mitarbeitern kann man kein erstklassiges Unternehmen führen.“ Wer die erforderliche Leistung nicht mehr bringt, darf nicht jammern, der muss gehen – egal, welcher Hierarchiestufe er angehört. „Diesem Erfolgsdruck hält natürlich nicht jeder stand, aber er ist Voraussetzung für den Erfolg.“ W. SCHMITZ

Literatur
Management der ersten Liga
Der Wirtschaftswissenschaftler Dr. Hagen Rudolph (40) erforscht seit 1993 Strategien und Erfolgsfaktoren im Management. Der Experte für Strukturen japanischer Großunternehmen ist Dozent an der FH Lüneburg.
Rudolph, Hagen: Management der ersten Liga, Haufe Verlag, Planegg, 2002, 250 S., 24,95 €.. ws

Von Schmitz

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