Personalmanagement

Überstunden sind unbeliebt

Mehrarbeit ist vor allem ein Problem für höher qualifizierte Arbeitnehmer, so eine Studie über Nordrhein-Westfalen. Bundesweit gibt es schon Modelle, Überstunden in neue Stellen umzuwandeln.

Die einen haben viel Arbeit und wenig Zeit, die anderen haben viel Zeit und keine Arbeit. Dieses Dilemma prägt viele westliche Industriegesellschaften.
In der New Economy sind lange Arbeitszeiten zum Kult geworden, aber auch in den traditionellen Wirtschaftszweigen nimmt Mehrarbeit zu. Mit 1,9. Mrd. sollen in diesem Jahr so viel Überstunden gefahren werden wie seit 1991 nicht mehr. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Dieter Schulte, und der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda, fordern deshalb die Unternehmen auf, Mehrarbeit zu reduzieren und so weit als möglich neue Stellen zu schaffen.
Damit Überstunden zu neuen Arbeitsplätzen führen können, müssen sie auf längere Sicht anfallen und messbar sein, so dass sie mindestens zu einer halben Stelle gebündelt werden können.
Wie diese Umwandlung von Mehrarbeit aussehen kann, zeigt ein Beispiel aus dem Arbeitsamtsbezirk Neuwied. Dort haben unter dem Namen BAFF (Befristet Arbeit finden und fördern) durch den Abbau von Überstunden seit 1997 insgesamt 620 Arbeitslose wieder eine Beschäftigung gefunden, so der stellvertretende Leiter des Amtes, Günter Thull.
Die Idee von BAFF: Unternehmen reduzieren die bezahlten Überstunden ihrer Belegschaft und stellen dafür befristet Arbeitslose ein. Ein Beispiel: In einem Unternehmen fällt ein Mitarbeiter für längere Zeit aus. Anstatt die restliche Belegschaft Überstunden schieben zu lassen, wird ein Arbeitsloser eingestellt.
Im Durchschnitt dauert die Beschäftigung dieser „Aushilfen“ rund sechs Monate. Bislang haben 80 % danach einen dauerhaften Arbeitsplatz gefunden, ein Drittel davon im gleichen Unternehmen. Der Großteil verfügt über einen Berufsabschluss, einige sind Ingenieure.
Der Schwerpunkt dieses Programms liegt im verarbeitendenden Gewerbe, dort, wo die Arbeitszeiten eng an Maschinenlaufzeiten gekoppelt sind, erklärt Thull. An BAFF beteiligt sind Unternehmen von 10 bis 2000 Mitarbeitern. Um das Risiko für die Betriebe zu reduzieren, zahlt das Arbeitsamt einen Teil der Kosten, die bei Krankheit oder Urlaub anfallen.
Die Neuwieder waren die ersten, die auf diese Weise versucht haben, Mehrarbeit in den Unternehmen abzubauen und Arbeitslosen wieder eine Chance zu geben. Mittlerweile laufen ähnliche Projekte flächendeckend in Bayern und rund 20 weitere in den anderen Bundesländern. Auslöser für diese Idee war die Diskrepanz zwischen der hohen Zahl an Überstunden, sie lag auch 1997 schon bei rund 1,8 Mrd., und den 4 Mio. registrierten Arbeitslosen.
Wie die Arbeitnehmer das Problem der Überstunden sehen, hat jetzt, bezogen auf Nordrhein-Westfalen, das Kölner Institut zur Erforschung sozialer Chancen (ISO) ermittelt.
Danach geht ein gutes Drittel der Befragten davon aus, dass sich ihre Arbeit ohne Überstunden nicht bewältigen lasse, der Leistungsdruck also sehr stark sei. Fast ebenso viele glauben, sich der Mehrarbeit nicht entziehen zu können. Nur 10 % erkennen Überstunden als karrierefördernd, knapp 9 % schätzen besonders den Zusatzverdienst.
So erstaunt es nicht, dass viele Arbeitnehmer kürzer arbeiten würden, sofern sie die Wahl hätten. Knapp die Hälfte der Arbeitnehmer in Nordrhein-Westfalen, so die ISO-Forscher Hermann Groß und Eva Munz, wünscht sich eine Verringerung der tatsächlichen Arbeitszeit, die vor allem bei Männern höher ist als die im Arbeits- oder Tarifvertrag geregelte.
Am stärksten ausgeprägt ist der Wunsch nach weniger Überstunden bei den höher Qualifizierten: bei Vorarbeitern, Meistern, Spezialisten, leitenden Angestellten und höheren Beamten. In dieser Gruppe fallen mehr als ein Drittel aller Überstunden in NRW an. Aber auch Selbstständige machen keine Ausnahme: Bei ihnen ist das Interesse an kürzeren Arbeitszeiten ebenfalls hoch (siehe Grafik).
Das Thema Überstunden löst regelmäßig heftige Diskussionen aus, vor allem, weil strittig ist, wie viele Stellen durch den Abbau von Mehrarbeit geschaffen werden können. Bezogen auf Nordrhein-Westfalen, hat das ISO-Institut auch das Beschäftigungspotenzial errechnet: Zwischen 190 000 und 300 000 zusätzliche Stellen könnten durch die Umwandlung von Mehrarbeit entstehen, je nach dem, ob nur die bezahlte oder auch die unbezahlte Mehrarbeit einbezogen wird.
Wie viele Stellen es auch sein könnten: Profitieren würden höher qualifizierte Arbeitnehmer davon kaum. Auf Grund des Fachkräftemangels sei für sie auf dem Arbeitsmarkt nur schwer Ersatz zu finden.
Überstunden werden meist betriebswirtschaftlich bewertet, wichtig ist aber auch der psychologische Aspekt: Überwiegt die Freude an der Arbeit oder stehen finanzielle Anreize oder gar die Angst um den Job im Vordergrund?
Der Wirtschaftspsychologe Stefan Poppelreuter von der Universität Bonn sieht Gefahren, wenn Arbeitnehmer dauerhaft 50 oder 60 Stunden in der Woche malochen, um ihren Lebensstandard zu halten oder um ihren Arbeitsplatz zu sichern. Die Zufriedenheit der Mitarbeiter und die Qualität der Arbeit dürfte in diesen Fällen leiden. Von Nutzen, für Beschäftigte wie Arbeitgeber, seien Überstunden nur dann, wenn insgesamt die Freude an der Arbeit überwiegt, so der Psychologe. HARTMUT STEIGER

Von Hartmut Steiger

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