Management 14.05.2004, 18:30 Uhr

„Unsere Stärke liegt in der Technologie“

VDI nachrichten, Frankfurt, 14. 5. 04 -Im Gegensatz zu Konkurrent Sony hat der japanische Elektronik-Konzern Matsushita, besser bekannt unter der Marke Panasonic, seine Krise schneller in den Griff bekommen. Europa-Chef Joachim Reinhart erklärt, wie Matsushita den Handy-Markt aufmischen will, warum das Halbleitergeschäft für ihn ein Schlüsselsegment ist, und wie der Aktienkurs wieder anziehen soll.

VDI nachrichten: Sie wollen bis 2006 rund 10 % Marktanteil im Handy-Markt gewinnen und damit Siemens als Nummer drei ablösen. Wie?
Reinhart: Wir konzentrieren uns künftig auf das obere Segment. Denn im Massensegment ist keine müde Mark zu verdienen. Der Erfolg von Samsung zeigt, dass sich eine Fokussierung auf das mittlere und obere Segment lohnt. Mit einem Marktanteil von derzeit knapp 3 % sind wir zurzeit noch ein Stück von unserem Ziel entfernt. Aber wir befinden uns auf gutem Weg. In Japan haben wir aufgeholt, in den USA sind wir schon die Nummer drei. Nur in Europa liegen wir etwas abgeschlagen an sechster oder siebter Stelle.
VDI nachrichten: Wann kommen Ihre ersten UMTS-Handys auf den europäischen Markt?
Reinhart: 2005, wenn der UMTS-Markt richtig losgeht. Dabei setzen wir vor allem auf die Partnerschaft mit Vodafone. Bisher war die Nachfrage für UMTS in Europa gering. 90 % der Kunden wollen nur telefonieren oder MMS verschicken. In Japan wird sich UMTS schon in diesem Jahr rasch entwickeln. Hier liefern wir bereits Geräte an Vodafone und NTT Docomo.
VDI nachrichten: Auf der CeBit haben Sie eine digitale Offensive gestartet. Wie wollen Sie den Kampf ums Wohnzimmer mit Microsoft, Intel & Co gewinnen?
Reinhart: Wir setzen auf die SD-Card als universellen Datenträger. Die Speicherkarte passt in eine Vielzahl von Geräten. Die SD-Card kann beispielsweise in die Digitalkamera eingeschoben werden, und schon Sekunden später hat man die Fotos im Computer oder auf dem TV-Bildschirm. Mit der SD-Card wollen wir für Panasonic einen weltweiten Marktanteil von 25 % bis 30 % im Speicherkartenmarkt erreichen.
Entscheidend für den Erfolg auf dem Weg ins digitale Zeitalter ist auch die Vernetzung im Haus. Wir arbeiten aktiv mit an drahtlosen Standards und sind Mitglied der Multimedia over Coax-Allianz. Wir glauben, dass die Vernetzung künftig zusätzlich über Powerline, also über die Elektroleitungen erfolgt. Wir haben deshalb eine breitbandige Technologie und entsprechende Adapter für Steckdosen entwickelt, mit denen man mit 170MB/s Datenrate von Zimmer zu Zimmer kommunizieren kann. Gemeinsam mit dem Bauelemente- und Installationshersteller Matsushita Electric Works, den wir vor kurzem übernommen haben, werden wir die Vernetzung im Haus vorantreiben.
VDI nachrichten: Warum konzentrieren Sie sich in Europa nur auf Unterhaltungselektronik?
Reinhart: Das stimmt so nicht. Wir bieten auch Hightech-Produkte für die Industrie an, wie Laptops, Scanner, Faxe und Drucker, Sicherheitskameras, Sicherheitsrekorder usw. Darüber hinaus liefern wir Bauelemente, Bestückungsmaschinen, Fertigungsroboter sowie Navigationssysteme für die Autoindustrie. Das Industriegeschäft macht bereits 25 % unseres Umsatzes in Europa aus.
VDI nachrichten: Als Antwort auf die letztjährige Krise hat das Unternehmen eine Restrukturierung beschlossen. Wie weit sind Sie damit?
Reinhart: Im vergangenen Geschäftsjahr 2003/2004 ist Matsushita in die Gewinnzone zurückgekehrt und hat 42 Mrd. Yen (300 Mio. €) verdient. Das Unternehmen wurde umgebaut, mehrere Geschäftsbereiche wurden neu geordnet. Im Ausland haben wir unsere Markenstrategie optimiert. Künftig werden alle Produkte unter einer Marke – Panasonic – vertrieben. Mit dem Plan „Leap Ahead 21“ soll bis 2007 die Rentabilität deutlich erhöht und die Gewinnmarge auf mehr als 5 % getrieben werden.
Im kommenden Jahr soll eine stärkere Vermarktung unserer so genannten „V-Produkte“ (Victory-Produkte) beginnen. Mit unseren DVD-Recordern und Camcordern, im Plasma- und im digitalen Kamera-Geschäft werden wir noch einmal richtig angreifen.
VDI nachrichten: Was machen Sie anders als Sony?
Reinhart: Sony verabschiedet sich immer mehr von der Herstellung der Produkte und verlagert diese an Zulieferer. Das sehen wir völlig anders. Wir sind überzeugt davon, dass man Herstellung sowie Marketing und Entwicklung in einer Hand braucht. Matsushita stellt deshalb weiterhin einen Großteil seiner Komponenten selbst her. Ein Schlüsselsegment für uns ist die Halbleiterindustrie. Wir haben Milliarden investiert, um verstärkt für den eigenen Gebrauch und für andere Unternehmen Systemchips zu produzieren. Unter den Halbleiter-Herstellern sind wir inzwischen bereits weltweit die Nummer sieben.
Darüber hinaus hat Matsushita – anders als Sony – eine Firmenphilosophie, die nicht nur auf Profit ausgerichtet ist, sondern die mit ihren Produkten dem Fortschritt der Menschheit und der Entwicklung der Gesellschaft dienen soll. Aufgrund dieser Philosophie sind wir auch sehr engagiert in China.
VDI nachrichten: Deutsche Top-Manager haben Probleme mit Japan, wie der Fall Mitsubishi von DaimlerChrysler zeigt. Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Reinhart: Man muss mit den Japanern konstruktiv Vertrauen aufbauen. Man darf nicht auf den schnellen Erfolg aus sein. Wahrscheinlich fehlte DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp bei Mitsubishi die Geduld. Ich bin seit 22 Jahren bei Matsushita. Da hat sich ein Vertrauensverhältnis gebildet. Besonders freut es mich, dass mich Matsushita vor zwei Wochen als ersten Nicht-Japaner in den Vorstand berufen hat.
VDI nachrichten: Der japanische Branchenindex Elektronik ist 2003 um 60 % gestiegen, die Matsushita-Aktie hinkte jedoch mit einem Plus von 14 % deutlich hinterher. Woran lag das?
Reinhart: Unsere Profitrate für 2003/2004 war nicht ausreichend. Unsere Aktie kann nur steigen, indem wir wieder mehr Gewinn machen. Dabei sind wir uns bewusst, dass unsere Stärke nicht im Marketing, sondern in der Technologie liegt.N. BLECHNER

 

Ein Beitrag von:

  • Notker Blechner

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