Management

Visionen des Chefs sind der Antrieb zum Erfolg  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 2. 3. 07, ciu – Globalisierung ist bei der Wittenstein AG in Igersheim im positiven Sinne gegenwärtig. Die Exportquote des Spezialisten für Antriebstechnik liegt bei über 60 %. Die Weltmärkte, in denen das Unternehmen tätig ist, werden durch Pflanzen aus der jeweiligen Region im Unternehmensgarten repräsentiert. Doch bei allem Erfolg in der Ferne schätzt der Chef Manfred Wittenstein die Nähe zu seinen Mitarbeitern.

Jedem seiner Mitarbeiter vermittelt der Firmenlenker Manfred Wittenstein das Gefühl, dass er so wichtig ist wie der Chef selbst. Alle haben bei dem gleichnamigen Antriebsspezialisten mit Sitz in Igersheim einen großen Freiraum, arbeiten eigenverantwortlich. Wittenstein will erreichen, dass seine Mitarbeiter Arbeiten und Leben als Einheit sehen. „Ich glaube, auf jeden Fall müssen Familienunternehmen das Gefühl der Solidarität entwickeln. Das, was die Familie ausmacht und im Unternehmen darstellt, ist das Füreinandereintreten. Für uns heißt das: weniger Shareholder-Value und weniger Orientierung an rein ökonomischen Daten.“

Diese Firmenkultur – die Art der Mitarbeiterführung und des Zusammenarbeitens – bringt der Wittenstein-Gruppe jährlich nicht nur neue Rekordergebnisse. Das Unternehmen hat in den vorigen zehn Jahren durchschnittlich ein zweistelliges Umsatzwachstum pro Jahr erreicht. 2005/2006 konnte der Mechatronikspezialist seinen Umsatz um 14,8 % auf einen neuen Rekordwert von 133 Mio. € steigern. Für 2006/2007 wird ein Umsatz von 150 Mio. € erwartet.

Alle sollen sich bei ihm „wohl fühlen“, das ist Wittenstein wichtig. So gibt es nicht nur einen Fitnessraum, einen Beachvolleyball- und Grillplatz, eine Bibliothek und wechselnde Kunstausstellungen im Haus. Auch die Aus- und Fortbildung nimmt einen hohen Stellenwert ein. Für alle Mitarbeiter werden kostenlos Weiterbildungen angeboten, u.a. in der hauseigenen Akademie.

Die Wurzeln der Wittenstein AG sind beim der Firma Dewitta zu finden, die seit 1949 Nähmaschinen zur Handschuhfertigung herstellte. Als die Nachfrage sank, wurde Ende der 70er-Jahre das Produktprogramm umgestellt: 1984 wurde die Tochterfirma alpha getriebebau gegründet, die sich auf spielarme Planetengetriebe und Aufzugsantriebe spezialisierte.

Durch den Aufbau von Kompetenzen in den Bereichen Elektronik, Software, Sensorik ist die Wittenstein-Gruppe heute Spezialist für mechatronische Antriebssysteme. Produkte des Igersheimer Hightech-Unternehmens sind überall dort zu finden, wo äußerst präzise angetrieben, gesteuert und geregelt werden muss. Sie sind in Airbus-Flugzeugen ebenso zu finden wie in der Medizintechnik beim Knochenaufbau. „85 % des Umsatzes werden mit Produkten erwirtschaftet, die jünger als fünf Jahre sind“, betont der Firmenchef. „Bei uns sagt keiner, das haben wir schon immer so gemacht.“

Wittenstein selbst hätte sich auch ein Leben als Wissenschaftler, Testpilot, Arzt oder Diplomat vorstellen können. Doch seine Studienzeit an der Technischen Universität in Berlin gab den Ausschlag. „Visionen in Produkte umzusetzen“ wurde sein Ziel. „Ich freue mich, wenn ich Menschen begeistern kann, mit anzupacken, um Visionen zu realisieren.“

Die Pläne des Chefs gehen weit über das Erreichte hinaus. Wittenstein ist davon überzeugt, dass mit den Visionen der deutschen Maschinenbauer noch viele Probleme gelöst werden können, die die Menschen derzeit bedrücken. Dennoch wünscht er sich beispielsweise eine noch bessere Forschungsförderung an den deutschen Universitäten und eine stärkere Technikvermittlung in den deutschen Schulen.

Deshalb engagiert sich der Unternehmer in der von Bundesforschungsministerin Dr. Annette Schavan Mitte 2006 gegründeten „Forschungsunion Wirtschaft-Wissenschaft“. „Ich werde meine Erfahrungen und meine Forderungen in dieses Gremium einbringen und mich dafür einsetzen, Innovationen und Hightech-Strategien voranzutreiben. Denn wir fördern oft nicht die Experten, die wir dringend brauchen. Und wir müssen den Spitzenkräften heute und hier in Deutschland eine Chance geben, sich in einem vernünftigen, kreativen Umfeld zu entfalten, in dem sie Verantwortung übernehmen und ihre Ideen entwickeln können.“

Um in Zukunft erfolgreiches Mitglied im Kreis der „Global Player“ zu bleiben, müsse Deutschland sein derzeit größtes Problem überwinden, so Wittenstein: „Die viel zu schleppende Anpassungsfähigkeit der gesamten Gesellschaft. Denn der Trend ist eindeutig: Die Halbwertzeit für Produkt- und Prozessinnovationen wird kürzer, die Geschwindigkeit nimmt immer weiter zu. Berufliche Weiterbildung und Kompetenz sind die zentralen Schlüsselfaktoren für den Produktionsstandort Deutschland.“

Immer wieder gelangt Wittensein so zum Thema Mitarbeiter: „Jeder, der bei uns anfängt, muss kommunikativ sein, sich engagieren und lernen, sich und seine Arbeit zu präsentieren. Er muss begreifen, dass die Unternehmensgruppe Geld verdienen muss, um weiter zu wachsen.“ „Unsere Strategie heißt MINI „, sagte Wittenstein. „Das bedeutet für uns Miniaturisierung, Integration, Netzwerkfähigkeit und Intelligenz. Wir überschreiten mit dieser Strategie Systemgrenzen und stellen Altes infrage. Das macht unheimlich viel Spaß.“ M. SCHÄFER/CIU

Von M. Schäfer/Martin Ciupek

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