Gleichstellung

„Viele versteckte Vorurteile gegenüber Frauen“  

Christoph Dänzer-Vanotti ist Arbeitsdirektor und Mitglied des Vorstands der E.on AG in Düsseldorf. Im Interview mit den VDI nachrichten erklärt er, was E.on alles tut, um qualifizierte Frauen zu fördern und fordert Frauen auf, nicht den Glauben an sich zu verlieren, obwohl sie mit vielen Vorurteilen zu kämpfen haben. VDI nachrichten, Düsseldorf, 28. 8. 09, cha

Dänzer-Vanotti: Das Thema Frauen in Führungspositionen ist für E.on ein bedeutendes Thema, das wir sehr ernst nehmen. Der Frauenanteil bei E.on ist aber noch nicht so groß, wie wir es uns wünschen würden. Rund 27 % aller E.on-Mitarbeiter sind weiblich, jedoch sind nur rund 11 % in Führungspositionen tätig. Diesen Anteil wollen wir unbedingt steigern. Dafür belassen wir es nicht bei den üblichen Maßnahmen wie Flexibilisierung von Arbeitszeitmodellen oder Ähnlichem, sondern wir beschäftigen uns mit den Ursachen in Form von wissenschaftlich anerkannten Untersuchungen und leiten hieraus gezielt wirksame Maßnahmen ab.

Was stellt E.on sich vor?

In unserer Seniormanagement-Ebene arbeiten etwa 2000 Mitarbeiter. 20 % davon sollen zukünftig Seniormanagerinnen sein. Eine Ebene darüber, also im Bereich der weltweit 250 Top-Executives, liegt der Frauenanteil heute bei etwa 5 %. Bis 2012 wollen wir ihn verdoppeln. In einzelnen Bereichen wie Kommunikation oder Human Resource arbeiten bei uns, wie auch in anderen Unternehmen, relativ gesehen bereits viele Frauen. Ziel ist es aber, mehr Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen sowie in Führungspositionen zu beschäftigen.

Das Problem ist heute generell, dass gerade dem Nachwuchs weibliche Vorbilder in Führungspositionen fehlen. Diese Vorbilder wollen wir schaffen und damit jungen Frauen eine mögliche Karriereperspektive aufzeigen. Im Übrigen: Unternehmen, die sich konsequent um die Gleichstellung von Mann und Frau kümmern, verbessern auch ihre wirtschaftliche Erfolgsbilanz.

Im Vorstand arbeiten nur Männer. Wann arbeitet die erste Frau in der Düsseldorfer E.on-Chefetage?

Man kann die Dinge nicht von heute auf morgen ändern. Natürlich wäre es schön, wenn eines Tages auch Frauen im Vorstand wären. Das ist unser Ziel. Aber wir müssen diese Frauen erst einmal konsequent fördern und für die Topebene aufbauen.

Was machen Sie dafür konkret?

Seit 2007 haben wir ein Mentoring Programm aufgelegt und die Frauenförderung zur absoluten Chefsache erklärt. Auch der E.on-Vorstand ist also aufgerufen, persönlich etwas zu tun. So begleitet jedes Vorstandsmitglied als Mentor qualifizierte Frauen aus dem Top-Executive-Bereich und coacht sie, indem man sich regelmäßig trifft, Probleme bespricht und Ratschläge gibt. Ich zum Beispiel berate zurzeit zwei Frauen aus dem oberen Führungskreis.

E.on hat IngE – ein Frauennetzwerk. Was bringt das?

Vier Frauen in Deutschland hatten die Idee, dieses Netzwerk zu gründen. Heute sind über 90 Ingenieurinnen dort Mitglied. Es ist eine Plattform, über die sich Frauen bei E.on vernetzen und sich über berufliche Möglichkeiten und Fachthemen austauschen können. Der Austausch mit anderen Frauen, die mit Erfolg in technischen Berufen arbeiten, motiviert sehr und bietet Vorbilder. Es gibt regelmäßige Treffen, Workshops und Seminare mit Ingenieurinnen aus E.on-Standorten in ganz Europa. IngE nutzt die Kontakte jüngerer Kolleginnen zu Universitäten und selbst in Kindergärten und Grundschulen ist IngE aktiv – dort veranstalten E.on-Ingenieurinnen Projekte, um vor allem Mädchen an technische Themen heranzuführen.

Warum ist Ihnen das Thema so wichtig?

Der Fachkräftemangel ist ein Problem, das uns zukünftig noch lange begleiten wird. Die qualifizierten Frauen gehen uns auf ihrer Karriereleiter immer wieder verloren. Kein Unternehmen kommt auf Dauer ohne die Kompetenz und Motivation von Frauen aus. Wir müssen dieser Entwicklung entgegenwirken.

Es liegt ja nicht unbedingt an dem Nichtwollen der Frauen. Gibt es nicht immer noch in der Berufswelt zu viele Klischees, gegen die Frauen kämpfen müssen?

Es kommen hier unterschiedlichste Faktoren zusammen. Wir haben wissenschaftlich untersuchen lassen, was Gründe sein können, warum Frauen ihre Karriere abbrechen. Bedauerlicherweise hat die Studie ergeben, dass es in der Berufswelt immer noch zu viele versteckte Vorurteile gegenüber Frauen gibt. Ein weiteres Problem ist der so genannte Drehtüreffekt. Dieser entsteht dadurch, dass Frauen sich zwar für technische Berufe entscheiden, dann aber in der Familienphase wieder aus ihrem Beruf aussteigen. Wir als Unternehmen müssen ihnen deshalb einen Anreiz geben, sich für den Verbleib im Beruf zu entscheiden. Gute Aufstiegsmöglichkeiten und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind dafür wichtige Kriterien, um die Hemmschwelle eines Ausstiegs aus dem Job zu erhöhen.

Was machen Sie zur Bekämpfung dieser Vorurteile?

Familie und Karriere in einem großen Unternehmen schließen sich nicht aus. Es gibt bei uns Frauen in Führungspositionen, die die Symbiose von Karriere und Kind leben. Sie sind authentische Beispiele dafür, dass – mit der Unterstützung des Unternehmens – sich beides gut vereinbaren lässt. Etwa Kirsten Fust: Sie ist Technische Leiterin bei E.on Hanse, führt 800 Mitarbeiter und ist Mutter einer kleinen Tochter. Solche Vorbilder helfen, überholte Vorurteile abzubauen. Und die Tatsache, dass wir uns als Vorstände persönlich für Frauen einsetzen, zeigt doch, dass wir nicht nur reden, sondern auch handeln. Das Thema ist uns wirklich sehr wichtig. Wir als Vorstand machen das für alle bei E.on sichtbar. Das Thema wird von oben nach unten gelebt.

Was machen Sie denn, wenn hoch qualifizierte Frauen trotz all Ihrer Maßnahmen den Konzern frühzeitig verlassen?

Wir suchen das persönliche Gespräch und fragen natürlich nach Gründen, bieten ihnen verschiedene Möglichkeiten, sich individuell auf ihre beruflichen, aber auch persönlichen Bedürfnisse hin zu verändern und sprechen Alternativen durch. Wir versuchen, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem alle Mitarbeiter – Frauen wie Männer – sich so entwickeln können, wie es ihren Bedürfnissen entspricht.

Dennoch, auch beruflich erfolgreiche Frauen wollen und müssen Kinder kriegen dürfen – ohne berufliche Einschränkungen. Welche Möglichkeiten von Work-Life-Balance bieten Sie?

E.on versucht, alles zu tun, um ein Umfeld zu schaffen, das der individuellen Lebensplanung entspricht. So offerieren wir verschiedene Instrumente für Vereinbarkeit von Beruf und Familie, angefangen von Teilzeit über Homeoffice und Betreuung der Kinder durch Zuschüsse oder gar in betriebseigenen Kindergärten am Standort. Was wir aber auch anbieten, ist die Möglichkeit, während der Elternzeit Mütter und Väter durch kleinere Projekte an ihren Job zu binden. Wir haben festgestellt, dass dieses Angebot von den Eltern sehr stark nachgefragt.

Hartnäckig hält sich das Urteil, Frauen und Technik gehe nicht. Wenn man Frauen endlich mal lassen würde, wären sie vielleicht die besseren Ingenieurinnen?

Ich glaube nicht, dass die Talente zwischen Frau und Mann so eindeutig verteilt sind, wie viele glauben. Frauen haben viele Stärken, die wir besser nutzen müssen und die auch für die Entwicklung und den Vertrieb von technischen Produkten von großem Vorteil sind – zum Beispiel ihre Kreativität, ihre strukturierte Arbeitsmethodik und ihre Fähigkeit, Lösungen mit emotionalen Elementen zu verbinden.

Wie viele Frauen werden Sie dieses Jahr einstellen?

Das kann ich Ihnen explizit so nicht sagen, da wir in unseren Erhebungen die Einstellungszahlen nicht nach Frauen und Männern aufschlüsseln. Wir haben im vergangenen Jahr 13 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom externen Arbeitsmarkt eingestellt – und das bei einem Unternehmen, das insgesamt 93 500 Beschäftigte hat. 5000 Stellen haben wir allein in Deutschland besetzt. In diesem Jahr werden wir diese Zahlen nicht ganz erreichen. Aber natürlich benötigt E.on weiterhin qualifizierte Führungskräfte und hochkarätige Fachkompetenz, besonders Ingenieure sind gefragt. Und eben gerne auch Frauen. Bitte bewerben!

Welchen Ratschlag geben Sie Frauen für ihren beruflichen Weg?

Frauen sollten sich auf ihre sozialen Fähigkeiten verlassen. Sie sollten unbedingt besser im Networking werden. Und sie sollten nie den Glauben an sich verlieren. MARTIN ROOS

Von Martin Roos

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