Franchising

„Viel Spreu in der Franchise-Wirtschaft“  

Laut Deutschem Franchiseverband (DFV) wächst die Franchise-Wirtschaft in Deutschland unaufhaltsam: 163 % Umsatzzuwachs seit 1998, 50 % mehr Systeme und 82 % mehr Franchise-Nehmer. Auf den zweiten Blick überzeugen die Zahlen nur bedingt. Denn aggregierte Umsätze allein verraten wenig über individuelle Profitabilität. Der DFV räumt ein, dass es eine hohe Fluktuation gibt und längst nicht alle der 950 aktiven Systeme auf Wachstumskurs sind. VDI nachrichten, Berlin, 11. 9. 09, sta

Allein 2008 legten die Umsätze der deutschen Franchise-Wirtschaft um 13 % auf insgesamt 47 Mrd. € zu. Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre lag das jährliche Wachstum laut Deutschem Franchiseverband (DFV) sogar bei über 16 %.

Die Zahlen klingen gut – auf den ersten Blick. Tatsächlich aber wachsen längst nicht alle Systeme. „Viele dümpeln vor sich hin“, so Hubertus Boehm. Der Berater und Mitgründer des DFV räumt ein, dass es neben echten Hoffnungsträgern auch viel Spreu gebe. Oft mangele es den Franchise-Gebern an Engagement oder unternehmerischem Know-how. Auch die Qualität der Ideen sei mitunter fragwürdig. „Besonders häufig scheitert die Expansion aber an finanziellen Möglichkeiten“, so der Experte. Der Branche fehle es an Risikokapital. Boehm wünscht sich mehr Beteiligungsgesellschaften, die langfristig in den Aufbau von Franchise-Systemen investieren.

Auch DFV-Geschäftsführer Torben Brodersen sieht noch erhebliche Potenziale brachliegen. Über die Hälfte der deutschen Franchise-Geber haben weniger als 20 Ableger. Kaum einer bringt es auf über 75 Betriebe. „Wenn Systeme jahrelang bei einer Handvoll Betriebe stagnieren, hat das mit Multiplikation erfolgreicher Geschäftsideen wenig zu tun“, räumt Brodersen ein. Auch sein Befund lautet: Wachstumsklemme mangels Eigenkapital. Schön reden will er die Lage nicht. „Wir beobachten mit Sorge eine hohe Fluktuation.“ Zwar wachse die Zahl der Systeme unterm Strich, doch viele würden es nicht schaffen, sich dauerhaft im Markt zu etablieren.

Ohnehin ist fraglich, in wie vielen Systemen die Franchise-Nehmer ein passables Auskommen finden. Umgelegt auf die rund 450 000 Mitarbeiter der Branche ergibt sich ein Jahresumsatz pro Kopf in Höhe von 104 500 €. Doch die Umsätze sind alles andere als gleich verteilt. Einige Top-20-Systeme wie Obi, Mcdonald“s oder Tschibo erlösen Milliardensummen. Für die restlichen 930 Systeme fällt deutlich weniger ab. Ganz abgesehen davon, dass schon von 104 500 € wenig übrig bleibt, wenn Wareneinkauf, Franchise-Gebühren, Mieten, Sozialabgaben und sonstige Investitionen davon abgehen.

Spielt sich Franchising also im Niedriglohnsektor ab? „Für so eine Pauschalaussage sind die Systeme und ihre Branchenstruktur zu heterogen“, so Brodersen. Gleichzeitig räumt er ein, dass sich Franchise-Marken in der Regel im mittleren und unteren Preissegment ansiedeln. Meist geschehe dies in Branchen mit hartem Wettbewerb, etwa Gastronomie, Einzelhandel, Bau oder Dienstleistungen. Die Franchise-Nehmer könnten überleben dank gemeinsamen Einkaufs und zentralisierter Organisation.

Doch alljährlich bleiben etliche Systeme auf der Strecke. Mancher Franchise-Geber träumt laut Boehm von schneller Expansion und unterschätzt den zeitlichen, organisatorischen und finanziellen Aufwand. „Für den Aufbau eines professionellen Systems kommen je nach Branche schnell Investitionen in Millionenhöhe zusammen“, sagt er. So müsse zunächst in zwei bis drei Pilotbetrieben bewiesen werden, dass das Geschäftsmodell ortsunabhängig und ohne den Chef funktionieren kann. Außerdem müssten ein Franchise-Handbuch und Vertragsunterlagen erstellt werden, wozu in aller Regel Rechtsbeistand nötig sei. Erst danach sollten Franchise-Nehmer gesucht werden. Deren Startgebühren könnten die Anfangsinvestitionen bei weitem nicht auffangen. Gute Renditen ergäben sich nur langfristig.

Franchise-Geber müssen laut Böhm in Vorleistung treten und jahrelang Verantwortung übernehmen. „So eine Führungsaufgabe muss man wollen.“ Doch vielen Franchise-Gebern sei die Dimension nicht bewusst. Darum rät der Berater Gründungsinteressenten, Systeme gründlich zu prüfen. „Sie sollen schnüffeln, Franchise-Nehmer im System befragen, sich die Betriebszahlen der letzten Jahre geben lassen.“ Ein Unternehmen gründe man nur einmal im Leben.

Ein wichtiger Indikator für Seriosität ist die Mitgliedschaft im DFV. Denn der Verband verpflichtet seine Mitglieder nicht nur auf einen Ehrenkodex, sondern unterzieht sie regelmäßigen Qualitätsprüfungen. Dazu zählen auch Zufriedenheitsanalysen der Franchise-Nehmer. „Stoßen wir auf unzufriedene Partner und wiederholt sich dieser Eindruck bei einer erneuten Analyse, entziehen wir die Mitgliedschaft“, so Brodersen. Es widerspreche dem Geist des Franchisings und behindere das System selbst, wenn Partner dauerhaft unzufrieden sind. Doch es komme vor.

„Das sind aber Einzelfälle. In der Regel ermitteln wir bei unseren rund 170 Mitgliedern hohe Zufriedenheitswerte“, stellt der DFV-Chef klar. Auch das sei ein Beleg dafür, dass Gründer in soliden Franchise-Systemen bei entsprechendem Einsatz durchaus gute Profite erzielen können. P. TRECHOW/sta

Von Trechow/Stefan Asche
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