Personalmanagement

Unternehmen entdecken Mütter als wichtige Mitarbeiterinnen

Mütter – das neue Potenzial.

Ein gutes Angebot an außerhäuslicher Kinderbetreuung sowie flexible Arbeitszeiten für sich und den Partner – das wünschen sich die meisten berufstätigen Frauen. Dies ergab eine telefonische Erhebung, bei der das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit (IAB) im vergangenen Jahr 3000 Frauen mit Kleinkindern befragt hat. Dabei zeigte sich, dass rund ein Viertel aller Frauen mit Kleinkindern berufstätig ist und die Erwerbsbeteiligung mit zunehmendem Alter der Kinder steigt. Teilzeit ist – das zeigen auch neue Erhebungen – in den alten Bundesländern immer noch stärker verbreitet als im Osten der Bundesrepublik. Zudem scheitern ostdeutsche Frauen mit ihren Erwerbswünschen viel häufiger an der schlechten Arbeitsmarktlage als westdeutsche. Die Chancen, in den alten Beruf zurückzukehren, hängen sowohl in den neuen wie in den alten Bundesländern oftmals von der wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens ab: „Während vor allem expandierende mittelständische Betriebe versuchen, den Kontakt zu den Mitarbeiterinnen im Erziehungsurlaub mit individuell zugeschnittenen, flexiblen Hilfen aufrecht zu halten, kommt Unternehmen, die von konjunkturell oder strukturell bedingtem Personalabbau betroffen sind, eine Babypause von Mitarbeiterinnen häufig als Puffer gelegen. Sie ermöglicht ihnen, Stellen sozialverträglich einzusparen. Großbetriebe mit stabiler Beschäftigungszahl stellen hingegen häufig unbefristete Ersatzkräfte ein“, erläuterte Gerhard Engelbrech, wissenschaftlicher Mitarbeiter am IAB.

Auch Branchenunterschiede sind erkennbar: So fand die Hamburger Wirtschaftsprofessorin Sonja Bischoff in ihrer Studie „Männer und Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft in Deutschland – Neuer Blick auf alten Streit“ heraus, dass in den Bereichen Marketing und Werbung das Klima für Frauen mit Kindern oder Familienwunsch am schlechtesten ist: „In diesen Branchen haben wir auch die wenigsten berufstätigen Mütter gefunden. Der Grund hierfür ist vor allem in den unregelmäßigen und oftmals ausgedehnten Arbeitszeiten zu finden.“ Ebenso wie in anderen Branchen, hätten viele Werbe- und Marketingfrauen außerdem mit geschlechtsbedingten Vorurteilen zu kämpfen: „Nicht Kinder und Familie sind das Karrierehindernis – so das Ergebnis unserer Befragung – , sondern die persönliche Einstellung der Unternehmensführung und der Vorgesetzten gegenüber den Mitarbeiterinnen. Dies ist ein Entwicklung, die ich als alarmierend empfinde“, so Sonja Bischoff.

Bereits seit einigen Monaten versucht die Techniker Krankenkasse (TK) in Hamburg genau diesem Problem entgegenzuwirken: In Workshops sollen stereotypische Denkweisen, wie beispielsweise „Frauen wären so und so mit den Gedanken nur bei ihren Kindern“, abgebaut werden. Zudem hat die TK vor zwei Jahren einen Haustarifvertrag abgeschlossen, der nicht nur den Anspruch auf Teilzeit und Jobcharing garantiert, sondern auch wahlweise eine Arbeitszeit zwischen wöchentlich 18 bis 39,5 Stunden vorsieht. Während des Erziehungsurlaubs bietet die TK stundenweise Beschäftigungsmöglichkeiten an, wie beispielsweise Urlaubsvertretung. Ziel ist es, die Mitarbeiterinnen auf einem aktuellen Wissensstand zu halten. Zudem steht ihnen eine Frauenbeauftragte zur Verfügung, die ihnen beispielsweise innerbetriebliche Entwicklungsperspektiven aufzeigt. Georgia Skorczyk, Bereichsleiterin Personal und Recht bei der Techniker Krankenkasse, zeigt sich überzeugt von den Maßnahmen: „Ich glaube, dass dieses Thema auch ein immer wichtigeres Argument für das Personalmarketing wird.“

Eine Ansicht, die auch Thomas Edig, Geschäftsführer Personal der Alcatel Deutschland GmbH und zugleich Vorstand Personal und Arbeitsdirektor der Alcatel SEL AG, vertritt: „Die Arbeitsteams, die aus Frauen und Männern bestehen, sind kreativer und produktiver. Zudem können und wollen wir nicht auf das Know-how der Mitarbeiterinnen verzichten. Wir haben daher schon Anfang der 90er Jahre erkannt, dass Frauen entsprechend ihrer Qualifikation einsatzfähig bleiben, wenn wir nicht in starren Zeitmodellen denken.“

JUTTA GRÖSCHL

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