Personalmanagement

Unternehmen steuern dem Jugendwahn entgegen

VDI nachrichten, Berlin, 3. 12. 04 -„Die Tendenz für eine erhöhte Akzeptanz älterer Arbeitnehmer in deutschen Unternehmen ist offenkundig“, meint IAB-Direktorin Jutta Allmendinger. Die Grundlage für eine gerechte Beteiligung aller Gesellschaftsteile werde aber noch vernachlässigt. Die Wurzel allen Übels läge in der frühen Bildungsselektion.

VDI nachrichten: Die letzte Pisa-Studie hat die ganze Palette deutscher Bildungsmängel offen gelegt. Was ist für Sie die schwerwiegendste Erkenntnis?
Allmendinger: Die Tatsache, dass unser Bildungswesen einer hohen sozialen Selektivität unterliegt, die stark vom Elternhaus abhängt, ist seit Pisa stark ins öffentliche Bewusstsein gedrungen, obwohl wir davon bereits seit Jahrzehnten wissen und dies hätten vorher korrigieren können. 10 % der gesamten Bevölkerung sind der Studie zufolge „bildungsarm“, also ohne Hauptschulabschluss, und weitere 10 % sind kompetenzarm. Beide Gruppen sind nicht identisch. Das ist – und das untermauert der internationale Vergleich – nicht individuell bedingt, sondern institutionell. Und das ist für mich die wichtigste Pisa-Botschaft: Erschreckend viele in Deutschland lebende Kinder verfügen über brach liegende kognitive Potenziale, die sie in diesem System nicht abrufen können.
VDI nachrichten: Die soziale Schere öffnet sich nach der Schulausbildung weiter. Nur ein vergleichsweise geringer Prozentsatz aus bildungsfernen Elternhäusern strebt ein Studium an. Kritiker behaupten, Studiengebühren sorgten für eine weitere Spreizung der Schere.
Allmendinger: Momentan zahlen 70 % der Bevölkerung mit ihren Steuergeldern die akademische Ausbildung der restlichen 30 %. Das Argument, man halte mit Gebühren sozial Benachteiligte von einem Studium ab, ist so gesehen fast zynisch zu nennen. Schon heute studieren nur acht von hundert Arbeiterkindern. Andere Länder zeigen, dass Stipendien motivationale Anreize für sozial Schwache bieten können. Wenn wir diese Potenziale weiterhin nicht nutzen, haben wir aufgrund der demografischen Entwicklung künftig ein immenses Problem.
VDI nachrichten: Welche Rolle spielt die Weiterbildung bei der Gestaltung künftiger Arbeitsmärkte?
Allmendiger: Bildung hält nicht ein ganzes Leben. Qualifikationen durch Weiterbildung zu erhalten und auszubauen, ist heute unverzichtbar. Die demografische Entwicklung hat aber auch zu einer neuen Denkkultur bezüglich älterer Arbeitnehmer geführt: Die Frage des lebenslangen Lernens beruht auf der schlichten Einsicht, dass wir Personen im Alter von 54 Jahren nicht in den Ruhestand entlassen können, weil die Bevölkerungszahl schrumpfen und der Altersdurchschnitt steigen wird. Die Arbeitgeber werden zunehmend auf diese Altersgruppe angewiesen sein.
VDI nachrichten: Ist die Aufforderung der Politik an Arbeitslose sich weiterzubilden, nicht auch ein Slogan, um vom eigenen arbeitsmarktpolitischen Versagen abzulenken?
Allmendinger: Die Bundesagentur für Arbeit ist eine Art Reparaturwerkstatt, um das Versagen der Bildungspolitik zu kaschieren. Diese Politik hat es nicht verstanden, Kinder und Jugendliche auf die Arbeitsmärkte vorzubereiten. Ich verstehe unter Weiterbildung, dass Firmen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kontinuierlich auf dem neuesten Wissensstand halten. Was die Bundesagentur macht, ist die Betreuung von Arbeitslosen. Dann ist das Kind aber bereits in den Brunnen gefallen. Besser wäre es, präventiv tätig zu werden. Erhielten Arbeitslose aber von der Bundesagentur keine Weiterbildung, wer würde sich um die wichtige Aufgabe der Integration kümmern? Der Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und psychischen sowie physischen Leiden ist nachgewiesen. Daher haben die Weiterbildungsaktivitäten der Bundesagentur neben dem Qualifizierungsnutzen auch einen hohen psychologischen Wert.
VDI nachrichten: Ist es realistisch, dass sich Firmen im Zuge demografischen Wandels auf Ältere besinnen?
Allmendinger: Die Tendenz für eine erhöhte Akzeptanz älterer Arbeitnehmer in deutschen Unternehmen ist offenkundig. Auch Forschungsergebnisse zeigen, dass diese Altersgruppe keineswegs über geringere kognitive und andere wesentliche Fähigkeiten verfügt als jüngere Menschen. Viele Unternehmer steuern inzwischen dem Jugendwahn entgegen. Dass viele Ältere in den vergangenen Jahren aus dem Arbeitsleben ausschieden, ist aber nicht allein die Schuld der Firmen, für die sich das offenbar rechnete.
Es entstand zudem eine Kultur, in der das frühe Ausscheiden aus dem Arbeitsleben als normal betrachtet wurde. Stattdessen müssen wir zu stärker perforierten Lebensabläufen kommen, in denen Unterbrechungen der Erwerbstätigkeit auch jenseits der 50 noch möglich sind. Vorausgesetzt, die Nähe zum Arbeitsplatz wird durch Weiterbildung erhalten. Das bringt Mobilität in die Arbeitsmärkte. ws

Von Wolfgang Schmitz

Stellenangebote im Bereich Technische Leitung

Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Die Autobahn GmbH des Bundes Abteilungsleitung (w/m/d) Planung Ingenieurbauwerke Heilbronn
KRATZER AUTOMATION AG-Firmenlogo
KRATZER AUTOMATION AG Leiter (m/w/d) Entwicklung Konstruktion Gesamtsysteme Unterschleißheim bei München
Jungbunzlauer Ladenburg GmbH-Firmenlogo
Jungbunzlauer Ladenburg GmbH Projektingenieur (m/w/d) Ladenburg
Hafen Krefeld GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Hafen Krefeld GmbH & Co. KG Leitung des Eisenbahninfrastrukturunternehmens und der Technikabteilung (m/w/d) Krefeld
NEW AG-Firmenlogo
NEW AG Ingenieur TGA/Elektrotechnik (m/w/d) Mönchengladbach
Jungbunzlauer Ladenburg GmbH-Firmenlogo
Jungbunzlauer Ladenburg GmbH Projektleiter/Projektingenieur – Elektrotechnik (m/w/d) Ladenburg
BYK-Chemie GmbH-Firmenlogo
BYK-Chemie GmbH (Industrial) Engineer as Head of Process Control Systems (m/f/d) Wesel
eppendorf-Firmenlogo
eppendorf Abteilungsleiter Entwicklung Zubehör (m/w/d) Leipzig
Adolf Würth GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Adolf Würth GmbH & Co. KG Führungskraft (m/w/d) Projektkoordination Akkuprodukte/ Versuchsbetrieb Künzelsau
Physik Instrumente (PI) GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Physik Instrumente (PI) GmbH & Co. KG Leiter Operational Excellence (m/w/d) Karlsruhe

Alle Technische Leitung Jobs

Top 5 Führung

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.